Jahresbericht und Berichtserstattung für den Angebotsbereich 2: Migrationssozialdienste

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Allgemeines

Die geförderten Angebote der Migrationssozialarbeit richten sich vorrangig an bereits länger in Deutschland lebende Menschen mit Migrationsgeschichte, einschließlich geflüchteter Personen und Spätaussiedelnde, um diese in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten und Unterstützungsangebote zu organisieren.

Dabei steht die Stärkung von individuellen Ressourcen und Kompetenzen von Menschen mit Migrationsgeschichte im Umgang mit Integrationsanforderungen im Vordergrund. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen in Einrichtungen der sozialen und gesundheitlichen Versorgung.

Die Integration und Stärkung der Teilhabe von Migrantinnen und Migranten ist ein zentrales Anliegen des Landes Berlin. Bei der Erreichung dieser Ziele nimmt die Sozialberatung im Rahmen der Migrationssozialdienste einen hohen Stellenwert ein. Die Migrationssozialdienste bieten vielfältige Beratungs- und Hilfeangebote, um den Zugang von Menschen mit Migrationsgeschichte zu sozialen Hilfesystemen und Regeldiensten zu verbessern. Die Migrationssozialdienste leisten mit ihren Unterstützungsangeboten einen wichtigen Beitrag zur strukturellen Integration von Migrantinnen und Migranten und zur Verankerung einer Willkommens- und Anerkennungskultur in Berlin. Die Angebote der Migrationssozialdienste zeichnen sich durch einen hohen qualitativen und ganzheitlichen Beratungsansatz aus. Im Mittelpunkt stehen bedarfsorientierte Einzelfallberatung und -begleitung von Menschen mit Migrationsgeschichte, niedrigschwellige Elternarbeit, Förderung von Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement sowie Netzwerk-, Gremien- und Sozialraumarbeit.

Die Angebote richten sich vorrangig an bereits länger als drei Jahre in Deutschland lebende Menschen mit Migrationsgeschichte, einschließlich Geflüchteter, Vertriebener und Spätaussiedelnder, um diese in prekären Lebenssituationen zu begleiten und zielgerichtete Unterstützungsangebote zu organisieren. Die Beratung wurde im Betrachtungsraum in zehn Bezirken regelmäßig angeboten. Die Standorte liegen in Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Mitte, Neukölln, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick. Ende 2024 konnte ein weiterer Beratungsstandort in Charlottenburg-Wilmersdorf im Rahmen eines Pilotprojekts mit den Wohlfahrtsverbänden eingerichtet werden. Zudem kam ein Kooperationsprojekt mit dem Berliner Willkommenszentrum zustande, durch das auch den Fachaustausch zwischen den Wohlfahrtsverbänden und dem Willkommenszentrum gestärkt wurde. Darüber hinaus besteht in Marzahn-Hellersdorf eine bezirklich organisierte Migrationssozialberatung. Durch diese Maßnahmen konnten Beratungsleistungen der Migrationssozialdienste zum ersten Mal auch flächendeckend in allen Bezirken angeboten werden.

Beratungsentwicklung

Die Zahl der persönlichen Beratungen ist in den Jahren 2023 und 2024 nach Ende der Pandemieeinschränkungen erneut deutlich gestiegen. Im Jahr 2024 wurden über 11.000 Beratungen verzeichnet, die von ca. 3.900 Personen in Anspruch genommen wurden, was einen neuen Höchstwert und eine Steigerung gegenüber knapp 10.000 Beratungen im Vorjahr darstellt. Zugleich ist ein signifikanter Anstieg der niedrigschwelligen Online-Beratung zu verzeichnen, während die Telefonberatung wieder rückläufig war. So konnten neue digitale Formate in der Beratung etabliert werden, die nachhaltig gut angenommen wurden. Diese Umstellung erforderte eine Anpassung des Angebots und eine entsprechende Schulung der Mitarbeitenden sowie eine Einführung neuer Soft- und Hardwareinfrastruktur. Diese Maßnahmen der Migrationssozialdienste wurden in enger Absprache mit der Senatsverwaltung erfolgreich umgesetzt.

Wertvolle und unverzichtbare Unterstützungs- und Beratungsarbeit leisten die Migrationssozialdienste vor allem weiterhin beim Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und Behörden. Im Betrachtungszeitraum herrschte vielerorts in Berlin ein Bearbeitungsstau im öffentlichen Dienst, was zu langen Wartezeiten beim Zugang zu Regelleistungen führte. Zudem ist ein hoher Beratungsbedarf zu Aufenthalts- und Einbürgerungsfragen aufgrund der schlechten Erreichbarkeit der zuständigen Behörden festzustellen. Die Migrationssozialdienste leisten hier eine wichtige und unverzichtbare Arbeit, etwa durch Einzelfallprüfungen, um den Zugang zum Öffentlichen Dienst zu verbessern. Hierfür konnten bestehende Kooperationen mit den Sozialdiensten, Jobcentern und Ehrenamtlichen erfolgreich fortgeführt und die Netzwerkarbeit verstärkt worden.

