Cybercrime

Begriffserklärung “Cybercrime”

  1. Cybercrime im engeren Sinne beinhalten Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten. Alle widerrechtlichen Handlungen gegen die Integrität, Verfügbarkeit und Authentizität von Computerdaten und –systemen (deliktisch z. B.: Computerbetrug, Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten, Fälschung beweiserheblicher Daten und Täuschung im Rechtsverkehr bei der Datenverarbeitung, Datenveränderung, Computersabotage, Datenhehlerei, Ausspähen von Daten sowie Vorbereitung des Ausspähens und Abfangens von Daten, z.B. sog. „Phishing).
  2. Cybercrime im weiteren Sinne beinhalten Straftaten, die mittels der o.g. Informationstechnik begangen werden. (Verlagerung der klassischen Kriminalität wie z.B. der illegale Handel mit Drogen, Waffen sowie Verbreitung von Falschgeld, Online-Darstellungen von sexuellen Missbräuchen, Hass-, Gewaltpropaganda sowie Förderung terroristischer und extremistischer Aktivitäten in den Cyber-Raum).

Diese Begriffsbestimmung des Arbeitskreises II „Innere Sicherheit“ der Ständigen Konferenz der Innenminister und –senatoren der Länder (IMK) berücksichtigt sowohl nationale als auch internationale Sicherheitsstrategien und steht im Einklang mit internationalen Begriffsbestimmungen wie der „Convention on Cybercrime“ des Europarats, der Vereinten Nationen, der Europäischen Union (Rahmenbeschluss) und der Bundespolizei der USA (FBI). Cybercrime ersetzte damit den vorherigen Begriff zur „IuK-Kriminalität“ und diente der Harmonisierung des phänomenbezogenen Sprachgebrauchs vor dem Hintergrund der Notwendigkeit einer möglichst einheitlichen Definition im nationalen wie auch internationalen sicherheitspolitischen Kontext.

Internetkriminalität wird als Synonym für Cybercrime verwendet. Internetkriminalität umfasst Straftaten, die auf dem Internet basieren oder mithilfe von Techniken des Internets geschehen.

Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Berlin für 2016

Bildvergrößerung: Struktur der Internetkriminalität 2016
Bild: Der Polizeipräsident in Berlin, Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2016

Die Internetkriminalität hat geringfügig zugenommen (24.401 Fälle, +1,0% zu 2015) und damit erneut den höchsten Wert der vergangenen 10 Jahre erreicht. Höchster Anteil der Internetkriminalität: Betrug unter Nutzung des Internets. Hierzu wurden 20.654 Fälle erfasst, 770 Fälle weniger als im Vorjahr (-3,6%). Es existiert ein erhebliches Dunkelfeld. (Quelle: Der Polizeipräsident in Berlin, Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2016). Die PKS berücksichtigt nicht Cybercrime mit politischer oder nachrichtendienstlicher Motivation.

Täterstrukturen/-befähigungen
Die Täter begehen heute nicht mehr ausschließlich Cybercrime-Straftaten im engeren Sinne, sondern bieten vielmehr die zur Begehung von Straftaten erforderliche Schadsoftware oder gar komplette technische Infrastrukturen in der Underground Economy an. Diese Werkzeuge eröffnen aufgrund ihrer einfachen Handhabung auch Tätern ohne fundierte IT-Spezialkenntnisse die Möglichkeit, Straftaten über das Internet zu begehen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung dürfte nicht nur die mögliche Anonymität sein, sondern auch der Umstand, dass über illegale Online-Marktplätze weltweit unzählige potenzielle Kunden erreicht werden können, auch weil diese Foren und Marktplätze im Darknet ohne tiefergehende Computerkenntnisse erreichbar sind. Es agieren daher nicht mehr ausschließlich hoch spezialisierte Einzeltäter mit umfassenden IT-Kenntnissen, sondern zunehmend auch Kriminelle ohne spezifische Fachkenntnisse, die für eine Tatbegehung erforderliches Know-how und Ressourcen käuflich erwerben bzw. für die Begehung der Straftaten in heterogenen Gruppen arbeitsteilig zusammenwirken.

Fazit/Herausforderung für Strafverfolger
Spuren von Internetkriminalität sind flüchtig, veränderbar, zum Teil anonymisiert, verschlüsselt und ortsungebunden und somit nicht mit den traditionellen kriminalistischen Methoden zu sichern. Das Gefährdungs- und Schadenspotenzial durch Angriffe auf die Integrität und Sicherheit der Datensysteme steigt. Digitalisierung und die damit einhergehende Veränderung der Kommunikation bringen immer wieder neue Manipulations- und Angriffsmöglichkeiten mit sich. Deutlich erschwert werden Ermittlungen im Bereich der Cybercrime durch den Umstand, dass die Täter überregional agieren und international vernetzt sind.

Stark ausgeprägtes Dunkelfeld: Die polizeilichen Statistiken können lediglich einen kleinen Ausschnitt der tatsächlichen Dimension von Cybercrime abbilden und sind derzeit noch nicht im Stande, das Gesamtphänomen und das daraus resultierende Gefährdungspotenzial vollständig zu beschreiben. Die Fallzahlen im statistischen Hellfeld der PKS sind noch durch laufende Umstellung der Erfassungsmodalitäten in den Bundesländern beeinflusst. Ab 2018 werden Delikte der Cybercrime nach bundeseinheitlichen Kriterien dargestellt.

Ausblick: Die von Cybercrime ausgehenden Gefahren für den Privat- und Wirtschaftsbereich sowie die Gesellschaft insgesamt werden weiter zunehmen. Aktuelle Technologietrends, wie z. B. das „Internet der Dinge“, „Industrie 4.0“ oder auch die weiter ansteigende Nutzung des Internets durch den Privatanwender, dürften diese Entwicklung deutlich fördern, weil sie aus Täterperspektive neue Tatgelegenheitsstrukturen eröffnen.
EU-Strafverfolgungsbehörden investieren aktuell viel in digitale Forensik, Big Data Analyse und Blockchain-Ermittlungen. Eine effektive Prävention sowie nachhaltige ganzheitliche Bekämpfung von Cybercrime muss im Verbund der zuständigen Sicherheitsbehörden auf nationaler und internationaler Ebene erfolgen.