Berichte zur sozialen Lage der Berliner Bevölkerung

Der Berliner Sozialbericht

Ein zentrales Ziel der Berliner Sozialberichterstattung ist die verständliche und aussagekräftige Darstellung der sozialen Lage der Berliner Bevölkerung. Unter „sozialer Lage“ verstehen wir die Lebensbedingungen und Chancen einer Gruppe innerhalb einer Gesellschaft. Sie wird durch Faktoren wie Einkommen, Bildung, Teilhabe am Arbeitsmarkt oder der Wohnsituation bestimmt und beeinflusst u. a. den Zugang zu Ressourcen und gesellschaftlicher Teilhabe.

Der Berliner Sozialbericht erscheint jährlich und bildet mit einem Set an statistischen Kennzahlen (Indikatoren) aktuelle Befunde und längerfristige Entwicklungen ab. Er schafft damit eine verlässliche Grundlage für sozialpolitische Entscheidungen in Berlin.

Berliner Sozialbericht

  • Berlin in Zahlen: Sozialbericht 2025

    PDF-Dokument (13.3 MB) - Stand: 15.04.2026

  • Soziale Lage der Berliner Bevölkerung 2024

    PDF-Dokument - Stand: 04.12.2024

Auf einen Blick: Zentrale Ergebnisse aus dem Sozialbericht 2025

Finanzielle Ressourcen und Armut

Armutsgefährdungsquoten in der Bevölkerung nach Berliner Bezirken 2023; in %

Mit Stand 2023 gilt rund ein Fünftel der Berliner:innen als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Kinder, Alleinerziehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Auffällig ist die räumlich ungleiche Verteilung von Armut: Die Bezirke Neukölln (26,3 %) und Mitte (23,1 %) verzeichnen besonders hohe Anteile an armutsgefährdeten Menschen.

Der Anteil an Leistungsempfangenden von Mindestsicherungsleistungen hingegen ist in Berlin leicht zurückgegangen, liegt jedoch nach wie vor deutlich über dem Wert für Deutschland (rund 15 vs. rund 9 %). Die Mindestsicherungsquote ist aufgrund verdeckter Armut wahrscheinlich höher, weil nicht alle Anspruchsberechtigten staatliche Transferleistungen in Anspruch nehmen – z. B. aus Scham oder Unkenntnis.

Armut im Alter betrifft rund sieben Prozent der Berliner Bevölkerung im Rentenalter, zudem ist sie leicht gestiegen und liegt um fast das Doppelte über dem Wert für Deutschland (rund 4 %). Die Daten legen zudem nahe, dass eher Frauen als Männer von Altersarmut betroffen sind – als Folge z. B. einer geringeren Erwerbstätigenquote, verstärkter Teilzeitbeschäftigung sowie durch geringere Löhne.

Trotz rückläufiger Tendenz ist die Kinderarmut im Land Berlin im Vergleich zu Deutschland relativ hoch: Etwa jedes vierte Kind unter 15 Jahren lebt 2023 in Berlin in einem auf Grundsicherung nach SGB II angewiesenen Haushalt (Deutschland 14 %). Ähnlich wie bei Altersarmut zeigt sich eine stark ungleiche sozialräumliche Verteilung in der Stadt: In einigen Quartieren Neuköllns gilt mehr als jedes zweite Kind statistisch als arm.

Anteil an Kindern unter 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften nach SGB II an allen Kindern unter 15 Jahren in Berlin am 31.12.2023 in Planungsräumen; in %

Das Einkommensgefüge von Berliner Haushalten hat sich zwischen 2020 und 2023 verändert: Der Anteil an Haushalten mit niedrigen Einkommen sank, zugleich stieg der Anteil an Haushalten in den oberen Einkommensklassen. Insgesamt ist die Einkommensstruktur als relativ ausgeglichen anzusehen.

Teilhabe am Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich für Berlin positive Entwicklungen: Die Erwerbslosenquote hat sich seit 2015 nahezu halbiert und die Erwerbstätigenquote ist spürbar gestiegen. Hervorzuheben sind die sozialräumlichen Unterschiede bei Arbeitslosigkeit: überdurchschnittliche Anteile Arbeitsloser an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter lassen sich bspw. im Norden Neuköllns oder in Spandau beobachten.