Hauptthemen

Die sozioökonomischen Nachwirkungen der seit der Coronapandemie anhaltenden Polykrise zeigen sich weiterhin im vermehrten und komplexeren Beratungsbedarf der Migrationssozialdienste. Inhaltlich betrifft dies den Zugang zu den sozialen Regeldiensten im Bereich Arbeitslosigkeit, Arbeitsrecht und Arbeitsmarktorientierung und Rechtsberatung sowie insbesondere bei den Themen Gesundheit, Renten oder Seniorenbetreuung. Meistgefragte Beratungsinhalte in der Betrachtungsperiode waren Fragen zum SGB II, zu Schule, Ausbildung und beruflicher Orientierung, zum Aufenthalt sowie zu Wohnungsangelegenheiten, Kinder-/Elterngeld, Unterhalt und Gesundheitsangeboten. Dabei ist ein gestiegener Beratungsbedarf zu den Themen Verschuldung, Zugang zum Arbeitsmarkt und zu arbeitsrechtlicher Beratung, Renten sowie Sprachförderung zu verzeichnen. Weiterhin besteht ein hoher Bedarf an psychosozialer Unterstützung.

Von der Polykrise sind insbesondere vulnerable Gruppen betroffen. Einen Schwerpunkt der Migrationssozialdienste bilden daher Menschen in prekären Lebenslagen, deren Anliegen in der Beratung Priorität eingeräumt wird, um akute Fragen etwa beim erschwerten Zugang zur Regelversorgung schnell zu klären. Die Migrationssozialdienste halfen und helfen bei der Durchsetzung existenzsichernder Leistungen (Rente, Wohnraum und Kinderzuschlag) und tragen dadurch zur Prävention von akuter Armut, Ausgrenzung und Diskriminierung bei. Die zunehmende Digitalisierung beim Zugang zu Dienstleistungen ist zugleich auch eine Herausforderung insbesondere für ältere Ratsuchende. Damit diese Entwicklung nicht neue Hürden für die Betroffenen schafft, bieten die Migrationssozialdienste auch hier unterstützende Maßnahmen und Beratungen an.

(Der Begriff Polykrise bezeichnet mehrere voneinander unabhängige Krisen, die gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken, sodass ihre Auswirkungen schwerwiegender sind als die Summe der einzelnen Krisen.)

Zukünftiger Bedarf

Der Beratungsbedarf unter den Zugewanderten aus der Europäischen Union sowie aus Drittstaaten ist weiterhin hoch, insbesondere viele Menschen aus Osteuropa befinden sich in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen. Dies zeigt sich etwa in der hohen Zahl der Menschen polnischer Herkunft, die insbesondere die Beratungsangebote des Polnischen Sozialrats in den Migrationssozialdiensten aufsuchen.

Auch der Beratungsbedarf von Menschen mit türkischer Herkunft bleibt weiterhin hoch. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist in diesen beiden großen Zielgruppen ein zunehmender Beratungsbedarf etwa bei den Themen Altersarmut, Betreuung und Rente festzustellen. Zudem sind Angehörige von strukturell benachteiligten Minderheiten (Sinti und Roma), die in den Herkunftsländern kaum Zugang zu Bildung hatten, sowie vulnerable Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf (Analphabeten, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen) weiterhin im hohen Maße auf die Unterstützung der Migrationssozialdienste angewiesen.

In Berlin hat die Zahl der Geflüchteten mit Bleibeperspektive in den letzten Jahren zugenommen. Aufgrund fehlender oder unzureichender Regelstrukturen wie etwa dem Zugang zu angemessenem Wohnraum kommt es zu verzögerten Integrationsprozessen, wodurch Unterstützungsangebote oftmals über einen längeren Zeitraum erforderlich bleiben. Erfahrungen aus der Beratungspraxis zeigen, dass Themen wie Sprachförderung, berufliche Eingliederung und Integration in den Arbeitsmarkt häufig über die ersten drei Jahre nach Einreise hinaus fortbestehen. Es ist daher zu erwarten, dass zukünftig neue Ratsuchende aus dieser Zielgruppe die Migrationssozialdienste aufsuchen werden und Unterstützung bei der nachholenden Integration durch Landesangebote benötigen.

Insbesondere ist mit einem deutlichen Anstieg des Beratungsbedarf von Menschen aus der Ukraine zu rechnen. Der mittlerweile über drei Jahre anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die dadurch verursachte Fluchtmigration wird zunehmend mehr Einfluss auf die Auslastung und das Beratungsspektrum der Migrationssozialdienste haben. Für die kommende Berichtsperiode ist mit einem deutlichen Anstieg ukrainischer Ratsuchender in den Migrationssozialdiensten zu rechnen.

In den Migrationsberatungsstellen haben diese jüngsten Entwicklungen zu einer erhöhten Nachfrage und nachhaltigen Überlastungen geführt. Für die kommenden Jahre wird daher zu prüfen sein, wie die Migrationssozialdienste im Rahmen der verfügbaren Ressourcen weiterhin bedarfsorientiert gesichert und weiterentwickelt werden können.

Abteilung Soziales

Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung