8. Teil der Veranstaltungsreihe »Politische Bildung in der postmigrantischen Gesellschaft«
Die Relevanz sozialer Medien für die Meinungsbildung und Identitätsentwicklung von Jugendlichen ist mittlerweile unumstritten. Insbesondere TikTok ist ein Ort, an dem sich viele junge Menschen auch politisch informieren und Diskurse mitgestalten. Dieses Wissen machen sich auch (rechts)populistische Akteur:innen zunutze, indem sie unter anderem antifeministische Narrative verbreiten – häufig über Lifestyle-Formate. Denn Antifeminismus kann als Brückenideologie verstanden werden, die den Einstieg in andere Formen der Menschenfeindlichkeit ermöglicht.
Der Vortrag stellt Forschungsergebnisse zur Frage vor, wie Antifeminismus Jugendlichen auf TikTok begegnet, und präsentiert offene Bildungsmethoden und Ansätze der politischen Bildung, um ihre Handlungsfähigkeit zu stärken.
Den Impuls zur Diskussion gibt Katrin Hünemörder, Mediale Pfade.
Erst mit den erneuten Anpassungen des Staatsbürgerschaftsrechts unter der Ampel-Regierung hat Deutschland vollständig anerkannt, ein Einwanderungsland zu sein, in dem die Frage der politischen Teilhabe keine der Abstammung (mehr) sein soll. Gleichwohl bleibt die Ausgestaltung noch in vielen Bereichen ungeklärt und politisch umkämpft. Erst nach dem langen Sommer der Migration 2015/16 wurde die Frage der Bedeutung der politischen Teilhabe für die Gestaltung der „Integration“ auf die Tagesordnung gesetzt, vorher war die politische Teilhabe erst als Endpunkt eines Integrationsprozesses konzipiert. Ungeklärt bleibt jedoch, wie politische Teilhabe für die Einwohnerschaft ohne deutsche Staatsbürgerschaft ausgestaltet werden soll. In deutschen Großstädten ist dies meist mehr als ein Viertel der Bewohner:innen.
Zugleich ist bei allen Modernisierungsprozessen nicht zu übersehen, wie sehr die historischen Prägungen fortwirken, warum sich auch etliche Debatten in Deutschland deutlich von jenen in anderen westeuropäischen Ländern unterscheiden.
Ob politische Bildung will oder nicht: Schon alleine die Thematisierung der mit dem Wandel hin zu einer postmigrantischen Gesellschaft verbundenen gesellschaftspolitischen Verschiebungen macht die politische Bildung selbst zu einem Akteur in den offenen Aushandlungsprozessen. Daher ist die politische Bildung gefordert, sich in diesem Kontext selbst zu verorten und kritisch eigene Prägungen als Profession und Akteure der Profession zu reflektieren.