Jahresbericht und Berichtserstattung für den Angebotsbereich 1: Besuchs- und Begleitdienste

Charts auf Laptop

Allgemeines

Der Angebotsbereich umfasst die meisten geförderten Projekte innerhalb des Integrierten Sozialprogramms und zählt gemeinsam mit der Wohnungsnotfallhilfe zu den finanziell bedeutenden Angebotsbereichen.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Mobilitätshilfedienste, die den überwiegenden Teil der Förderung im Angebotsbereich ausmachen. Sie unterstützen ältere Menschen dabei, ihre gesellschaftliche Teilhabe und ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit auch vor Eintritt von Pflegebedürftigkeit aufrechtzuerhalten.

Ergänzt werden diese Angebote durch ehrenamtlich geprägte Besuchsdienste, die sozialer Isolation und Einsamkeit insbesondere bei älteren Menschen ohne Pflegegrad entgegenwirken. Darüber hinaus umfasst der Angebotsbereich weitere begleitende Unterstützungsangebote für unterschiedliche Personengruppen, darunter Seniorinnen und Senioren, Familien, Frauen sowie arbeitslose Menschen. Trotz eines vergleichsweise geringen Finanzierungsanteils erreichen diese Angebote insgesamt einen großen Personenkreis.

1.1. Mobilitätshilfedienste

Die Mobilitätshilfedienste ermöglichen älteren Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Teilnahme am öffentlichen Leben und unterstützen sie bei alltäglichen Aktivitäten.

Es handelt sich um ein niedrigschwelliges, ambulantes Angebot im Vorfeld zur Pflege. Die Angebote umfassen zum Beispiel Treppenhilfen oder Rollstuhlschiebedienste, die Begleitung zu Spaziergängen, Terminen oder zum Einkauf. Das Angebot richtet sich an ältere Menschen ab 60 Jahren, die ihre Häuslichkeit nicht ohne Hilfestellungen verlassen können. Durch das Angebot wird ein längerer Verbleib in der eigenen Häuslichkeit ermöglicht.

Grundlegende Veränderungen im Berichtszeitraum

Im ersten Halbjahr des Jahres 2023 wurde die Arbeit in den Mobilitätshilfediensten noch durch pandemiebedingte Einschränkungen und anzupassende Hygienekonzepte erschwert, während die offiziellen Präventionsmaßnahmen nur sukzessiv gelockert wurden. Zum Schutz der vulnerablen Personengruppen in den Mobilitätshilfediensten (sowohl die Klientel als auch Helfende selbst) sind seitens der Dienste auch nach Beendigung des globalen Gesundheitsnotstands ab Mai 2023 und dem Auslaufen rechtlicher Vorschriften, wie zum Beispiel die Berliner Corona Verordnung, in 2023 und 2024 vorsorgende Schutzmaßnahmen getroffen worden.

Daher sind die Vergleiche des Leistungsgeschehens in 2023, 2024 zu den Vorjahren aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen und der damit verbundenen Einstellung von Begleitungen nur bedingt aussagekräftig.

Fortlaufend schwierig gestaltet sich die Akquise von Teilnehmenden aus Beschäftigungsmaßnahmen. Diese Anzahl an Mitarbeitenden sinkt kontinuierlich, insbesondere wegen rückläufiger Bundesmittel aber auch wegen fehlender geeigneter Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen in den Bezirken und in den Jobcentern.

Fortschreitende Entwicklungen

Die Anzahl der Klientinnen und Klienten und der Einsatzpunkte hängt stark von der Zahl der Helfenden ab und unterliegt damit unterjährigen und jahresübergreifenden Schwankungen. Auch der Gesundheitszustand der Klientel, der Helfenden und gegebenenfalls extreme Wetterbedingungen (starke Hitze, Kälte, Eis und Schnee) haben Einfluss auf das Angebotsgeschehen.

Eine ständig wachsende Nachfrage kann insbesondere im Zusammenhang mit rückläufigen Bewilligungen von Teilnehmenden aus Beschäftigungsmaßnahmen nicht vollständig befriedigt werden. In der Mehrzahl der Mobilitätshilfedienste werden Wartelisten geführt. Pro Jahr scheiden im Netzwerk der Mobilitätshilfedienste rund 1.200 Klientinnen und Klienten aus. Hierfür gibt es Neuaufnahmen. Mit der hohen Fluktuation geht ein erheblicher Arbeitsaufwand für die Mobilitätshilfedienste einher.

