Soziales und Gesundheit in Neukölln - Februar 2024

Bezirksstadtrat Hannes Rehfeldt

Bezirksstadtrat Hannes Rehfeldt

Liebe Neuköllnerinnen und Neuköllner,

dass es auch in diesen unsicheren Zeiten – die Folgen der bezirklichen Haushaltslage sind noch immer nicht abschließend geklärt – auch gute Nachrichten gibt, ist eine Wohltat. Ich empfinde es zumindest als eine große Motivation, dass sich langfristige Arbeit über viele Jahre hinweg auszahlt und auch neue Ideen mit viel Mühe und Willen zum Erfolg geführt werden können.

Zwei Beispiele dafür stelle ich Ihnen heute vor. Eines davon sind die ersten Safe Places für Neukölln, die obdachlosen Menschen eine neue Perspektive zwischen Straße und ordnungsrechtlicher Unterbringung bietet. Eine gute Sache, die jede Unterstützung verdient hat.

Genauso wie die Gedenkfeier für einsam Verstorbene, die seit 2019 zunehmend größer, schöner und bekannter geworden. Auch sie startete nicht ohne Gegenwehr und ist mittlerweile von allen gelobt. Gut so!

Ihr
Hannes Rehfeldt
Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit

Bezirksstadtrat Rehfeldt bei der Gedenkfeier für ordnungsbehördlich Bestattete 2024

Gedenkfeier für einsam Verstorbene

Unter großer Beteiligung aus der Bezirks-, Landes- und Bundespolitik fand am 21. Januar die diesjährige Gedenkfeier für die im vergangenen Jahr einsam Verstorbenen statt. Mein Dank für Vorbereitung und Durchführung geht an alle Beteiligten und insbesondere an die beteiligten Kirchengemeinden und die Neuköllner Seniorenvertretung.

Gemeinsam mit dem Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreis Neukölln, Dr. Nottmeier, durfte ich die Gedenkfeier mit den folgenden Worten eröffnen:

Wenn ein Mensch stirbt, ist das immer eine Tragödie. Wie es aber so ist, nehmen wir davon oft nur dann Kenntnis, wenn es uns selbst irgendwie betrifft. Wenn wir den Verstorbenen kennen oder meinen, gekannt zu haben. Wenn wir in irgendeiner Form – und sei es nur imaginär durch Filme, Bücher oder digitale Medien – Anteil an seinem oder ihrem Leben gehabt zu haben glauben.

„Es geht uns nahe“ bezeichnet diesen Umstand sehr gut. Anteil nehmen wir in der Regel nur, wenn wir der Verstorbenen „nahe“ standen.

Den 240 Menschen, denen wir heute gedenken, war kaum noch jemand wirklich nahe. Kaum jemand hat ihren Tod überhaupt zur Kenntnis, geschweige denn Anteil daran genommen. Und dennoch: ihr Tod bleibt eine Tragödie. Umso mehr, da aus den spärlichen Informationen auch hier und da Mutmaßungen über ihr Leben entstehen können, die am Ende nur das sind: Mutmaßungen auf der Grundlage fehlender Informationen.

Da sind Neuköllnerinnen und Neuköllner, deren Todesdatum unklar ist, bei denen sich die Möglichkeiten teils über viele Tage erstrecken. Eine von ihnen ist irgendwann zwischen dem 26. April und dem 10. Mai verstorben. Ein anderer zwischen dem 14. Februar und dem 4. Mai. Allein im Tod und auch noch Wochen danach. Meist im Alter von 60 bis 75 Jahren. Es liegt nicht fern anzunehmen, dass sie am Ende ihres Lebens tatsächlich einsam waren.

Und doch ist ihre Geschichte nicht allein die Geschichte vom Ende ihres Lebens. Auch sie hatten Hoffnungen, Wünsche und Träume. Sie hatten Höhen und Tiefen. Sie hatten unvergessliche Momente, haben geliebt, gefeiert und getrauert.

Vor ein paar Jahren fand sich nach dieser Gedenkfeier ein Eintrag im Gästebuch. Eine Besucherin war spontan hierher gekommen und erfuhr so vom Tod ihres Vaters. „Durch Zufall“, wie sie selber schrieb. Als ich das las, hatte ich genau dieses Gefühl: dass ich in diesem Moment Anteil an ihrem Leben hatte. Und ich kann sagen, dass mir das noch immer nahegeht. Wenn diese Gedenkfeier gerade in diesen Zeiten dazu beiträgt, uns Neuköllner gegenseitig näher zu bringen, dann ist sie ein wahrer Segen.

Lassen Sie uns die Verstorbenen als das in Erinnerung behalten, was sie waren. Neuköllnerinnen und Neuköllner. Nachbarn. Menschen.

Ein Blick auf das Gelände der ersten Safe Places in Neukölln

Safe Places für Neukölln

Seit Anfang des Jahres gibt es ein neues Angebot für von Obdachlosigkeit betroffene Menschen in Neukölln. Im Auftrag des Bezirksamtes betreut der Träger der Wohnungslosenhilfe “My Way Soziale Dienste gGmbH” auf einem bezirkseigenen Gelände sechs Wohnboxen.

Mit diesen sogenannten “Safe Places” erhalten obdachlose Menschen einen Rückzugsraum, Privatsphäre und einen festen Platz zum Schlafen. Und noch mehr: sie erhalten eine Chance. Denn das Ziel der regelmäßigen Sozialarbeit ist die nachhaltige Integration in die Regelsysteme der sozialen Sicherung und damit eine soziale Stabilisierung.

Safe Places sind ausdrücklich kein Ersatz für echten Wohnraum oder – in Berlin seit geraumer Zeit knappe – Notunterkünfte. Für manche Menschen können sie aber genau das Richtige sein, um wieder in die Mitte unserer Gesellschaft zurückkehren zu können.

Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Versuch sich lohnen wird. Und dass es richtig ist, ihn auch gegen Widerstände durchzusetzen. Schon jetzt zeigen sich bereits erste Erfolge. So konnten obdachlose Menschen, die eine Notunterbringung bisher abgelehnt und auf der Straße oder öffentlichen Grünanlagen gelebt haben, erfolgreich hierhin vermittelt werden.

Falls Sie das Projekt unterstützen wollen – mit Sachspenden, Ihrer Zeit oder einer warmen Mahlzeit – sind Sie herzlich willkommen!

Meine Bürgersprechstunde

Meine nächste Bürgersprechstunde für alle Neuköllnerinnen und Neuköllner mit Anliegen zu den Themen Soziales und Gesundheit findet statt am

Donnerstag, 15.02.2024
13:00 bis 14:00 Uhr
Sun-Park Freizeitbüro , Mariendorfer Weg 23

Über eine Anmeldung in meinem Büro per Mail oder telefonisch (030 90239 2241) zur besseren Planbarkeit freue ich mich. Gerne können Sie aber auch spontan und ohne Anmeldung vorbeikommen.

Veranstaltungskalender für Seniorinnen und Senioren

Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, Beratungsangeboten und Hilfen für Seniorinnen und Senioren sind jeden Monat neu hier erhältlich.