Die Jahre 2023 und 2024 waren im Bereich der Spitzenverbandsförderung weiterhin durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, mehrere parallel wirkende Krisen sowie anhaltende strukturelle Herausforderungen geprägt. Vor diesem Hintergrund kam den Spitzenverbänden eine zentrale Rolle bei der fachlichen Weiterentwicklung, Koordination und Stabilisierung der sozialen Infrastruktur in Berlin zu. Als Vertretung der Zivilgesellschaft arbeiten die Spitzenverbände gemeinsam mit Politik und Verwaltung an Lösungen für angemessene Angebote für die Menschen in Berlin.
Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Stärkung demokratischer Strukturen, gesellschaftlicher Teilhabe und einer diskriminierungssensiblen Weiterentwicklung sozialer Arbeit. Die Verbände haben hierfür sowohl nach innen in ihre Strukturen als auch nach außen in die Stadtgesellschaft hinein vielfältige Impulse gesetzt. Ziel war es, demokratische Werte stärker im Arbeitsalltag zu verankern, Austausch zu fördern und Räume für Beteiligung zu öffnen. Dazu gehörten insbesondere dialogorientierte und niedrigschwellige Formate, die den Austausch zwischen Fachpraxis, Trägern und Zivilgesellschaft ermöglichten und neue Perspektiven zusammenführten. Gleichzeitig wurden interne Strukturen weiterentwickelt, um Themen wie Vielfalt, Diskriminierung und soziale Ungleichheit systematisch aufzugreifen und in die Praxis zu übersetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung migrationsgesellschaftlicher und integrationsbezogener Ansätze. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spannungen und wachsender Bedarfe wurden bestehende Unterstützungsangebote angepasst und stärker miteinander verzahnt. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere der Abbau von Zugangsbarrieren zu sozialen Leistungen sowie die Stärkung von Teilhabe- und Mitwirkungsmöglichkeiten.
Insgesamt zeigt sich, dass soziale Arbeit zunehmend auch als Ort gesellschaftlicher Verständigung und Integration wirkt. Die Spitzenverbände haben hierzu beigetragen, indem sie fachliche Erfahrungen bündeln, in größere Zusammenhänge einordnen und Impulse für die Weiterentwicklung der Praxis geben.
Ein Beispiel hierfür ist die wichtige Aufgabe der Wohlfahrtsverbände, ehrenamtliches Engagement zu fördern sowie Selbsthilfe- und Patientenorganisationen zu unterstützen. Ein sichtbares Zeichen dieser Unterstützung leisten Würdigungsveranstaltungen für ehrenamtliches Engagement (beispielsweise Freiwilligen-Tag, Dankeschön-Veranstaltungen, Ehrungen, Freiwilligenbörsen sowie Aufwandsentschädigungen). Diese konnten nach den Pandemie- und Folgejahren wieder weitestgehend in gewohnter Form stattfinden, wobei die Zahl der Ehrenamtlichen noch nicht das Niveau der Vorpandemiejahre erreicht hat. Den kontinuierlichen Aufbau und die (Wieder-)Gewinnung von Ehrenamtlichen unterstützen die Spitzenverbände maßgeblich über ihre Strukturen.
Ein zweiter zentraler Schwerpunkt lag auf den strukturellen Herausforderungen der sozialen Infrastruktur. Insbesondere der anhaltende Fachkräftemangel, steigende Anforderungen im Arbeitsalltag sowie begrenzte räumliche Ressourcen stellen die Träger vor erhebliche Herausforderungen.
Viele Einrichtungen arbeiten unter hohem Druck, da gleichzeitig steigende Bedarfe und begrenzte personelle Kapazitäten aufeinandertreffen. Dies wirkt sich nicht nur auf die Arbeitsbedingungen, sondern auch auf die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung von Angeboten aus. Hinzu kommt die weiterhin angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungs- und Gewerberaummarkt. Geeignete und bezahlbare Räume für soziale Angebote sind zunehmend schwer verfügbar. Dies erschwert die Erreichbarkeit für Zielgruppen und kann im Einzelfall dazu führen, dass Angebote eingeschränkt oder verlagert werden müssen.
Darüber hinaus haben sich die Spitzenverbände ab Januar 2024 an dem mit einem Beteiligungsverfahren gestartete Projekt „Vereinfachung, Optimierung und Digitalisierung der Zuwendungen im Land Berlin“ unter der Federführung der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration und Antidiskriminierung beteiligt. Als Beispiele sind hierbei zu nennen, dass zwei Vertretende der LIGA Berlin am neu einberufenen Sounding Board des Projektes teilgenommen haben und die diskutierten Reformvorschläge um die Perspektive der Umsetzung in der Praxis bewertet und ggf. ergänzt haben.
Vor diesem Hintergrund übernehmen die Spitzenverbände eine wichtige unterstützende und strukturierende Funktion. Sie begleiten ihre Mitgliedsorganisationen fachlich, fördern den Austausch und tragen dazu bei, gemeinsame Lösungsansätze für die bestehenden Herausforderungen zu entwickeln.
Bewertung
Die Spitzenverbände haben in den Jahren 2023 und 2024 ihre Rolle als zentrale Akteure im sozialpolitischen Gefüge Berlins weiter gefestigt. Besonders deutlich wird dies in der Verbindung fachlicher Arbeit mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen wie Demokratie, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit. Die zunehmende Komplexität sozialer Problemlagen führt zu einem steigenden Bedarf an Abstimmung, Kooperation und fachlicher Orientierung. Die Spitzenverbände leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie Entwicklungen frühzeitig aufgreifen, bündeln und in die Weiterentwicklung der sozialen Angebote einbringen.
Gleichzeitig bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Fachkräftegewinnung sowie der infrastrukturellen Rahmenbedingungen. Diese wirken sich unmittelbar auf die Stabilität und Leistungsfähigkeit sozialer Angebote aus und erfordern auch künftig kontinuierliche Anpassungsprozesse. Insgesamt zeigt sich, dass die Spitzenverbände eine doppelte Funktion erfüllen: Sie treiben fachliche Entwicklungen voran und tragen gleichzeitig dazu bei, die soziale Infrastruktur auch unter schwierigen Bedingungen stabil zu halten.
Ausblick und Perspektive
Auch in den kommenden Jahren wird die Weiterentwicklung einer bedarfsgerechten und verlässlichen sozialen Infrastruktur im Mittelpunkt der Spitzenverbandsarbeit stehen. Die Dynamik gesellschaftlicher Entwicklungen erfordert dabei weiterhin ein hohes Maß an Flexibilität und Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren. Die Stärkung von Vernetzung, fachlichem Austausch und kooperativen Arbeitsformen bleibt eine zentrale Voraussetzung für die wirksame Gestaltung sozialer Angebote. Gleichzeitig wird es darauf ankommen, Themen wie Demokratie, Teilhabe und Chancengerechtigkeit dauerhaft in der Praxis zu verankern.
Angesichts der fortbestehenden Herausforderungen – insbesondere im Bereich Fachkräfte und Infrastruktur – bleibt die Entwicklung tragfähiger und zukunftsorientierter Lösungen eine zentrale Aufgabe. Die Spitzenverbände werden hierbei weiterhin eine wichtige Rolle als Impulsgeber, Koordinatoren und fachliche Ansprechpartner im Land Berlin einnehmen.