September 2026
Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Schloßstraße zu einer wichtigen Einkaufs- und Geschäftsstraße. Die gute Verkehrsanbindung und vergleichsweise günstige Grundstückspreise zogen zahlreiche Gewerbetreibende nach Steglitz.
Einen bedeutsamen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortsteils hatten jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende. Sie führten Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und Warenhäuser. In den Wohn- und Geschäftshäusern der Schloßstraße lebten und arbeiteten jüdische Menschen unter anderem als Ärzte, Rechtsanwälte und Musiker.
Seit dem 19. September 2026 erinnert eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek an dieses vielfältige jüdische Leben. Acht Biographien und eine Karte mit rund 40 Geschäften, Betrieben, Praxen und weiteren Einrichtungen machen sichtbar, dass jüdische Menschen das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben an der Schloßstraße mitprägten.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich dies innerhalb weniger Jahre grundlegend. Jüdische Gewerbetreibende wurden zur Aufgabe oder zum Verkauf ihrer Unternehmen gezwungen, jüdische Bewohnerinnen und Bewohner verfolgt, vertrieben und deportiert.
Die Ausstellung macht sichtbar, was vom nationalsozialistischen Terror ausgelöscht wurde, und gibt den Menschen und ihren Lebensgeschichten einen Platz in der Erinnerung des Bezirks. Nur einen Katzensprung vom Ausstellungsort entfernt steht heute die Spiegelwand, die an die Deportation der hier ansässigen Jüdinnen und Juden zu Beginn der 1940er Jahre erinnert.
Die Vernissage fand am Nachmittag des 18. September in den Räumlichkeiten der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek statt.
Dr. Christoph Kreutzmüller, Autor des Buches „Ausverkauf. Die Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit in Berlin 1933-1945“, und Sabine Davids vom Projektteam „Jüdisches Leben in der Schloßstraße“ führten in die Ausstellung ein. Am Projekt beteiligt sind auch Dr. Dirk von der Heide und Barbara Wittkopf.
Bei freiem Eintritt ist die Ausstellung bis einschließlich 14. November 2026 für Besucherinnen und Besucher geöffnet – montags bis freitags jeweils von 11 bis 19, sonnabends von 11 bis 16 Uhr. Die Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ist von der Grunewaldstraße 3 aus zugänglich und im 3. Obergeschoss untergebracht. Die Ausstellung wird durch ein Rahmenprogramm begleitet, das Stadtspaziergänge und Vorträge umfasst.
Gefördert wurde die Ausstellung aus Mitteln der Dezentralen Kulturarbeit des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf, Fachbereich Kultur, und der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ferner leistete die Stolpersteininitiative im evangelischen Kirchenkreis Steglitz einen finanziellen Beitrag.
Nähere Informationen sind hier abrufbar.