Der Besuch des Stadtrates oder manchmal auch des Bezirksbürgemeisters bei hohen Geburtstagen Neuköllner Bürgerinnen und Bürger ist eine schöne Tradition. In jedem meiner Besuche der vergangenen Monate konnte ich vieles mitnehmen. Sorgen und Nöte aber auch Zuversicht, Lebensfreude und den Blick zurück auf ein Neukölln, das ich so gar nicht kennenlernen konnte.
So war es auch bei Frau Künecke, die mir zu Beginn sagte, dass sie ja noch “gar nicht so lange” in Rudow lebt. Zuvor wohnte sie in Britz und war die Stütze der dortigen Kirchengemeinde, die von ihrem Mann geleitet wurde. Einmal abgesehen davon, dass sie bereits länger in Rudow lebt, als ich auf der Welt bin – nämlich schon 40 Jahre! – konnten wir bei Obsttörtchen und alkoholfreiem Sekt doch viele generationenübergreifende Gemeinsamkeiten entdecken.
Im Kreise ihrer Familie kamen dann aber doch auch so manche Sorgen zur Sprache. Vor zunehmender Kriminalität durch Zuwanderung, hohen Pflegekosten und der Angst, irgendwann doch nicht mehr allein zurecht zu kommen.
Frau Künecke und ihre Familie haben berechtigte Sorgen, die man nicht vom Tisch wischen darf. Der Anstieg von Gewaltkriminalität wird auch vom Bundeskriminalamt unter anderem auf die hohe Zuwanderung zurückgeführt. Mir ist wichtig, deswegen nicht jedem, der neu in unser Land kommt, mit Misstrauen und Ablehnung zu begegnen. Darüber waren wir uns am Tisch schnell einig. “Es gibt überall solche und solche”, hat es gut auf den Punkt gebracht. Das entlastet die (Bunds)Politik natürlich nicht davon, mehr für die Sicherheit und gegen irreguläre Migration zu tun, mit deren Auswirkungen wir auch im Bezirk zu kämpfen haben.
Zu den Sorgen um die Kosten für stationäre Pflege war es mir wichtig, Hilfe anzubieten. Wer seinen Pflegebedarf nicht selber bezahlen kann, bekommt über die Grundsicherung und die Hilfe zur Pflege zuverlässig Unterstützung. Dabei gibt es aber oft Vorbehalte “vor dem Gang zum Amt”. Meine Botschaft an Frau Künecke und ihrere Familie war ganz klar: das steht ihnen zu. Man wird nicht zum Bittsteller, sondern hat einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen. Um sich dazu umfangreich beraten zu lassen, steht die vom Bezirksamt finanzierte Seniorenberatung des HvD gerne zur Verfügung.
Ich wünsche Frau Künecke und ihrer Familie noch viele gemeinsame Jahre, Zuversicht und Gesundheit. Es war ein schönes Treffen, das wir vielleicht bald einmal wiederholen werden.