Anteil Arbeitslose nach SGB II an Einwohner:innen im Alter von 15 Jahren bis unter die Regelaltersgrenze am 31.12.2023 in Berliner Planungsräumen; in %

Dabei zeigt sich die Verschränkung von Familien- mit Kinderarmut: Kinderarmut konzentriert sich häufig in denselben Quartieren, in denen auch der Anteil Arbeitsloser hoch ausfällt.

Armut trotz Erwerbstätigkeit betrifft zwar einen eher geringen Anteil aller Beschäftigten, dennoch ist dieser Anteil doppelt so hoch wie in Deutschland (2,5 % vs. 1,2 %). Betroffen sind insbesondere Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und Menschen in einer Teilzeitbeschäftigung.

Bildung

Die Bildungsbeteiligung im Vorschulalter ist in Berlin in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Sozialräumliche Unterschiede bestehen allerdings dennoch und sie stehen im Zusammenhang mit Kinderarmut: Ein größerer Umfang an Kinderarmut in einem Stadtteil geht tendenziell mit einer niedrigeren Betreuungsquote von Kindern einher.

Mit Blick auf allgemeinbildende Schulabschlüsse ist in Berlin der Anteil an Einwohner:innen mit einer (Fach-)Hochschulreife seit 2021 gestiegen. Aber auch der Anteil an Personen ohne Schulabschluss hat zugenommen. Auch für berufsqualifizierende Abschlüsse zeigt sich in Berlin ein deutlicher Trend zur Höherqualifizierung: Der Anteil in der Bevölkerung mit einem Hochschulabschluss stieg, während der Anteil an Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sank. Allerdings stieg auch der Anteil an Einwohner:innen ohne beruflichen oder akademischen Abschluss leicht an.

Gesundheit

Die Lebenserwartung ist gestiegen; für Frauen fällt sie dabei im Schnitt höher aus als für Männer. Die vorzeitige Sterblichkeit sank tendenziell – mit Ausnahme der von der Covid-19-Pandemie geprägten Jahre. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit haben dabei auch Umweltmehrfachbelastungen. Diese Belastungen – etwa Lärm, Hitze oder Luftverschmutzung – treten in den verschiedenen Quartieren in unterschiedlicher Intensität auf, wobei ein Zusammenhang zur sozialen Lage besteht: Umweltbelastungen finden sich häufiger in Quartieren, in denen auch Armut konzentriert ist.

5. Menschen mit (Schwer-)Behinderung und in Pflege

Die Zahl an sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung hat in Berlin zugenommen, wobei der Anstieg geringer ausfiel als in Deutschland insgesamt. Der Anteil an Arbeitslosen mit einer anerkannten Schwerbehinderung an allen Arbeitslosen ist zwischen 2015 und 2023 leicht gesunken. Auch der Anteil an Personen, die Grundsicherung bei Erwerbsminderung beziehen, ist weitgehend konstant geblieben. Die Zahl an Leistungsempfangenden von Hilfe zur Pflege sank im Zeitverlauf um rund 39 Prozent.

Soziale Teilhabe und Engagement

In Berlin fühlt sich knapp jede:r Vierte einsam. Besonders betroffen sind Männer, junge Menschen, Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und Einkommensarme. Auf der anderen Seite engagierten sich 2019 mehr als ein Drittel der Berliner:innen ehrenamtlich – insbesondere in den Bereichen Schule, Kita sowie Sport.

Mit der Inanspruchnahmequote von Leistungen zu Bildung und Teilhabe wird auch die Teilhabe von Kindern mit in den Blick genommen: Diese Quote hat zwischen 2015 und 2023 spürbar zugenommen, sie unterscheidet sich aber stark nach Alter und v. a. nach Rechtskreis der Anspruchsberechtigen.

Für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung besteht die Möglichkeit, Leistungen der Eingliederungshilfe zu beziehen. Gemessen an der Gesamtbevölkerung Deutschlands bleibt der Anteil an Leistungsbeziehenden sehr gering.

