Auf Abwegen: Prozesse der Faschisierung als Gefahr für die Demokratie

Auftaktveranstaltung von »Auch Deutsche unter den Opfern: Eine Reihe zum Thema Rechtsextremismus«

Demokratien sind stark und wehrhaft – aber nicht uneingeschränkt, wenn sie nicht aktiv geschützt werden. Sie sind nicht per se geschützt vor zersetzenden Kräften, wenn diese sich in Politik und Gesellschaft ausbreiten. Zunehmende Angriffe auf die Grundpfeiler der Demokratie auf struktureller Ebene bis hin zu gewalttätigen Übergriffen auf Menschengruppen auch in Deutschland erregen Besorgnis. Für viele Menschen bedeutet das Sorge und Angst in ihrem Alltag während sie sich von der Dominanzgesellschaft nicht ausreichend geschützt sehen. Was ist nach den lauten und teilweise größten Demonstrationen gegen rechts Anfang 2024 passiert? Ist der Rechtsruck noch aktuell oder befinden wir uns im Prozess der Faschisierung?
Zugleich verlaufen demokratiezersetzende Prozesse auch leise und schleichend, wie beispielweise die Übernahme klassisch rechter Forderungen durch Parteien aus dem demokratischen Spektrum. Werden diese Entwicklungen ausreichend wahrgenommen? Und was bedeuten diese für unsere Zukunft in der Demokratie?
In dieser Veranstaltung wollen wir aus der Perspektive der Politikwissenschaft, der Medienwissenschaft und der empirischen Forschung auf Prozesse schauen, die unsere Gesellschaft längst befallen haben. Welche undemokratischen, teilweise faschistoiden Logiken finden Eingang in breite Diskurse? Inwiefern stellen diese Prozesse eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft dar und wie kann ihnen entgegengewirkt werden?
Neben den Podiumsgästen, die ihre Expertisen einbringen, sind Sie herzlich eingeladen, sich aus dem Publikum heraus zu beteiligen.

Diese Veranstaltung bildet die Rahmung für die Reihe »Auch Deutsche unter den Opfern« zum Thema Rechtsextremismus im Jahr 2026.

Über die Veranstaltungsreihe
Mit der Reihe »Auch Deutsche unter den Opfern« (O-Ton Polizeibericht) greift die Berliner Landeszentrale für politische Bildung das Thema Kontinuitäten des Rechtsextremismus und aktuelle gesellschaftliche Prozesse auf. Der Hass auf vermeintliche Minderheiten, die Angriffe auf demokratische Institutionen und das Verbreiten hetzerischer, menschenverachtender und teilweise verschwörungsgläubiger Inhalte stellt eine der größten Bedrohungen für unsere freiheitliche Gesellschaft und demokratische Ordnung dar. In acht Foren, einer Lesung und drei Filmabenden wird Raum geschaffen, unterschiedliche Phänomene des Rechtsextremismus bis hin zu rechtsterroristischen Aktivitäten in ihrer gesamtgesellschaftlichen Bedeutung mit Expertisen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Alle Veranstaltungen finden unter Beteiligung des Publikums statt. (Die Folgetermine in dieser Reihe werden Anfang 2026 veröffentlicht.)
Der Titel der Reihe nimmt Bezug auf deutsche Debatten über die Opfer rechtsextremer Morde und ihrer Herkunft. Dies verweist auch auf Fragen wie: Wer ist deutsch? Wer nicht? Wessen wird wie gedacht? Und letztlich: Was ist ein Menschenleben wert?

Auf dem Podium kommen miteinander ins Gespräch:

  • Dr. Fiona Kalkstein, Fellow am Else-Frenkel-Brunswik-Institut, Universität Leipzig
  • Amelie Nickel, Mitautorin der Mitte-Studie, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Rassismus und Diskriminierungserfahrungen im Polizeikontakt“ (RaDiPol) am Hamburger Institut für interdisziplinäre Kriminalitäts- und Sicherheitsforschung (HIKS)
  • Dr. Simon Strick, Kultur- und Medienwissenschaftler und Dramaturg bei Panzerkreuzer Rotkäppchen

Es moderiert Dilek Üşük, Moderatorin rbb24 Abendschau