10/2026 – „Sie wollten leben!“: Litfaßsäulen-Projekt erinnert an jüdische Lebensgeschichten

Sie wollten leben

Oktober 2026

Landläufig kennt man die Litfaßsäule als Trägerin von Werbung und Konzertankündigungen. In dieser Bedeutung sieht man sie nicht mehr so häufig wie früher. Unterdessen hat sich ein bemerkenswerter Wandel vollzogen, denn Berlins Litfaßsäulen haben sich zu Erinnerungsorten entwickelt. Unter dem Motto „Sie wollten leben!“ erzählen mit großformatigen Plakaten beklebte Säulen in ganz Berlin die Lebensgeschichten jüdischer Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt wurden. Auch in Steglitz wird die Säule zum Erinnerungsort: Am Montag, 9. November 2026, ab 13 Uhr stellen die Initiatorinnen an der Ecke Hubertusstraße/Schloßstraße vier Biographien näher vor: die des Ehepaars Dr. Heinrich und Irmgard Veit Simon sowie von Lucie Charlotte Hulda Gerson und Bianka Hamburger (geb. Löwenherz).

Das Steglitzer Litfaßsäulen-Gedenken reiht sich ein in ein Bündel an Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem 88. Jahrestag der Novemberpogrome vom 9. November 1938 anstehen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Achim Seuberling am Tenorsaxophon. Rund eineinhalb Stunden lang stehen die Menschen hinter den Namen im Mittelpunkt – ihre Lebenswege und ihr Schicksal unter der nationalsozialistischen Verfolgung.

Noch bis zum 14. November 2026 holt das von Regisseur und Kulturmanager Günter Jeschonnek initiierte Projekt „Sie wollten leben!“ die Erinnerung an Jüdinnen und Juden ans Licht des öffentlichen Raums. In Zusammenarbeit mit Gleis 69 e.V. und Berliner Stolperstein-Initiativen machen die Litfaßsäulen deutlich, was sich hinter historischen Daten und Zahlen verbirgt: individuelle Lebensgeschichten, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Der 9. November mit seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz lädt dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und sich mit den Lebensgeschichten der Verfolgten auseinanderzusetzen.

Sie wollten leben - Litfaßsäulen-Projekt Herbst 2026

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub