Mit der Filmreihe »Lichterfilme« präsentiert das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde von Mai bis Dezember 2026 außergewöhnliche Einblicke in die Filmgeschichte. Im Zentrum des Programms stehen sowohl aufwendig restaurierte als auch neue Werke sowie seltene filmische Raritäten. Den Auftakt macht am Donnerstag, 7. Mai, um 18 Uhr die Berlin-Premiere von »Morgen beginnt das Leben« (1933, Regie: Werner Hochbaum). Die 2025 vom Bundesarchiv digital restaurierte und im Januar 2026 im Museum of Modern Art in New York uraufgeführte Fassung dieses Werks ist nun erstmals in der Hauptstadt zu sehen. Dieser frühe Tonfilm gilt als ein letzter Versuch, die Kunst des Stummfilms und die Versprechungen der Weimarer Avantgarde auf die Leinwand zu bringen – kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Verschollen geglaubte Filme und Live-Musik
Zu den spektakulären Wiederentdeckungen aus dem Filmbestand zählt zudem »Sam sobi Robinzon« (»Sein eigener Robinson«, UdSSR 1929, Regie: Lazar Frenkel). Der lange als verschollen geglaubte Film konnte durch die Zusammenarbeit mit internationalen Fachkolleginnen und -kollegen entdeckt und 2025 restauriert werden. Angelehnt an die Abenteuer aus Daniel Defoes Klassiker gibt das Werk Einblicke in Facetten des ukrainischen Kinderfilms. Dazu gibt es Live-Musik: Der niederländische Stummfilmmusiker Daan van den Hurk begleitet den Film mit eigens dafür komponierter Musik.
Neben diesen restaurierten Werken richtet die Reihe den Blick auch auf einzigartige Archivfunde – sowohl im Bundesarchiv als auch im privaten Bereich: Am Home Movie Day werden bislang kaum gezeigte Amateurfilme des Kameramanns Hans Schaller präsentiert. Die Aufnahmen eröffnen einen seltenen, persönlichen Blick hinter die Kulissen der Film- und Prominentenwelt der 1930er und 1940er Jahre – darunter viele private Filmaufnahmen mit Heinz Rühmann. Diese intimen Dokumente verbinden Alltagsbeobachtung und Zeitgeschichte auf besondere Weise und zählen zu den Raritäten des Programms. Vorab sind die Besucherinnen und Besucher eingeladen, ihre eigenen Home Movies zur Begutachtung, Reparatur und zum Ansehen ins Bundesarchiv zu bringen.
Open-Air-Stummfilme, Gespräche und Führungen
Die große Bandbreite an Filmen im Bundesarchiv bilden zudem ein Open-Air-Stummfilmprogramm in Kooperation mit dem Wanderkino von Tobias Rank und ein historisches Programm zum Jahrestag des Mauerbaus in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum ab. Außerdem zu sehen sind ein aktueller Dokumentarfilm über die Politaktivistin Petra Kelly und der zensierte DEFA-Film »Jahrgang 45«.
Alle Filme der Filmreihe »Lichterfilme« werden von Einführungen, Gesprächen oder Einblicken in die Archivierungs- und Restaurierungsarbeit begleitet. Vor jeder Vorführung besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch das Bundesarchiv teilzunehmen.