Wohnen

Berlin ist eine Mieter:innenstadt, daher wird die Mietbelastung als finanzielle Dimension von Wohnen mit in den Blick genommen: Im Jahr 2022 musste die Hälfte aller Berliner Haushalte mindestens 27 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aufwenden, etwa jeder fünfte Haushalt sogar mindestens 40 Prozent. Damit gelten 20% der Haushalte statistisch als von Wohnkosten übermäßig belastet.

Wohnarmut – hier als Kennzahl für beengtes Wohnen verwendet – betraf 2022 etwa zehn Prozent der Berliner Bevölkerung. Diese Menschen hatten weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnfläche als Wohnraum zur Verfügung. Besonders hiervon betroffen waren Einwohner:innen in Neukölln.

Mittlere Mietbelastungsquote 2022 in Berliner Bezirken; in %

Der Anteil der Berliner Bevölkerung in einer mittleren Wohnlage ist zwischen 2015 und 2023 gestiegen, der Bevölkerungsanteil in einer einfachen Wohnlage hingegen gesunken. Einfache und gute Wohnlagen konzentrieren sich in bestimmten Gebieten der Stadt: gute Wohnlagen primär in Steglitz-Zehlendorf, einfache Wohnlagen v. a. in Neukölln, Spandau und Lichtenberg.

Wohngeld bezieht in Berlin nur ein kleiner Anteil an Haushalten (2,5 %), auch wenn dieser aufgrund der Wohngeldreform 2023 verhältnismäßig stark angestiegen ist. Unter Rentner:innen und Pensionär:innen ist der Anteil an Wohngeldbeziehenden sehr hoch.

Wohnungslosigkeit hat seit 2022 in Berlin deutlich zugenommen: Etwa 39.000 Menschen sind 2023 in Berliner Unterkünften für Wohnungslose untergebracht – ca. 9.500 Menschen mehr als im Vorjahr, mit einem hohen Anteil an Minderjährigen. Auch unter Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist der Anteil Wohnungsloser hoch – auch bedingt durch die Zählung bestimmter Gruppen an Geflüchteten als Wohnungslose, wenn diese vorübergehend z. B. in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Darüber hinaus waren Anfang 2024 ca. 8.400 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos – d. h. sie waren bei Familienangehörigen oder Bekannten untergekommen.

Reichtum

Rund neun Prozent der Berliner Bevölkerung gelten als einkommensreich – ein etwas höherer Anteil als für Deutschland (7,8 %). Dieser Anteil ist im Zeitverlauf stabil geblieben und fällt in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Pankow besonders hoch aus. Dabei sind eher Männer, Menschen im erwerbsfähigen Alter, Menschen ohne Einwanderungsgeschichte sowie Hochqualifizierte einkommensreich.

Die Zahl an Spitzenverdienenden – Menschen mit Jahreseinkünften von mindestens einer Million Euro – verdoppelte sich in Berlin zwischen 2015 und 2021 nahezu – in Deutschland stieg die Zahl der Spitzenverdienenden hingegen nur um 63 Prozent an.

Reichtum speist sich nicht nur aus Einkommen, sondern auch aus Vermögen. Nur wenige Daten stehen hierfür zur Verfügung; eine Annäherung an dieses Thema erlauben die Daten zu Erbschaften und Schenkungen sowie Befragungsdaten zum individuellen Nettovermögen. In Berlin stieg der Umfang von Erbschaften und Schenkungen zwischen 2015 und 2023 an – im Vergleich zu Deutschland deutlich stärker. Daten zum individuellen Nettovermögen aus dem Jahr 2017 weisen auf eine starke Vermögensungleichheit hin: das durchschnittliche Vermögen lag für Berlin bei rund 57.000 Euro, hingegen verfügte die Hälfte der Berliner Bevölkerung über ein Vermögen von max. 5.620 Euro. Dabei besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Vermögenshöhe und dem Alter: Ältere Menschen verfügen über mehr Vermögen als jüngere; zugleich zeigt sich, dass v. a. Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit sowie mit einem hohen Schulabschluss über deutlich höhere Vermögen verfügen als die restliche Bevölkerung.

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Anna Speicher