Studie: Fast jede fünfte Lehrkraft verunsichert durch vermeintliches Neutralitätsgebot

Rund jede zweite Lehrkraft wünscht sich mehr Einsatz für Demokratiebildung an ihrer Schule. Viele Lehrer:innen sind unsicher, wie sie im Unterricht mit politischen Meinungen umgehen sollen. Das ist ein Ergebnis des heute veröffentlichten Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung.

Demokratiebildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Schule. Viele Lehrkräfte sehen hier jedoch noch Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) findet, dass ihre Schule in diesem Bereich mehr tun sollte – an Schulen in sozial schwierigen Lagen sind es sogar 54 Prozent. Als Hauptgründe dafür nennen sie fehlende Zeit und zu wenig Fachwissen im Kollegium.

Erstmals zeigt das Deutsche Schulbarometer, wie unsicher Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen sind: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt. Irrtümlicherweise glaubt ein Viertel der Befragten (27 Prozent), die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen.

»Schule ist der Ort, an dem junge Menschen Demokratie nicht nur lernen, sondern auch erleben«, so Dr. Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. »Lehrkräfte müssen hier eine klare Rolle einnehmen können. Ihr Auftrag ist es nicht, neutral zu sein, sondern auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Haltung zu zeigen. Dafür brauchen sie Rückendeckung – von Schulleitung, Schulaufsicht und Schulbehörde. Und natürlich auch gutes Lehrmaterial und professionelle Beratung, die ihnen im Alltag weiterhilft.«

Die Vorstellung, politische Bildung müsse politisch oder weltanschaulich neutral sein, ist weit verbreitet und trägt zur Verunsicherung bei. In diesem Artikel erläutern Prof. Dr. Sabine Achour und Udo Dannemann von der Freien Universität Berlin, warum politische Bildung nicht neutral sein darf und auch nicht sein kann.

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