Aufgrund der unterschiedlichen Bezirksgrößen und der damit verbundenen unterschiedlichen Wegstrecken werden die Leistungen der Mobilitätshilfedienste in Einsatzpunkten erfasst. Ein Einsatzpunkt entspricht dabei einer Begleitleistung von 30 Minuten. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 520.012 Einsatzpunkte ohne Gruppenaktivitäten und 522.306 Einsatzpunkte einschließlich Gruppenaktivitäten erbracht. Im Jahr 2024 wurden 466.917 Einsatzpunkte ohne Gruppenaktivitäten und 468.799 Einsatzpunkte einschließlich Gruppenaktivitäten geleistet.

Bewertung und Ausblick

Während 2023 noch sehr im Schatten der Pandemie stand, war 2024 das Jahr der Konsolidierung. Die Folgen der Pandemie bei den Klientinnen und Klienten (Vereinsamung, Ängste, fehlende Mobilisierung) mussten von den Mobilitätshilfediensten sukzessiv aufgefangen und aufgearbeitet werden. Die Rückkehr zum „normalen“ Angebotsgeschehen erfolgte sehr langsam. Die dabei von den Mobilitätshilfediensten initiierten Maßnahmen und behutsamen Anpassungen waren zielführend, um den meist hochaltrigen Menschen Sorgen und Ängste zu nehmen, sie zu mobilisieren und eine Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen.

Die Ziele der Mobilitätshilfedienste konnten im Berichtszeitraum dennoch grundsätzlich erreicht werden. Quantitative Ziele für die Begleitung wurden nicht vorgegeben, da die Zahl der Begleitungen von den verfügbaren personellen Ressourcen, aber auch von der Nachfrage der Begleiteten abhängig ist.

Die Themen Einsamkeit und Altersarmut werden im Bereich der Mobilitätshilfedienste auch in der Zukunft eine Rolle einnehmen. Das Angebot muss niedrigschwellig und hinsichtlich der Eigenbeteiligung finanzierbar bleiben.

Auch der Fachkräftemangel ist in den Angeboten der Mobilitätshilfedienste angekommen. Es dauert länger, Stellen insbesondere in den Leitungspositionen nachzubesetzen. Ziel wird es sein, durch eine angemessene Vergütung der Einsatzleitung und der Helfenden die Mitarbeitenden an die Dienste zu binden und für auskömmliche Entgeltstrukturen zu sorgen.

1.2. Ehrenamtliche Besuchsdienste und sonstige begleitende Angebote

Die ehrenamtlichen Besuchsdienste wirken Einsamkeit und sozialer Isolation insbesondere von Seniorinnen und Senioren ohne Pflegegrad entgegen. Die Angebote sind in besonderem Maße auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Komplettiert wird der Bereich durch die sonstigen begleitenden Angebote für verschiedene Personenkreise (Seniorinnen und Senioren, Familien, Frauen und Arbeitslose). Der Bereich verbucht den geringsten Finanzierungsanteil im Integrierten Sozialprogramm, erreicht dafür jedoch einen vergleichsweisen großen Personenkreis.

Der Angebotsbereich der Besuchs- und Begleitdienste stellt auch im Berichtszeitraum 2023–2024 einen zentralen Baustein des Integrierten Sozialprogramms dar. Er knüpft in seiner Struktur, Zielsetzung und Ausrichtung unmittelbar an die Darstellungen des Jahresberichts 2021–2022 an und führt diese fort. Ziel der Angebote ist es weiterhin, Einsamkeit und sozialer Isolation entgegenzuwirken, soziale Teilhabe zu stärken und insbesondere ältere Menschen, aber auch weitere Personengruppen im Alltag niedrigschwellig zu begleiten.

Die Angebote sind in besonderem Maße auf das Zusammenspiel von hauptamtlicher Koordination und ehrenamtlichem Engagement angewiesen. Durch regelmäßige Besuche, Begleitungen und persönliche Zuwendung wird ein verlässlicher sozialer Kontakt ermöglicht, der häufig eine präventive Wirkung entfaltet und dazu beiträgt, einen längeren Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu unterstützen.

Entwicklung im Berichtszeitraum 2023–2024

Nach den pandemiebedingten Einschränkungen der Vorjahre konnte der Angebotsbereich im Berichtszeitraum 2023–2024 schrittweise zu einer weitgehend regulären Angebotsdurchführung zurückkehren. Persönliche Besuche, Begleitungen und Gruppenformate wurden wieder ausgeweitet und durch digitale bzw. telefonische Kontaktformen ergänzt, die sich in den vergangenen Jahren etabliert hatten.

