Soziales und Gesundheit in Neukölln - Mai 2024

Bezirksstadtrat Hannes Rehfeldt

Bezirksstadtrat Hannes Rehfeldt

Liebe Neuköllnerinnen und Neuköllner,

es ging ein beinahe hörbarer Stoßseufzer durch den Bezirk, als die Pressestelle des Bezirkamtes Ende April verkündete: die Haushaltssperre ist aufgehoben.

Zuvor ist es dem Bezirksamtskollegium in durchaus kontroversen aber stets sachorientierten Beratungen gelungen, das bezirkliche Defizit zunächst vorab durch Einzelmaßnahmen zu reduzieren und sodann den Restbetrag auf alle Geschäftsbereiche zu verteilen. Wirklich aufgehoben wurde die Haushaltssperre dann jeweils für die Bereiche, die ihre vorgesehenen Einsparungen im eigenen Etat nachweisen konnten.

Für 2025 steht dieser Prozess erneut an. Einfacher wird es nicht werden. Aber ich spüre an jedem Tag, dass sich diese Mühe für den Bezirk und die Menschen, die an ihm hängen, lohnt.

Ihr Hannes Rehfeldt
Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit

Der Bezirk hat zu wenig Geld (Symbolbild)

Auswirkungen der Pauschalen Minderausgabe

Soziales

In kaum einem anderen Bereich sind Kürzungen so schmerzhaft und unmittelbar wirksam, wie in den zahlreichen sogenannten “freiwilligen Leistungen” im sozialen Bereich. Kürzungen bei der Hilfe für von Obdachlosigkeit betroffene Menschen, bei Senioren oder in der Suchthilfe wurden schon vor Monaten als Schreckgespenst in die Öffentlichkeit getragen. Ein Szenario, mit dem ich nie einverstanden war.

Letztlich muss man resumieren: der schwarz-rote Senat wird seiner Verantwortung für die funktionierende Stadt weitaus mehr gerecht, als es in den vergangenen Jahren der Fall war. Neben einer historisch hohen Basiskorrektur – also zusätzlichen Mitteln für die Bezirke – wird endlich stadtweit an einer Strategie für die Suchthilfe gearbeitet. Mit überbezirklicher Sozialarbeit, gezielten Zusatzmitteln für die Bezirke und sehr viel mehr als einem Zaun um den schlimmsten Park der Stadt.

Wirklich spürbare Einschränkungen wird es 2024 in den sozialen Projekten des Bezirks nicht geben. Ein Erfolg, für den das gesamte Bezirksamt gearbeitet hat. Und doch bleibt der Spardruck enorm. Wo teilweise seit Jahren Defizite bestehen, müssen spätestens jetzt Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Noch einen Doppelhaushalt unter diesen schlechten Vorzeichen werden viele zuwendungsfinanzierte Projekte nicht unbeschadet überstehen können.

Gesundheit

Auch im Gesundheitsamt müssen Einsparungen geleistet werden. Das fällt dort umso schwerer, da das Gesundheitsamt traditionell kaum freie Mittel hat. Zudem trägt es bisher allein die Belastungen durch notwendige Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen, die durch Honorarverträge während der Pandemie entstanden sind. Die Herausforderung ist, hier den notwendigen Dienstbetrieb bei gesetzlichen Kernaufgaben aufrecht zu erhalten, notwendige Weiterbildungen zu ermöglichen und gleichzeitig die verordneten Einsparungen zu erbringen.

Persönlich trifft es mich sehr, dass das Bezirksamt jegliche Mittel für die Neuköllner Präventionskette gestrichen hat. Die erstaunlichen Ergebnisse harter Arbeit seit 2011 stehen damit auf dem Spiel. Und das obwohl die Bezirksverordnetenversammlung im Haushaltsbeschluss einen besonderen Wert auf die Stärkung der Prävention legte.

Blatt der Hanfpflanze

Wie weiter mit der Cannabislegalisierung?

Es gibt keine Antworten auf die zahllosen Fragen, die von Befürwortern und Gegnern der Teillegalisierung des Cannabiskonsums gleichermaßen gestellt werden. Sowohl die Bundesregierung als auch die Mehrheit im Bundestag, die das Gesetz beschlossen hat, stehlen sich damit aus ihrer Verantwortung.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: natürlich ist es im Rahmen demokratischer Prozesse vollkommen legitim, das Suchtmittel Cannabis für den breiten Konsum zu legalisieren. Man kann das machen. Aber eben nicht so. Wie ich schon vor der Verabschiedung des Gesetzes warnte, werden die Kommunen nun tatsächlich bei der Umsetzung allein gelassen. Es gibt keinen Euro für Prävention, Jugendschutz oder Beratungsangebote. Es ist noch nicht einmal klar, wer zuständig sein soll für die Einhaltung der löchrigen Regeln, die der Gesetzgeber aufgestellt hat.

Ein Beispiel: Der Begriff “Sichtweite” im Kontext des KonsumcannabisGesetzes (KcanG) ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der auslegungsbedürftig ist. Innerhalb dieser “Sichtweite” von Schulen, Spielplätzen und anderne Einrichtungen darf nicht konsumiert werden. Da es sich bei dem KcanG und den konkreten Bestimmungen zu Mindestabständen um Rechtsnormen handelt, die den Schutz bestimmter Personengruppen bezwecken, ist bei der Auslegung zuvörderst auf den Schutzzweck abzustellen. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die bestehende Regelung mit Blick auf die alleinige Beschränkung auf den Eingangsbereich der Einrichtungen als Ansatzpunkt der Abstandsmessung von erheblichen Widersprüchen geprägt ist. So könnte der Konsum von Cannabis in unmittelbarer Nähe einer grundsätzlich als schutzwürdig bewerteten Einrichtung (beispielsweise eines Schulhofes) nach dem Wortlaut als erlaubt eingestuft werden können, soweit kein Eingang der Einrichtung in 100 Metern Entfernung bzw. Sichtweite ist.

Ich gehe daher davon aus, dass nicht allein die wörtliche Auslegung, sondern vor allem die Sicherstellung des Schutzzweckes im Einzelfall mittels der teleologischen Auslegung ausschlaggebend sein wird. Wer in Privatwohnungen Pflanzen zählen soll, ist übrigens auch noch nicht geklärt. Mein Gesundheitsamt kann und wird es nicht tun.

Mit anderen Worten: schlechtes Handwerk des Gesetzgebers. Das gilt übrigens auch in der Frage, wer die sogenannten “Cannabis-Social-Clubs” (CSC) genehmigt und überwacht. Bis das geklärt ist, ist die Konsequenz jedenfalls klar: es gibt keine legalen CSC in Neukölln.

Meine Bürgersprechstunde

Meine nächste Bürgersprechstunde für alle Neuköllnerinnen und Neuköllner mit Anliegen zu den Themen Soziales und Gesundheit findet statt am

Donnerstag, 23.05.2024
13:00 bis 14:00 Uhr
Gemeindehaus der ev. Dorfkirche Berlin Alt-Buckow | Alt-Buckow 38

Über eine Anmeldung in meinem Büro per Mail oder telefonisch (030 90239 2241) zur besseren Planbarkeit freue ich mich. Gerne können Sie aber auch spontan und ohne Anmeldung vorbeikommen.

Veranstaltungskalender für Seniorinnen und Senioren

Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, Beratungsangeboten und Hilfen für Seniorinnen und Senioren sind jeden Monat neu hier erhältlich.