Liebe Neuköllnerinnen und Neuköllner,
der Geschäftsbereich Soziales und Gesundheit ist mit über 500 Beschäftigten der größte Bereich des Bezirksamtes Neukölln. Dazu gehören
- das Gesundheitsamt,
- das Amt für Soziales,
- der Seniorenservice,
- die Stabsstelle für Qualitätsentwicklung, Planung und Koordination im öffentlichen Gesundheitsdienst (QPK) und
- der kommunale Teil des Jobcenters Neukölln.
An Themen für meinen monatlichen Newsletter mangelt es also nicht. Dennoch werde ich mich möglichst kurz fassen, denn Ihre Zeit ist mindestens genauso wichtig wie meine.
Die Kombination aus Gesundheits- und Sozialbereich in einer Abteilung ist – obwohl in anderen Bezirken durchaus üblich – für Neukölln komplett neu. Meiner Kenntnis nach gab es das zumindest in den letzten 30 Jahren nicht. Sollte jemand dazu mehr wissen – und für sonstiges Feedback – freue ich mich über eine Nachricht.
Viele Aufgaben und Herausforderungen meines neuen Geschäftsbereichs überschneiden sich erkennbar. Von Obdachlosigkeit über Suchthilfe und psychiatrischer Versorgung bis hin zur Gesundheitsförderung und Angeboten für Senioren gibt es gemeinsame Aufgaben, die den Bezirk in den nächsten Jahren prägen werden.
Ich freue mich auf Ihr Interesse und Ihre Begleitung!
Beste Grüße
Ihr Hannes Rehfeldt
Bezirkshaushaltsplan 2024/2025
Bild: Bezirksamt Neukölln von Berlin
Haushaltsberatungen 2023/24
Kein anderer Geschäftsbereich hat einen so großen Haushalt. Und gleichzeitig sind nirgendwo sonst die Spielräume so klein.
Über 470 Millionen Euro umfasst der Haushalt für Soziales und Gesundheit in Neukölln. Der allergrößte Teil davon wird zur Sicherung des Lebensunterhaltes, für Miete, Eingliederungshilfe und andere Sozialleistungen verwendet. Allein 180 Millionen sind es für die Kosten der Unterkunft durch das Jobcenter. Trotz seit Jahren kontinuierlich sinkender Arbeitslosenzahlen eine enorme Summe.
Nur ein kleiner Teil von ca. 560.000 Euro stehen für sogenannte “freiwillige Leistungen” zur Verfügung. Dazu gehört beispielsweise der Seniorentreff im Bürgerzentrum Neukölln, die Tee- und Wärmestube in der Weisestraße 34 oder die Seniorenberatung des Humanistischen Verbandes.
Allein diese vom Bezirk gänzlich oder zu großem Teil finanzierten Angebote machen 435.000 Euro aus und bilden damit den Großteil der formal “verfügbaren Mittel”. Tatsächlich verfügbar sind sie nicht. Denn die Arbeit dieser Institutionen muss weiter gehen – und teilweise sogar noch stärker unterstützt werden.
Von Obdachlosigkeit betroffene Person am Hermannplatz
Bild: Bezirksamt Neukölln von Berlin
Leitfaden Obdachlosigkeit
Schwerpunkte zu setzen, ist also gar nicht so einfach. Ich will es dennoch wagen. So ist mir der Umgang mit den Allerschwächsten im Bezirk ein zentrales Anliegen. Erst seit 2022 ist hier nach vielen Jahren des bloßen Zusehens endlich etwas passiert. Mit dem “Leitfaden Obdachlosigkeit” hat das Bezirksamt sein Vorgehen bei Nutzungskonflikten im öffentlichen Raum transparent gemacht. Gemeinsam mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe werde ich den Leitfaden weiterentwickeln und ergänzen.
Ein Bestandteil des Leitfadens wird sicherlich der Mangel an Unterkünften für von Obdachlosigkeit betroffene Menschen. Noch größer ist der Mangel bei solchen Unterkünften, die auf Sucht- oder psychische Erkrankungen eingestellt sind und beispielsweise den Konsum illegaler Drogen erlauben. Für manche Obdachlose kommt darum – oder aus Sorge vor Gewalt oder Diebstahl – keine Unterbringung in klassischen Obdachloseneinrichtungen infrage.
Wohnboxen für obdachlose Menschen am Mittelbuschweg
Bild: Bezirksamt Neukölln von Berlin
Safe Places für Neukölln
Um in einem Zwischenschritt solche Menschen emotional, gesundheitlich und psychosozial zu stabilisieren, soll es in Neukölln sogenannte “Safe Places” geben. Kleine Wohnboxen, die im öffentlichen Raum stehen und durch intensive Straßensozialarbeit betreut werden. Das Ziel ist es, die obdachlosen Menschen so weit zu stabilisieren, dass sie in die Regelsysteme der sozialen Sicherung kommen und nicht mehr auf der Straße leben. Durch die Betreuung durch Sozialarbeit kann damit auch das direkte Umfeld von bisherigen Hot-Spots entlastet werden.
Als problematisch erwies sich bisher die Suche nach geeigneten Standorten, da bestimmte Fläche grundsätzlich ausgeschlossen werden. Das gilt bisher beispielsweise für bezirkliche Grünflächen sowie Ausgleichsflächen für den Autobahnbau. Meine Überzeugung ist, dass Safe Places die Situation dort gerade dann verbessern können, wenn sie bereits tatsächlich durch obdachlose Menschen genutzt werden.
Asiatische Tigermücke mit charakteristischen schwarz-weißen Streifen
Bild: Public Health Image Library (PHIL), Centers for Disease Control and Prevention #2165
Asiatische Tigermücke
Die Weltoffenheit und Gastfreundlichkeit Neuköllns hat seine Grenzen. Zusammen mit unserem Nachbarbezirk Treptow-Köpenick bin ich der Überzeugung, dass wir eine dauerhafte Präsenz der Asiatischen Tigermücke verhindern sollten.
Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Krankheitserreger wie West-Nil-Fieber-, Dengue-, Chikungunya– oder Zika-Viren übertragen. Das Risiko ist in Deutschland zwar noch sehr gering, aber es gibt erste Fälle oder Erkrankungsvermutungen, die nicht mit einem Auslandsaufenthalt in Verbindung stehen. Es ist daher keine Option einfach abzuwarten und zuzulassen, dass sie hier heimisch wird.
Alle Infos zur Asiatischen Tigermücke und wie sie bekämpft werden kann, gibt es hier.
Und wie kam sie nun von Asien über Italien nach Berlin? Mit dem Auto! Die bisher vor allem in der Umgebung der A113 wahrgenommene Verbreitung lässt das zumindest vermuten. Betroffen sind bisher insbesondere Kleingartenanlagen an der Bezirksgrenze zu Treptow-Köpenick.
Menschen aus ganz Berlin können sich nun etwa beim Verdacht eines Stichs durch eine Tigermücke oder nach einem Fang auch unter der Adresse vektormonitoring@ba-mitte.berlin.de melden.