Die Nachfrage nach Besuchs- und Begleitangeboten blieb auf hohem Niveau. Zugleich zeigte sich, dass viele der unterstützten Personen weiterhin einen erhöhten Bedarf an persönlicher Ansprache, Verlässlichkeit und Kontinuität aufweisen. Dies betrifft insbesondere hochaltrige Menschen sowie Personen, deren soziale Netzwerke im Laufe der Zeit stark geschrumpft sind.

Im Berichtszeitraum 2023–2024 standen insbesondere der Wiederaufbau stabiler Besuchsbeziehungen, die Intensivierung persönlicher Kontakte sowie die Weiterentwicklung von Anerkennungs- und Begleitstrukturen für Ehrenamtliche im Fokus. Viele Projekte konnten an bewährte Konzepte anknüpfen und diese zugleich weiterentwickeln.

Fachliche Einordnung

Die Besuchs- und Begleitdienste leisten einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Infrastruktur Berlins. Sie schließen Versorgungslücken, die durch formelle Hilfesysteme allein nicht abgedeckt werden können, und wirken präventiv, indem sie frühzeitig soziale Isolation mindern. Die Verbindung von professioneller Koordination und ehrenamtlichem Engagement erweist sich dabei weiterhin als tragfähiges Modell.
Auch im Berichtszeitraum 2023 bis 2024 wurde deutlich, dass die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen zentrale Herausforderung geblieben sind. Gleichzeitig zeigen viele Projekte innovative Ansätze in der Ansprache neuer Zielgruppen, der Qualifizierung von Freiwilligen sowie der Zusammenarbeit mit bezirklichen Akteurinnen und Akteuren.

Good-Practice-Beispiele aus den Projekten

Ehrenamtliche Besuche bei hochaltrigen Menschen (exemplarisch Freunde alter Menschen e. V.)

Der Jahresbericht des Projekts für das Jahr 2024 gibt einen guten Einblick in die regelmäßigen Besuche einer hochaltrigen Seniorin durch eine ehrenamtlich engagierte Person. Die wöchentlichen Besuche bieten der unterstützten Person nicht nur menschliche Zuwendung und Gesprächsmöglichkeiten, sondern auch Sicherheit, Orientierung und eine verlässliche Struktur im Alltag. Besonders deutlich wird die Bedeutung des aufgebauten Vertrauensverhältnisses, das es der besuchten Person ermöglicht, Sorgen, Ängste und Unterstützungsbedarfe offen anzusprechen. Zugleich wird sichtbar, dass ehrenamtliche Besuchsdienste eine wichtige Brückenfunktion übernehmen können, indem sie bei Bedarf weitere Unterstützungsangebote anregen, begleiten und in bestehende Hilfestrukturen vernetzen.

Kultur- und Begleitangebote für Menschen mit Behinderungen (Lebenshilfe)

Durch langjährige Etablierung von Kultur-Tandems zeigt das Projekt der Lebenshilfe, wie kontinuierliches ehrenamtliches Engagement kulturelle Teilhabe ermöglichen und verstetigen kann. Gemeinsame Theater- und Veranstaltungsbesuche fördern nicht nur soziale Teilhabe, sondern stärken Selbstbestimmung, Kommunikationsfähigkeit und gegenseitiges Vertrauen. Die Berichte verdeutlichen zudem, dass solche Begleitangebote über Jahre hinweg stabile soziale Beziehungen entstehen lassen, die weit über die einzelnen Aktivitäten hinausreichen. Eine professionelle Freiwilligenkoordination bildet dabei die notwendige organisatorische und fachliche Grundlage und sichert Qualität, Verlässlichkeit und Kontinuität des Engagements.

Seniorpartner in School – generationenübergreifendes Engagement

Das Projekt „Seniorpartner in School“ wurde im Berichtszeitraum für sein besonderes Engagement beim bundesweiten DAK-Wettbewerb ausgezeichnet und steht beispielhaft für die Weiterentwicklung ehrenamtlicher Besuchs- und Begleitdienste in neuen gesellschaftlichen Handlungsfeldern. Ältere Ehrenamtliche bringen ihre Lebenserfahrung, soziale Kompetenzen und Zeit in Schulen ein und unterstützen Kinder und Jugendliche bei der gewaltfreien Lösung von Konflikten. Neben der präventiven Wirkung im schulischen Kontext zeigt das Projekt auch eine hohe Wirkung für die Ehrenamtlichen selbst, die durch ihr Engagement gesellschaftliche Teilhabe, Sinnstiftung und Anerkennung erfahren. Das Projekt verdeutlicht damit, wie generationenübergreifende Ansätze zu sozialem Zusammenhalt und nachhaltiger Prävention beitragen können.

Abteilung Soziales

Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung