Am morgigen Freitag um 17.00 Uhr wird in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek die Ausstellung »Jüdisches Leben in der Schloßstraße 1900–1945« eröffnet. Sie dokumentiert die große Bedeutung jüdischen Lebens und jüdischer Wirtschaftstätigkeit für das Aufblühen der Schloßstraße im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Die Schloßstraße entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in rasantem Tempo zur Einkaufsmeile. Die Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin mit Halt in der Albrechtstraße und die vor 1900 verkehrenden Straßenbahnen machten die Landgemeinde Steglitz attraktiv. Niedrige Grundstückspreise und Mieten lockten viele Geschäftsleute in die Steglitzer Hauptverkehrsstraße.
Jüdisches Leben hatte einen großen Anteil an dieser wirtschaftlichen Entwicklung und am Glanz und Reichtum der Schloßstraße. Jüdische Kaufleute betrieben zahlreiche spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und größere Warenhäuser. In den zwischen 1900 und 1910 entstandenen Wohn- und Geschäftsgebäuden lebten und arbeiteten jüdische Menschen in Bäckereien, Zigarrenläden und Konfektionsgeschäften, als Rechtsanwälte, Ärzte und Musiker.
Die Ausstellung erinnert mit acht kurzen Biographien und einer Übersicht von 40 Wirtschaftsbetrieben an diese Vielfalt und zeigt die radikale Vernichtung jüdischen Lebens nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933. In nur wenigen Jahren wurden alle jüdischen Gewerbetreibenden zur Geschäftsaufgabe gezwungen, jüdische Bewohner:innen vertrieben oder deportiert. Heute erinnern nur einige Stolpersteine und eine unauffällige Gedenktafel an das einst vitale jüdische Leben.
Entwickelt wurde die Ausstellung in ehrenamtlicher Arbeit von den Steglitzer:innen Sabine Davids, Dr. Dirk von der Heide und Barbara Wittkopf, die bereits zuvor in der Berliner Stolpersteinarbeit verankert waren. Für die grafische Gestaltung und Produktion der Ausstellungstafeln konnten sie Fördermittel aus dem Dezentralen Kulturfonds und vom evangelischen Kirchenkreis Steglitz einwerben. Begleitend haben sie ein Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt, dessen Durchführung vom Kulturamt Steglitz Zehlendorf gefördert wird (siehe unten).
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 14. November 2026 während der Öffnungszeiten der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek:
Montag bis Freitag 11–19 Uhr
Samstag 11–16 Uhr
Eintritt frei