Halensee - Badegewässerprofil

EU-Badestelle Freibad Halensee

Der Inhalt eines Badegewässerprofils ist gemäß § 7 Berliner Badegewässerverordnung festgelegt.
Das Badegewässerprofil Halensee beschreibt die Badestelle Freibad Halensee.

Beschreibung des Badegewässers

Der Halensee gehört zur Kleinen Grunewald-Seenkette. Ursprünglich war der Halensee ein Grundwassersee. Der Halensee wird heute hauptsächlich von Regenwasser gespeist, das von den umliegenden Straßen in die Regenwasserkanalisation und von dort in den See fließt. Zusätzlich wird er durch einen verrohrten Zulauf vom Koenigssee her gespeist.

Am östlichen Ufer des Sees liegt die EU-Badestelle Freibad Halensee (Abb. 1). Das Baden ist nur vom Freibad Halensee aus im gekennzeichneten Bereich (Bojen) erlaubt. Außerhalb des Freibadbereiches ist das Baden verboten. Das gilt insbesondere für das Baden an der Liegewiese am Nordufer, an deren Rand der Bodenfilter liegt.

Der ca. 5,6 ha große Halensee misst an seiner tiefsten Stelle ca. 8 m. Die mittlere Tiefe beträgt 3,21 m. Die Uferlänge des Halensees beträgt insgesamt etwa 1,42 km. Davon nimmt der Strand des Freibades ca. 70 m ein.

Abb. 1: Lageplan Freibad Halensee, Hinweis: Das Baden ist nur im Freibadbereich erlaubt.
Abb. 1: Lageplan Freibad Halensee, Hinweis: Das Baden ist nur im Freibadbereich erlaubt.
Bild: Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Infrastuktur

Das bewirtschaftete Freibad Halensee ist mit dem Öffentlichen Nahverkehr (Bus, S- Bahn Linien S41, S42, S45, S46, S47), dem Auto oder dem Fahrrad zu erreichen. Die Bushaltestellen der Linie M19 (Haltestelle Rathenauplatz) befinden sich in 400 m bzw. der Linie X10 (Haltepunkt Bismarckplatz) in 330 m Entfernung, der nächste S-Bahnhof Halensee ist ca. 630 m vom Freibadgelände entfernt. Parkplätze gibt es nur auf öffentlichen Straßenflächen im angrenzenden Wohngebiet.

Bewirtschaftung des Gewässers/Wasserstandsregulierung

Durch den Regenwasserzufluss wird der Halensee stark mit Keimen und Nährstoffen sowie einer Reihe von Schadstoffen belastet. Vor allem wegen der Keimbelastung war das ehemalige Freibad Halensee seit 2002 geschlossen und das Baden im See seit 2003 verboten.

Um diese Belastung zu reduzieren wurde im Jahr 1996 ein Teil des Regenwasser-Einzugsgebietes durch Schließen der Überlaufsperre an der AVUS (Teil der Stadtautobahn) abgekoppelt. Seit Mitte 2007 nahmen die Berliner Wasserbetriebe im Auftrag des Landes Berlin eine neue Regenwasserfilteranlage (Retentionsbodenfilter) zur Reduzierung von externen Nährstoffeinträgen in Betrieb, die einen Großteil des Regenwasserzuflusses (ca. 75%) von den Straßen, vor allem von der Autobahn (EZG Trabener Straße) auffängt und reinigt, bevor es in den See fließt.

Retentionsbodenfilter am Halensee
Retentionsbodenfilter am Halensee
Bild: BWB, K.Joswig

Der Retentionsbodenfilter (RBF) besteht aus einer Vorstufe (Regenklärbecken) und einem mit Schilf bewachsenen Filterbeet (Bodenfilter). Die Reinigung des Regenwassers erfolgt im Beet durch Adsorptionsprozesse und mikrobiologischen Abbau. Durch Drainagen kann das gereinigte Wasser zum Halensee hin abfließen.
Durch den Retentionsbodenfilter konnten Verbesserungen bei der Sichttiefe, der Phosphorbelastung und der Keimbelastung erreicht werden.

Retentionsbodenfilter Halensee
Skizze eines Retentionsbodenfilter
Bild: Berliner Wasserbetriebe

Der Halensee nimmt Regenwasserabflüsse aus 3 Einzugsgebieten (EZG) auf (siehe Abbildung) von denen der aus dem EZG Trabenerstraße dessen Zulauf gegenüber der Badestelle liegt und für ca. 75% des Regenwasserzuflusses des Halensees verantwortlich ist, über den Retentionsbodenfilter (RBF) gereinigt wird. Die Abwässer aus dem EZG Margaretenstraße und dem EZG Wallotstraße werden nicht über den Retentionsbodenfilter gereinigt und können nach Starkregen zu Belastungen der Gewässerqualität (insbesondere durch Keimbelastungen) führen.

Abb. 3: EZG des Halensee nach 2007 mit Einleitstellen und des RBF

Eine Besonderheit des Halensees ist der deutlich messbare Zufluss von Straßentausalz im Winter, wodurch das stark salzhaltige Wasser in der Tiefe aufgrund der höheren Dichte eine eigene Schicht bildet. Diese Schichtung hat einen starken Einfluss auf die Limnologie des Sees und dadurch auch auf weitere Managementmaßnahmen. Es kommt zu einer winterlichen Sauerstoffzehrung im Oberflächenwasser, durch die die aquatische Fauna beeinträchtigt wird.

