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Stolpersteinverlegung in Neukölln

Pressemitteilung vom 19.03.2021

Am Dienstag, den 23. März 2021, werden zwischen 14:35 Uhr bis 15:25 Uhr vier Stolpersteine ins Straßenpflaster von Neukölln eingelassen. Ein Stein wird in der Weserstraße 85 verlegt und drei Steine in der Sonnenallee 174.

Der Stein in der Weserstraße 85 erinnert an den ehemaligen jüdischen Bewohner Willy Schwarz. Er wurde 18. Juli 1888 in Posen (heute Poznań) als eins von zehn Kindern einer jüdischen Familie geboren. Willy lebte in Berlin und arbeitete als Fotograf. Er war zeitweise verheiratet, 1931 wurde seine Ehe geschieden, seitdem lebte er allein. Zuletzt wohnte er in einem sogenannten „Judenhaus“ in der Jägerstr. 68 (heute Rollbergstr. 25). Sein letzter frei gewählter Wohnsitz befand sich in der Weserstr. 85. Am 19. Februar 1943 wurde Willy Schwarz im 29. Osttransport zusammen mit 1000 weiteren Jüdinnen und Juden aus Berlin in das Konzentrationslager (KZ) Auschwitz deportiert. Dort wurde er ermordet.

Mit drei Steinen in der Sonnenallee 174 wird an das Schicksal der ehemaligen jüdischen Bewohner*innen Lilo, genannt Esther, und Peter Hirschweh sowie Berta Reichmann erinnert. Lilo, geb. Reichmann, wurde am 21. Januar 1921 in Magdeburg geboren. Sie heiratete 1941 Peter Hirschweh, geboren am 21. Juli 1921 in Berlin. Sie wohnten gemeinsam bei Lilos Mutter Berta Reichmann in der Braunauer Str.174 (heute Sonnenallee 174). Lilo war als Einrichterin und Peter als Gebrauchsgrafiker tätig. Beide wurden zur Zwangsarbeit in
Rüstungsbetrieben verpflichtet und engagierten sich im illegalen Widerstand gegen das Naziregime. Am 4. März 1943 wurde Lilo mit dem 34. Osttransport ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Peter Hirschweh wurde am 2. Juli 1943 aufgrund „artfremder Kunstbetätigung und Verbreitung reichsfeindlicher Schriften“ verhaftet. Er überlebt die Inhaftierung in den KZs Sachsenhausen, Auschwitz und Mauthausen, danach nannte er sich Peter Edel. Nach 1945 war Edel als Journalist und freischaffender Schriftsteller in der DDR tätig. Er wurde Mitglied der SED und lebte im Ostteil Berlins. Dort starb er am 7. Mai 1983.

Berta Reichmann, geb. Meier, wurde am 12. Dezember 1888 in Burgsteinfurt geboren. Sie lebte in Berlin und arbeitete als Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus in der damaligen Iranischen Straße. Am 12. März 1943 wurde sie mit dem 36. Osttransport in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Verlegung wird von den Patinnen und Paten der Stolpersteine begleitet.

Stolpersteine erinnern am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Sie können ebenso an überlebende Verfolgte erinnern. Stolpersteine kann jeder stiften. 120 Euro ermöglichen die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines. Für den Bezirk Neukölln koordiniert das Museum Neukölln die Stolpersteinverlegungen.

Kontakt: stolpersteine@museum-neukoelln.de , Tel. 627 277 -720/-723. Weitere Informationen unter www.stolpersteine-berlin.de.