Jugendförder- und Beteiligungsgesetz

Jugendliche spielen Basketball

Mit dem Jugendförder- und Beteiligungsgesetz wird die Jugendarbeit in Berlin mit Ihren vielfältigen Angeboten – von Jugendclubs und Abenteuerspielplätzen über Festivals und Jugendreisen bis hin zu den Kinder- und Jugendparlamenten – neu strukturiert und über Fachstandards für Umfang und Qualität der Leistungen abgesichert.

Das Jugendförder- und Beteiligungsgesetz

Am 1. Januar 2020 ist im Land Berlin das Zweite Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes – Gesetz zur Förderung der Beteiligung und Demokratiebildung junger Menschen (AG KJHG) in Kraft getreten.

Mit dem Gesetz wird die Jugendarbeit in Berlin mit Ihren vielfältigen Angeboten – von Jugendclubs und Abenteuerspielplätzen über Festivals und Jugendreisen bis hin zu den Kinder- und Jugendparlamenten – neu strukturiert und über Fachstandards für den Umfang und die Qualität der Leistungen abgesichert. Darüber hinaus sind im Gesetz Mitbestimmungsrechte für Kinder und Jugendliche verankert, indem diese an der Erstellung von Jugendförderplänen und somit an der infrastrukturellen Angebotsplanung beteiligt werden.

Schließlich wird die Jugendarbeit finanziell gestärkt: das Land Berlin stellt den Bezirken zusätzliche Mittel für die Umsetzung des Gesetzes und die Absicherung der Vielfalt der Angebote der Jugendarbeit bereit.

Angebote

Folgende Angebotsformen sollen in allen Bezirken vorgehalten werden:

  • standortgebundene offene Jugendarbeit (z. B. Jugendclubs, Abenteuerspielplätze),
  • standortungebundene offene Jugendarbeit (z. B. Festivals, Rock- und HipHopMobile),
  • Erholungsfahrten und -reisen, internationale Begegnungen,
  • Unterstützung der Beteiligung junger Menschen (z.B. Kinder- und Jugendbüros, Kinder- und Jugendparlamente),
  • Gruppenbezogene, curricular geprägte Jugendarbeit (z. B. Seminare).

Fachstandards: Für jede Angebotsform wurden fachliche Standards in Hinsicht auf Qualität (Ausstattung) und Umfang (bezogen auf die Einwohnerzahl junger Menschen) erarbeitet. Die Standards tragen dazu bei, dass alle Angebotsformen in allen Bezirken angeboten werden. Zum Fachstandard Umfang ist zum 1. Januar 2021 eine Rechtsverordnung in Kraft getreten.

Förderpläne: Auf Landes- und Bezirksebene werden alle vier Jahre und unter Beteiligung junger Menschen Jugendförderpläne erstellt. Diese sind Steuerungsinstrumente für bezirkliche und landesweite Planungen.

Wie junge Menschen an den Jugendförderplänen mitwirken

Die Jugendämter in den zwölf Berliner Bezirken haben 2021 jeweils einen Jugendförderplan geschrieben. Dafür wurden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nach ihrer Meinung gefragt: Wie finden sie die Freizeitangebote in ihrem Bezirk? Welche Themen beschäftigen sie? Was ist ihnen im Alltag wichtig? Die Antworten wurden im bezirklichen Jugendförderplan aufgenommen, um für junge Menschen bessere Angebote in der Jugendarbeit zu schaffen.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie fasste die Ergebnisse der zwölf Bezirke zusammen und befragte junge Menschen zusätzlich, in welche Berliner Freizeiteinrichtungen sie gerne gehen. Unter dem Motto Dein Berlin. Deine Ideen – mach mit und gestalte Deine Stadt! konnten sie einen Fragebogen ausfüllen oder sich an einer Online-Umfrage beteiligen.

Kampagne #jungbeteiligt

Diese Informationen wurden dann zu einem Jugendförderplan für die gesamte Stadt, das Land Berlin, ausgewertet. Insgesamt haben 20.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 6 bis 26 Jahren an der Erstellung der Jugendförderpläne mitgewirkt.

Was dabei herausgekommen ist, erklären wir auf dieser Seite:

Schüler auf dem Schulhof

Was junge Menschen wollen

Das sind die wichtigsten Themen junger Menschen

  • Freundschaften und Familie
  • schulische und berufliche Zukunft, Zukunftsängste
  • Klima, Umweltschutz und Nachhaltigkeit
  • Wunsch nach Bewegungs- und Rückzugsräumen
  • Identität, Gesundheit, Diskriminierung
  • Beteiligung, Mitbestimmung, Mitgestaltung in allen Lebensbereichen
  • Digitale Medien

Das ist für junge Menschen in ihrer Umgebung wichtig

  • kinder- und jugendgerechte Räume
  • Bewegungsfreiheit
  • gut ausgestattete Jugendfreizeiteinrichtungen
  • vielfältige Freizeitangebote
  • bezahlbarer Wohnraum
  • sichere Verkehrswege
  • saubere und grüne Stadt
  • gut ausgebauter ÖPNV
  • digitaler Ausbau in Schule und Jugendfreizeiteinrichtungen
  • Mitgestaltung im Kiez (Stadtplanung, Spielplätze, Schule, Jugendfreizeiteinrichtung)