Überwachung der Badegewässerqualität

Die Badegewässerqualität am Freibad Halensee wird vom LAGeSo auf Grundlage der Badegewässerverordnung von April bis September überwacht.
An der Probeentnahmestelle (vgl. Abb. 1) werden regelmäßig Wasserproben zur qualitativen Überwachung und Einstufung des Badegewässers entnommen.

Aktuelle Messergebnisse finden Sie hier

Das Freibad Halensee ist nach Sanierungsmaßnahmen in der Badesaison 2016 als EU-Badestelle wiedereröffnet. Die erste EU-Einstufung kann erst nach Beendigung der Badesaison 2017 vorgenommen werden.

An der EU-Badestelle Freibad Halensee sind in besonderen Situationen, z.B. nach Starkregenereignissen, mikrobiologische Verschmutzungen nicht ausgeschlossen.

Verschmutzungsquellen und -potentiale

Im Freibad Halensee besteht Hundeverbot. Auf den umliegenden Wegen sind Hunde an der Leine zu führen.
Ob Kurzzeitige Verschmutzungen (< 72 Stunden) entsprechend der Berliner Badegewässerverordnung entstehen, kann erst in den nächsten Jahren abgeschätzt werden.

Verschmutzungsquellen und -potentiale

potentielle Verschmutzungsquelle Bewertung Bemerkung
Zuflüsse Relevanz ist noch zu prüfen Verrohrter Zulauf vom Koenigssee Der Halensee ist ein urbaner See, der von den Regenwasserabflüssen der Straßen im umgebenden Einzugsgebiet geprägt ist. Diese Straßenabflüsse belasten ihn nicht nur mit Nährstoffen (Phosphor, Stickstoff, Kohlenstoff), Keimen und Schwermetallen, zusätzlich wird durch das Laugen der Straßen im Winter die Limnologie des Sees verändert.
Regenwassereinleitungen relevant Die Straßenabwässer des EZG Trabenerstraße werden über den Retentionsbodenfilter (siehe Abbildung – grün) geleitet, der am nördlichen Rand der Liegewiese liegt. Die Einleitestelle Trabenerstraße (1) liegt gegenüber dem Freibad (siehe Abbildung).
Die EZG Margaretenstraße (2) und Wallotstraße (3) bestehen aus städtischem Wohngebiet ( siehe Abbildung blau umrandet). Diese Abwässer werden nicht über den Retentionsbodenfilter gereinigt und können nach Starkregen zu erheblichen Belastungen der Gewässerqualität (insbesondere durch Keimbelastungen) führen.
Verunreinigungen am Ufer (Abfall, Fäkalien) relevant Außerhalb des Freibadbereiches sind durch Abschwemmungen von Fäkalien oder Abfällen vom Ufer lokale Verschmutzungen möglich (diffuse Quellen).
Badebetrieb an der Liegewiese (keine EU-Badestelle) relevant Bei sommerlichen Temperaturen wird es an der Badewiese wahrscheinlich zu Verunreingungen durch die hohe Anzahl von Badenden kommen. Es besteht ein Badeverbot in diesem Bereich.

Bewertung des Risikos einer Massenvermehrung von Blaualgen

Risiko der Massenentwicklung von Cyanobakterien



Parameter Feststellung Bemerkung
Potenzial zukünftiger Massenentwicklungen von Cyanobakterien ja Im Freibad Halensee liegen ausgeprägte saisonale Schwankungen der Algenpopulationen vor.
Innerhalb der Cyanobakterien überwog in den Jahren 2008 bis 2010 die Gattung Microcystis.
An der Badestelle beobachtete Massenvorkommen von Cyanobakterien innerhalb der letzten vier Jahre nein

Gesamtbewertung

Der Halensee weist aufgrund seiner geringen Größe, dem großen Regenwassereinzugsgebiet, der zum Teil sehr hohen Anzahl Badender, auch außerhalb der EU-Badestelle (z. an der Liegewiese) und der Gefahr von kurzfristigen Belastungen nach Starkregenereignissen wahrscheinlich eine hohe Schwankungsbreite bzgl. der Keimzahlen auf. Das Risiko einer massenhaften Vermehrung von Cyanobakterien besteht im Halensee.

Überprüfung und Aktualisierung des Badegewässerprofils

Überprüfung und Aktualisierung des Badegewässerprofils

Profil erstellt: 2016
Verantwortlich für das Profil: Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) / Fachgruppe Wasserhygiene / Darwinstr. 15, 10589 Berlin
Nächste Überprüfung: Überprüfung in Abhängigkeit von der Einstufung

Die nächste Überprüfung und ggf. Aktualisierung wird abhängig von der Einstufung wie folgt festgelegt

Einstufung Überprüfungshäufigkeit
ausgezeichnet Überprüfung nur bei Änderung der Einstufung
gut Überprüfung mindestens alle 4 Jahre
ausreichend Überprüfung mindestens alle 3 Jahre
mangelhaft Überprüfung mindestens alle 2 Jahre