Fokusberichte

Der Fokusbericht - vertiefende Einblicke in aktuelle sozialpolitische Themen

Ergänzend zu den jährlich erscheinenden Basisberichten zur sozialen Lage der Berliner Bevölkerung, die einheitlich ausgewählte statistische Kennzahlen abbilden, widmen sich unsere Fokusberichte einzelnen Schwerpunktthemen.

Die Fokusberichte bieten Raum für eine vertiefte Betrachtung aktueller sozialer Herausforderungen und beleuchten Entwicklungen, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Der erste Fokusbericht erschien im Juni 2025. Die Interviewstudie widmet sich der Lebenssituation armutsbetroffener Menschen in Berlin.

1. Fokusbericht (2025) "Armutsbetroffenheit aus subjektiver Perspektive"

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung hat eine qualitative Studie zu Armutsbetroffenheit aus subjektiver Perspektive beauftragt. Hierfür wurden 20 Interviews mit Personen aus verschiedenen armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppen geführt, z. B. Alleinerziehende oder Menschen, die staatliche Transferleistungen beziehen. Auf Basis dieser Interviews wird die Lebenssituation Armutsbetroffener aus ihrer Perspektive beschrieben.

Die vollständige Studie steht Ihnen am Ende der Seite als Download zur Verfügung.

Folgende zentrale Erkenntnisse lassen sich aus der Studie zusammenfassen:

  • Die Ursachen für Armut sind vielfältig und komplex. Faktoren wie nicht vorhandene oder niedrige formale Qualifikationen, gesundheitliche Einschränkungen sowie familiäre Herausforderungen (insb. für Alleinerziehende) erschweren die Teilhabe am Arbeitsmarkt bzw. insbesondere für Alleinerziehende die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Chronische Erkrankungen oder das Vorliegen (mindestens) einer Behinderung haben häufig langanhaltende Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit und verstärken die Abhängigkeit von Sozialleistungen. Ebenso können Verschuldungsprozesse, ausgelöst durch teilweise nicht vorhersehbare finanzielle Engpässe, zu teilweise langfristiger Armut führen.
  • Personen in prekären Lebenslagen sehen sich mit materiellen und sozialen Einschränkungen konfrontiert. Finanziell sind sie stark limitiert, da ihr Einkommen primär für grundlegende Bedürfnisse wie Wohnen, Ernährung und Gesundheit aufgewendet wird. Sozial leiden sie unter Stigmatisierung, Isolation und unter dem Verlust sozialer Teilhabe. Diese Benachteiligungen wirken sich negativ auf zahlreiche Lebensbereiche wie Freizeit, Bildung, Wohnen und Gesundheit aus.
  • Auch die Wohnsituation der Befragten ist häufig problematisch. Viele leben in beengten, oft schlecht instandgehaltenen Wohnungen. Die Suche nach neuen Wohnungen scheitert häufig an zu hohen Mieten.
  • Um mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen, entwickeln Betroffene vielfältige Bewältigungsstrategien. Dazu gehört bspw. die Priorisierung von Ausgaben, der Verzicht auf nicht notwendige Anschaffungen bzw. die Anschaffung von Second-Hand-Produkten sowie die Nutzung kostenloser Freizeitangebote.
  • Soziale Infrastruktur wie Tafeln, Sozialkaufhäuser und Nachbarschaftszentren bietet Betroffenen wichtige Unterstützung. Diese Einrichtungen helfen nicht nur materiell, sondern fördern auch den Aufbau und die Pflege eines sozialen Netzwerks. Beratungsangebote wie die Schuldner- oder Sozialberatung werden von vielen Interviewten als wertvoll wahrgenommen, insbesondere, wenn sie den Zugang zu weiteren Hilfen erleichtern.
  • Allerdings gibt es Barrieren, die die Nutzung dieser Angebote einschränken. Lange Wartezeiten, bürokratische Hürden und das Gefühl der Stigmatisierung halten einige davon ab, Unterstützungsleistungen in Anspruch zu nehmen.

Bericht zum Download

  • IASB-Fokusbericht "Armutsbetroffenheit aus subjektiver Perspektive", Stand Mai 2025

    PDF-Dokument (1.0 MB)

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Anna Speicher