Das wünschen sich junge Menschen von der Jugendarbeit

  • mehr Sport -, Spiel und Bewegungsmöglichkeiten im Freien
  • reparierte, modernisierte und gut ausgestattete Jugendfreizeiteinrichtungen
  • mehr selbstverwaltete Räume und gesicherte Rückzugsräume für einen ungestörten Aufenthalt mit Freunden
  • Sanierung und Modernisierung von Jugendfreizeiteinrichtungen
  • mehr Möglichkeiten, eigene Projekte zu finanzieren und durchzuführen
  • mehr Angebote und Räume für queere Jugendliche
  • geöffnete Jugendfreizeiteinrichtungen am Abend und am Wochenende
  • Unterstützungs- und Beratungsangebote zu alltäglichen Themen und Problemen
  • mehr Informationen über Freizeitangebote auf Social Media

Was Fachkräfte wissen sollten

Lehrerin mit Kinder

Für Fachkräfte sind die Hintergründe und Ergebnisse des Landesjugendförderplans eine wichtige Grundlage für ihre Arbeit. Hier dazu ein Überblick:

Das Verfahren zur Beteiligung junger Menschen

In den Bezirken

  • alle vier Jahre wird ein Bericht über die Sichtweise junger Menschen erstellt
  • der Bericht enthält die Ergebnisse der Beteiligung junger Menschen am bezirklichen Jugendförderplan
  • erhoben werden Themen, Anliegen und Bedarfe junger Menschen sowie deren Bewertung der Angebote der Jugendarbeit
  • vor allem auf Grundlage des Berichts werden alle vier Jahre im Jugendförderplan die Ziele und Maßnahmen für die bezirkliche Jugendarbeit festgelegt

Im Land Berlin

  • alle vier Jahre wird ein Gesamtbericht über die Sichtweise junger Menschen erstellt
  • der Gesamtbericht fasst die Ergebnisse aus den bezirklichen Berichten zur Sichtweise junger Menschen zusammen
  • der Gesamtbericht enthält weitere Ergebnisse der Beteiligung junger Menschen, die auf Landesebene erhoben wurden
  • die Beteiligung junger Menschen am ersten Landesjugendförderplan erfolgte in 2 Stufen:
    • Stufe 1: Die Ergebnisse der bezirklichen Beteiligungsverfahren wurden gesamtstädtisch ausgewertet. Auf bezirklicher Ebene haben ca. 15.000 junge Berliner*innen mitgewirkt.
    • Stufe 2: Eine quantitative Befragung junger Berliner*innen zur Kenntnis und Nutzung landesgeförderter Angebote wurde vom 27. August 2021 bis zum 8. Oktober 2021 durchgeführt. Insgesamt nahmen 5.000 Berliner/-innen online oder durch das Ausfüllen eines Papierfragebogens teil.

Die Bedarfssituation der Berliner Kinder- und Jugendarbeit

Bevölkerungsprognose junger Menschen 2019-2025 in Berlin

  • die Zielgruppe der 6 bis 26-Jährigen wird bis 2025 um 5,3% wachsen
  • es gibt jedoch Unterschiede nach Altersgruppen und eine heterogene Entwicklung in den Bezirken
  • Anstieg von Bedarf und Nachfrage an Angeboten der Jugendarbeit vor allem bei den 6- bis 17-Jährigen

Versorgungssituation der standortgebundenen offenen Jugendarbeit

  • die Versorgungsquote mit Angeboten der standortgebundenen offenen Jugendarbeit (Angebotsform 1) liegt in Berlin bei ca. 72%
  • es ist ein bedarfsgerechter Ausbau von Einrichtungen, Platzzahlen und Angeboten der Jugendarbeit zur Erhöhung des Versorgungsgrades notwendig
  • es gibt große Unterschiede zwischen den Bezirken
  • die Corona-Pandemie hatte 2020 zu großen Einschränkungen in der Angebotsumsetzung geführt

Ziele und Maßnahmen für die Berliner Jugendarbeit auf Landesebene

  • Auf- und Ausbau von Angeboten aus dem Bereich der queeren Jugendarbeit
  • Stärkung der selbstorganisierten Jugendarbeit
  • Erweiterung von Projekten der außerschulischen politischen Bildung
  • Bereitstellung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für junge Menschen zu diversen lebensweltbezogenen Themen
  • Förderung von sport- und bewegungsorientierten Projekten in der Jugendarbeit
  • Förderung von Projekten zur Flexibilisierung der Öffnungszeiten von Jugendfreizeiteinrichtungen
  • Stärkung des Jugend-Demokratiefonds für niedrigschwelligere Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen
  • Stärkung des freiwilligen Engagements junger Menschen durch die Anpassung des Taschengeldes und der Schaffung von mehr Plätzen im Freiwilligen Sozialen Jahr
  • Konzeptentwicklung zur Sanierung, Modernisierung und zum inklusiven Ausbau von Jugendfreizeiteinrichtungen
  • Konzeptentwicklung für eine bessere Sichtbarkeit und größere Reichweite der Angebote der Berliner Jugendarbeit
  • Landesjugendförderplan Berlin 2022-2023

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