Bilanz zum Internationalen Gedenktag: Todesfälle durch Drogenkonsum in Neukölln

Pressemitteilung vom 21.07.2025

Das Bezirksamt Neukölln legt anlässlich des Gedenktags für verstorbene drogengebrauchende Menschen am heutigen Montag, dem 21. Juli 2025 einen neuen Bericht zu Todesfällen durch Rauschgiftkonsum in Neukölln vor.

Der Bericht soll einen Einblick in die soziale und gesundheitliche Situation der betroffenen Menschen im Bezirk geben und die Realität und die Konsequenzen von Suchterkrankungen aufzeigen, die nicht nur in Neukölln sondern in der ganzen Stadt zunehmen und Konflikte hervorbringen. Er stellt ebenso eine Grundlage dar, die wichtige Erkenntnisse für mögliche Präventions- und Hilfsangebote im Bezirk liefert.

Insgesamt liegt die Anzahl der Todesfälle infolge von Rauschgiftkonsums in Neukölln seit dem Jahr 2020 relativ konstant zwischen 20 und 30 Personen jährlich. Im Vergleich dazu sind die Todesfälle in Verbindung mit Rauschgiftkonsum in Berlin kontinuierlich angestiegen(von 215 auf 271 Menschen). Im Vergleich zu den anderen Bundesländern hat Berlin gemessen an der Zahl der Einwohnenden den höchsten Anteil an Rauschgifttodesfällen.

Entgegen bundesweiter Entwicklungen nimmt der Anteil der jüngeren Altersgruppen bei den Todesfällen eher ab und der Anteil der älteren Altersgruppen steigt entsprechend an. Der Anteil der Todesfälle, welche älter als 55 Jahre waren ist seit 2017 von 8 % auf 22 % gestiegen. Waren im Jahr 2017 etwa 60 % der Rauschgifttodesfälle 35 Jahre oder jünger, traf das im Jahr 2023 auf 30 % der Todesfälle zu. Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen schwankt im selben Zeitraum zwischen 4 % und 29 %.

In Neukölln wurde bei den Todesfällen durch Rauschgiftkonsum deutlich häufiger Substanzen wie Kokain, Substitutionsmittel, Benzodiazepine und MDMA nachgewiesen als im Rest der Stadt. Bei etwa der Hälfte der Rauschgifttodesfälle mit Fundort Neukölln wird Kokain im Blut nachgewiesen. Dieser Anteil liegt in den beobachteten Jahren bei mindestens 40 % und teilweise über 50 %. Im Vergleich zu Berlin seltener festgestellte Substanzen sind Heroin, Amphetamin und Methamphetamin.

Ließ sich im Jahr 2017 bei 68 % der Rauschgifttodesfälle mit Fundort Neukölln Heroin im Blut nachweisen, traf das im Jahr 2023 lediglich auf 22 % zu. Berlinweit zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Im Gegensatz ist der Konsum von Substitutionsmitteln im Zusammenhang mit Rauschgifttodesfällen gestiegen – insbesondere auch in Neukölln. Konnten im Jahr 2017 bei 16 % der Fälle Substitutionsmittel im Blut nachgewiesen werden, waren es im Jahr 2023 44 % der Fälle.

Der gleichzeitige oder nacheinander folgende Konsum von mehreren Drogen, also „Polyvalenter Drogenkonsum“, hat zugenommen. Konnte im Jahr 2017 bei 64 % der Rauschgifttodesfälle im Bezirk Neukölln mehr als eine Substanz im Blut nachgewiesen werden, war das im Jahr 2023 bei 91 % der Todesfälle der Fall. Die Zunahme an polyvalentem Drogenkonsum zeigt sich nicht nur in Neukölln – sondern bundesweit.

Rauschgiftkriminalität, also Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz, sind sowohl in Berlin als auch in Neukölln seit 2020 rückläufig. Der Bezirk verzeichnet gemessen an der Einwohnerzahl im Vergleich zu Berlin aber häufiger Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die meisten dieser Delikte sind konsumnah und weniger Handelsdelikte.

Insgesamt zeigt der Bericht: Wenn mehr Hilfsangebote für Menschen mit Suchtproblemen geschaffen werden, die auf Schadensminimierung setzen, könnten die Todesfälle durch Drogen weiter sinken oder stabil bleiben. Dazu gehören mehr und leichter zugängliche Angebote wie Substitutionsbehandlungen, psychosoziale Betreuung, mehr Drogenkonsumräume und Möglichkeiten zum Überprüfen der Substanzen (Drug Checking). Das kann helfen, Überdosierungen und den Konsum unbekannter Drogen zu vermeiden. Drug Checking muss dazu zukünftig auch schwer suchtkranken Menschen zur Verfügung stehen.

Der Bezirk Neukölln setzt sich bei der für Gesundheit zuständigen Senatsverwaltung und beim Abgeordnetenhaus dafür ein, Mittel für einen weiteren Drogenkonsumraum zu erhalten. Außerdem möchte Neukölln die Straßensozialarbeit ausbauen, um wohnungslose suchtkranke Menschen besser zu unterstützen und an das bestehende Hilfesystem anzubinden.

Hannes Rehfeldt, Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit: „Der vorliegende Bericht konfrontiert uns mit der Realität und den Konsequenzen von Suchterkrankungen, die nicht nur in Neukölln, sondern in der ganzen Stadt zunehmen und Konflikte schüren. Er zeigt uns, wo Handlungsbedarf besteht und welche Strategien zur Prävention und Hilfestellung wir weiterentwickeln müssen. Letztlich zeigt er auch, dass die Initiative des Senats, mit dem Sicherheitsgipfel einen Schwerpunkt auf Hilfen für suchtkranke Menschen zu legen und die Hilfesysteme nachhaltig zu stärken, richtig ist.“

Den vollständigen Bericht „Mit Rauschgiftkonsum verbundene Todesfälle in Neukölln“ finden Sie hier.