Maßnahmenpaket für mehr Kita-Plätze und Fachkräfte

Kitakinder
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Babyboom, ein verändertes Einschulungsalter, Zuwanderung und kleinere Gruppengrößen in den Kitas – mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass die Kita-Situation in Berlin derzeit sehr angespannt ist. Viele Eltern befürchten, dass sie für ihr Kind keinen Platz bekommen könnten. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat daher verschiedene Maßnahmen entwickelt.

Kurzfristig wirksame Maßnahmen

1. Kita-Task-Force und Platzkontingent für besonders dringende Fälle

Die Senatsverwaltung hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die in engem Kontakt mit den freien Trägern steht. Es ist so gelungen, zusätzliche Kita-Plätze für besonders dringende Fälle (Rechtsanspruch bisher nicht erfüllt, verstrichener Betreuungsbeginn) zu akquirieren.

2. Engere Kooperationen von Bezirksämtern und Kita-Eigenbetrieben

Die jüngste KitaFöG-Änderung vom 01.01.2018 sieht vor, dass die Bezirke mit den Kita-Eigenbetrieben Vereinbarungen über engere Kooperation beim Platznachweis abschließen. Dies bedeutet: Die Bezirke können sich z. B. Erstbelegungsrechte/Vorrangregelungen sichern, damit sie besonders dringende Fälle mit einem Kita-Platz versorgen können.

3. Platzgewinnungsprogramm: Prämien für zusätzliche Plätze

Damit Kitas ihre Betriebserlaubnisse besser ausschöpfen, wurde für das erste Halbjahr 2018 und das erste Halbjahr 2019 das sog. Platzgewinnungsprogramm aufgelegt (Volumen: 2 × 7,5 Mio. Euro). Für jeden zusätzlichen Platz, den Kitas in diesem Zeitraum im Vergleich mit dem Vorjahresmonat anbieten und belegen, erhalten sie 250 Euro pro Monat und Kind als Prämienzahlung.

Hintergrund: Beim Vergleich der betriebserlaubten und tatsächlich angebotenen Plätze ergibt sich berlinweit eine Differenz von rund 10 000 Plätzen. Gründe dafür sind Bauarbeiten, bestimmte pädagogische Konzepte und Fachkräftemangel. Hier sieht die Senatsverwaltung noch Platzreserven.

4. Projekt Pro Quereinstieg: Matching von Bewerbern und Kitas

Ziel des neuen Projekts der Senatsverwaltung ist, Menschen, die sich für die berufsbegleitende Erzieher-Ausbildung interessieren, und Kitas zusammenzubringen. Es informiert über Möglichkeiten des Quereinstiegs, wirbt bei den Kitas für diese Form der Ausbildung und vermittelt Praxisstellen.

5. Befristete Überbelegungen

In Absprache mit der Kita-Aufsicht sind zeitlich befristete Überbelegungen möglich. Das bedeutet, dass ein Kind zusätzlich für einen begrenzten Zeitraum in einer Gruppe aufgenommen werden darf.

6. Übernahme von privaten Betreuungskosten

Wenn alle anderen Möglichkeiten einer Kita-Platzvermittlung durch das Bezirksamt überprüft wurden, aber kein Platz zur Verfügung gestellt werden kann, können die Kosten für eine private Betreuung übernommen werden (bis zur Höhe der Kosten, die gemäß dem Kita-Gutschein auch für eine Betreuung in der Kita/bei einer Tagesmutter angefallen wären). Die Regelung gilt bis zum 31.7.2018.

Mittel- und längerfristig wirksame Maßnahmen

1. Weiterer Kita-Ausbau

Berlin treibt den Kita-Ausbau weiter intensiv voran. Bis 2021 sollen 25 000 weitere Kita-Plätze entstehen. In diesem und dem nächsten Jahr stehen rund 200 Millionen Euro für den weiteren Kitaausbau zur Verfügung. Berlin hat seit 2012 ein eigenes Ausbauprogramm (60 Mio. Euro in 2018/19, dazu kommen Bundesmittel).

Das Land Berlin baut selbst Kitas in modularer Bauweise (MoKiB) für die 85 Mio. Euro bereit stehen. Bis zu 3000 Plätze sollen so entstehen. Die ersten 16 MoKiB-Standorte stehen schon fest. Im ersten Quartal 2019 soll die erste Kita eröffnen.

2. Mehr Erzieherinnen und Erzieher für die Kitas

Um mehr Kita-Plätze anbieten zu können, benötigen die Kita-Träger mehr Personal. Die Senatsverwaltung wirbt deshalb intensiv um Fachkräfte, u.a. bei den regelmäßig stattfindenden Berlin-Tagen. Zusätzlich wurden die Ausbildungskapazitäten an den Fachschulen verdoppelt.

Des Weiteren wurden die Regelungen für Quereinsteiger im Mai 2017 verändert: Es können nun mehr Menschen aus verwandten Berufen sowie mehr Personen in der berufsbegleitenden Ausbildung in Kitas arbeiten.

Ab dem Ausbildungsstart 2018 kann in Berlin nun außerdem die dreijährige Erzieher-Ausbildung berufsbegleitend als Umschulung durch die Agenturen für Arbeit und Jobcenter gefördert werden. Das Fördermodell kommt für Personen infrage, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Möglich wurde die Förderung durch eine Vereinbarung, die im Mai von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit abgeschlossen wurde.

3. Mehr Geld für Anleitung von Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger

Seit Anfang des Jahres erhalten Kitas erheblich mehr Geld für die Anleitung der Personen in der berufsbegleitenden Ausbildung. Dadurch soll das anleitende Fachpersonal entlastet und die Qualität der Ausbildung erhöht werden. Zugleich wird der Anreiz verstärkt, Personen in der berufsbegleitenden Ausbildung zu beschäftigten. Wurden zuvor 2 Stunden pro Woche im 1. Ausbildungsjahr finanziert, gilt nun: 3 Std/Woche im 1. Jahr, 2 Std/Woche im 2. Jahr und 1 Std/Woche im 3 Ausbildungsjahr).

4. Bessere Ausbildungsförderung und Entlohnung von Erzieherinnen und Erziehern

Berlin fordert eine Fachkräfteoffensive auf Bundesebene und hat dazu einen entsprechenden Antrag für die nächste Konferenz der Jugend- und Familienminister im Mai formuliert. Darin werden unter anderem eine vergütete Ausbildung sowie eine bessere finanzielle Förderung der Ausbildung (über Aufstiegs-BAföG und die Jobcenter) gefordert.

Außerdem müssen die Gehälter der Erzieherinnen und Erzieher steigen. Berlin setzt sich daher für eine generell höhere tarifliche Eingruppierung im Rahmen der Tarifverhandlungen Anfang 2019 ein.