Zerkarien

Gesundes Baden auch in stark erwärmten Badegewässern

Was ist zu beachten?

Die Badegewässerqualität wird regelmäßig entsprechend der Vorgaben der EU-Bade-gewässerrichtlinie überwacht. Trotz sehr guter hygienischer Wasserqualität kam es schon bei empfindlichen Personen in einigen Berliner Badegewässern beim Baden zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen:
- Badedermatitis – Hautentzündungen verursacht durch Zerkarien
- Hautrötungen durch den Kontakt mit kratzigen Wasserpflanzen insbesondere mit dem rauhen Hornkraut (Ceratophyllum) oder dem Nixkraut (Najas)

In den Berliner Badegewässern sind Zerkarien bislang selten aufgetreten u.a. 2005 im Grunewaldsee. In den letzten beiden Jahren gab es im Frühsommer einzelne Beschwerden zu Hautreizungen nach dem Baden in den Badegewässern Krumme Lanke und Großer Müggelsee.

Was begünstigt das Vorkommen von Zerkarien im Gewässer?

Folgende Faktoren begünstigen ein mögliches Auftreten von Zerkarien:
- Anhaltend warme Temperaturen
- Relativ klares Wasser mit Wasserpflanzen, die auch von Schnecken besiedelt werden
- Ansammlung von Wasservögeln an den Stränden durch Fütterung
- Zugvögel, die in warmen Wintern in Deutschland bleiben, können ein wichtiges Reservoir für den Parasiten darstellen und somit zu einem Anstieg der Zerkariendichte in den folgenden Sommermonaten und zu einer Zunahme der Badedermatitis-Fälle führen.

Was sind Zerkarien und wie entsteht eine Badedermatitis?

Zerkarien sind etwa ein Millimeter große Larven von Würmern, die normalerweise in Enten oder anderen Wassergeflügel leben. Die Wurmeier gelangen mit dem Vogelkot ins Wasser, wo sie im Uferbereich die dort lebenden Schnecken (Zwischenwirt) infizieren. In der Schnecke entwickeln sich sehr zahlreich die Zerkarien, die bei warmen Wassertemperaturen ausschwärmen, um ihren Endwirt, den Wasservogel, zu finden. Dabei kann es passieren, dass Badende als „Fehlwirt“ von Zerkarien befallen werden. Diese bohren sich in die Haut des Menschen ein und sterben kurze Zeit später ab.

Der Wasservogel als Endwirt entlässt mit dem Kot Wurmeier ins Wasser. Aus den Eiern schlüpfende Larven befallen Wasserschnecken, die als Zwischenwirt dienen. Die Zerkarien werden von den Wasserschnecken ins Wasser entlassen. Sie bohren sich in die Haut der Wasservögel und entwickeln sich zu Würmern. Der Mensch ist ein Fehlwirt in dessen Haut sich die Zerkarien bohren.
Quelle: Entwicklungszyklus der Zerkarien (Abbildung: LAGeSo)

Wie sind die Beschwerden bei einer Badedermatitis?

Der Erstbefall äußert sich in geröteten Flecken mit einem Durchmesser von rund 2 mm und einem Juckreiz ähnlich wie bei Mückenstichen. Beim Zweitbefall und bei sensiblen Personen kommt es zu stärkeren Abwehrreaktionen des Körpers mit Quaddelbildung und starkem Juckreiz.

Wie verhalte ich mich richtig?

- Wasserpflanzenreiche Uferbereiche meiden
- Freiwasserzonen aufsuchen
- Längere Aufenthalte im Flachwasserbereich vermeiden (gerade Kinder sind gefährdet)
- Wasserfeste Sonnenschutzmittel verwenden
- Nach dem Baden kräftig mit dem Handtuch abrubbeln, um gegebenenfalls ein vermehrtes Eindringen von Zerkarien in die Haut zu verhindern
- Nasse Badebekleidung ausziehen
- Bei heftigeren Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Wasservögel sollen nicht durch Fütterungen angelockt werden!
- Meldung an das örtlich zuständige Gesundheitsamt

Wann ist mit einer Ausbreitung von Zerkarien zu rechnen?

Die warmen Temperaturen und lange Sonnenscheinperioden können einen Einfluss auf die Anzahl der infizierten Schnecken und somit das kurzzeitige Auftreten von Zerkarien in den Badegewässern haben, mit der Folge, dass die Infektionsgefahr für die Badegäste steigt.
Ein Ausschwärmen der Zerkarien in einem stark erwärmten Gewässer ist zeitlich begrenzt und wegen des komplizierten Entwicklungszyklus der Zerkarien nicht vorhersagbar.
Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien beginnt im Frühsommer ab einer Wassertemperatur über 20°C. Im Wasser können die Larven 2 bis 3 Tage überleben. Nach einer längeren Wärmeperiode kann es im Spätsommer einen zweiten Höhepunkt geben, wo viele Zerkarien ausschwärmen.

Kann man Zerkarien im Wasser nachweisen?

Die Larven sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Der Nachweis von Zerkarien im Freiwasser ist schwierig. Zerkarien sind mit den gemessenen Indikatorparametern nicht erfassbar.

Ist das Risiko eines Zerkarienbefalls des Badegewässers zu verhindern?

Derzeit gibt es keine Möglichkeit in die betroffenen Gewässer einzugreifen. Ökologische Maßnahmen gegen Wasserschnecken, wie ein Entkrauten der Uferzone, das Durchpflügen des Schlamms oder das Absammeln und Abtöten von Wasserschnecken sowie das Ausbringen von Fressfeinden der Wasserschnecken sind in natürlichen Gewässern in Berlin aus tierschutzrechtlicher und ökologischer Sicht verboten.
Die einzige Möglichkeit, die Saugwürmer einzudämmen, besteht im konsequenten Fernhalten von Enten und anderen Wasservögeln. Fütterungsverbote und andere Maßnahmen zur Reduzierung der Wasservogeldichte an Badegewässern, verringern das Risiko eines Zerkarienbefalls und sind auch aus hygienischen Gründen sinnvoll.

Wo kann man weitere Informationen zur Badegewässerqualität erhalten?

Weitere aktuelle Informationen z.B. zu den aktuellen Messwerten der Badegewässer-überwachung oder zum Auftreten von Blaualgen finden Sie im Internet unter
https://www.berlin.de/lageso/gesundheit/gesundheitsschutz/badegewaesser/ (zur Startseite Badegewässer)

Fragen zum Thema Zerkarien können Sie gern auch an folgende E-Mail-Adresse senden:
badegewaesserhygiene@lageso.berlin.de