Berichte zur sozialen Lage der Berliner Bevölkerung

Der Basisbericht

Ein zentrales Ziel der Integrierten Armuts- und Sozialberichterstattung ist die verständliche und aussagekräftige Darstellung der sozialen Lage der Berliner Bevölkerung. Unter „sozialer Lage“ verstehen wir die Lebensbedingungen und Chancen einer Gruppe innerhalb einer Gesellschaft. Sie wird durch Faktoren wie Einkommen, Bildung, Teilhabe am Arbeitsmarkt, Wohnsituation und soziale Netzwerke bestimmt und beeinflusst u. a. den Zugang zu Ressourcen und gesellschaftlicher Teilhabe.

Der Basisbericht erscheint jährlich und bildet mit einem Set an statistischen Kennzahlen (Indikatoren) aktuelle Befunde und längerfristige Entwicklungen ab. Er schafft damit eine verlässliche Grundlage für evidenzbasierte sozialpolitische Entscheidungen in Berlin.

Bericht zur sozialen Lage der Berliner Bevölkerung

  • Berlin in Zahlen: Sozialbericht 2025

    PDF-Dokument (13.3 MB) - Stand: 15.04.2026

  • Soziale Lage der Berliner Bevölkerung 2024

    PDF-Dokument - Stand: 04.12.2024

Armutgefährungsquote im Jahr 2022 nach Berliner Bezirken

Besonders von Armutsgefährdung betroffene Bevölkerungsgruppen sind dabei:
- Junge Menschen (unter 25 Jahre)
- Personen mit Migrationshintergrund
- Personen ohne oder mit einem niedrigen Bildungsabschluss
- Langzeitarbeitslose
- Alleinerziehende oder Familien mit mindestens drei Kindern
Gemessen am Bundesmedian wies Berlin im Jahr 2022 im Bundeslandvergleich eine eher niedrige Armutsgefährdungsquote auf. Zehn Bundesländer, u. a. Hamburg und Bremen wiesen höhere Armutsgefährdungsquoten auf.

Bei den Einkommen ist ein positiver Trend zu beobachten: der Anteil an Einwohner:innen mit einem Einkommen ab 2.000 Euro netto monatlich nahm zwischen 2020 und 2022 leicht zu, während der Anteil derjenigen mit niedrigeren Einkommen leicht sank. Die Einkommensverhältnisse variieren je nach Bezirk: in Bezirken wie Neukölln und Reinickendorf waren die Anteile an Personen mit niedrigem Einkommen höher, während in Bezirken wie Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg der Anteil an Menschen in höheren Einkommensklassen größer war.

Monatliches Pro-Kopf-Nettoeinkommen im Jahr 2022 nach Berliner Bezirken; in Prozent

Arbeit
Die Erwerbstätigenquote in Berlin stieg zwischen 2012 und 2022 um rund sieben Prozentpunkte auf rund 75%. Bezirke wie Pankow oder Charlottenburg-Wilmersdorf wiesen im Jahr 2022 vergleichsweise hohe Quoten auf. Besonders niedrig waren die Erwerbstätigenquoten in den Bezirken Neukölln und Spandau. Personen zwischen 25 bis unter 55 Jahre wiesen die höchste Erwerbstätigenquote auf. Der Anteil an Erwerbstätigen unter Personen ohne Migrationshintergrund war knapp 15 Prozentpunkte höher als unter Personen mit Migrationshintergrund. Dies kann unterschiedliche Ursachen wie das Fehlen einer Arbeitserlaubnis, laufende Anerkennungsverfahren oder der Besuch von Sprachkursen haben.

Anteil Erwerbstätige an der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahre in Berliner Bezirken im Jahr 2022

Der Anteil der Arbeitslosen nach SGB II an allen Einwohner:innen im erwerbsfähigen Alter von 15 Jahren bis unter die Regelaltersgrenze lag 2022 bei etwa fünf Prozent. In einigen Teilen Neuköllns, Spandaus und Friedrichshain-Kreuzbergs waren die Anteilswerte an Arbeitslosen besonders hoch (8 – 15 %).

Bildung
Bildung ist nach wie vor ein entscheidender Faktor für den sozialen Aufstieg. So erzielten Personen mit höheren Bildungsabschlüssen im Durchschnitt deutlich höhere Jahresverdienste.
Die Daten zur Verteilung von Schulabschlüssen in der Berliner Bevölkerung weisen einen Trend zur Höherqualifizierung von Generation zu Generation hin: Der Anteil an (Fach-)Abiturabsolvent:innen fiel 2022 bei den unter 25jährigen deutlich höher aus (ca. 73 %) als bei Personen im Alter von mindestens 65 Jahren (rund 35 %). Die Verteilung der Schulabschlüsse nach Bezirken im Jahr 2022 weist dabei z. T. erhebliche Unterschiede auf. So ist der Anteil an Personen mit einem Hauptschul- oder gleichwertigen Abschluss in Spandau und Neukölln (rund jede:r Fünfte) vergleichsweise hoch. Hingegen überwiegt in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow der Anteil an (Fach-)Abiturabsolvent:innen.
Zudem ist der relativ hohe Anteil an Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder akademischen Abschluss (etwa jede:r Vierte über 15 Jahre) auffällig – auch wenn einige Personen sich zu dieser Zeit noch in einer Berufsausbildung oder einem Studium befanden und somit noch keinen berufsqualifizierenden Abschluss erworben haben. Besonders hoch ist dieser Anteil in den Bezirken Neukölln, Reinickendorf und Spandau. Personen mit Migrationshintergrund haben anteilig deutlich seltener einen Ausbildungsabschluss und häufiger keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Dieser Unterschied kann durch Gründe wie die fehlende Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen oder das Vorhandensein von Sprachbarrieren bedingt sein.

Gesundheit
In Berlin stieg die Lebenserwartung bei Geburt zwischen 2012 und 2022 geringfügig an, wobei Frauen im Schnitt fünf Jahre länger leben als Männer. Dabei liegt die Lebenserwartung von Männern in Berlin im Schnitt etwas unter der Lebenserwartung von Männern in Deutschland insgesamt.

Wohnen
Wohnbedingungen prägen die soziale Lage einer Person stark. In einer heterogenen Stadt wie Berlin sind die Wohnbedingungen räumlich ungleich verteilt. Im Jahr 2023 konzentrierten sich Wohnungen in einfacher Wohnlage v. a. im Norden Neuköllns, im Norden Spandaus, im Nordwesten von Mitte, im Süden von Reinickendorf sowie im Nordosten von Lichtenberg.

Verteilung von Wohnungen in einfacher Wohnlage (mit und ohne Lärm) nach Planungsräumen (LOR 2021) im Jahr 2023; in Prozent

Zudem zeigt sich ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen Lage in einem Quartier und dem Grad an Umweltbelastungen: Sozial schwächere Einwohner:innen sind mit einer größeren Wahrscheinlichkeit auch stärkeren Umweltbelastungen wie z. B. Hitze- und bzw. oder Lärmbelastungen in ihrem Wohnumfeld ausgesetzt.

Kinder- und Familienarmut
Im Jahr 2022 war fast jede vierte Person unter 18 Jahren von Armut bedroht bzw. lebte in einer Bedarfsgemeinschaft, welches Sozialleistungen nach dem SGB II bezog. Dabei zeigen sich besonders hohe Anteile an Kindern, die in Bedarfsgemeinschaften nach SGB II lebten, in Neukölln, Mitte, Spandau und Reinickendorf.

Kontakt

Anna Speicher