Doku-Dreiteiler: »Auswandern! Deutsche Schicksale aus drei Jahrhunderten«

Die Dokumentarfilmreihe »Auswandern! Deutsche Schicksale aus drei Jahrhunderten« erzählt die Geschichte von Millionen deutschsprachigen Europäern, die vom 17. bis ins 20. Jahrhundert ihre Heimat verlassen. Sie fliehen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Historikerinnen und Historikern ist es gelungen, bewegende Einzelschicksale auf Basis von Tagebüchern, Briefen und anderen Dokumenten zu rekonstruieren

Diese Geschichte ist nahezu unbekannt, und doch hat sie unsere Welt geprägt: die Geschichte von Millionen deutschsprachigen Europäern, die vom 17. bis ins 20. Jahrhundert ihre Heimat verlassen. Sie fliehen vor Hungersnöten, Kältekatastrophen, religiöser Verfolgung und Krieg nach Nord- und Südamerika, Osteuropa oder Afrika, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Historikerinnen und Historikern ist es gelungen, bewegende Einzelschicksale auf Basis von Tagebüchern, Briefen und anderen Dokumenten zu rekonstruieren, die lange Zeit in Archiven verborgen waren. Die Geschichte dieser Menschen wirft ein neues Licht auf unsere Vergangenheit

Animierte Zeichnungen und Gemälde der jeweiligen Epoche und Graphic Novel-Sequenzen der lassen uns ihre Erlebnisse hautnah miterleben. Sie sind beklemmend aktuell: ein Flüchtlingslager im Süden von London im Winter 1709/10, wo rund 12.000 pauschal als Poor Palatines bezeichnete deutschsprachige Menschen monatelang festgehalten wurden. Große Hilfsbereitschaft, die aber nach kurzer Zeit in Ablehnung umschlägt. Diskussionen im Parlament, ob man die Menschen einbürgern oder ausweisen soll.

Und das ist nur ein Beispiel. Die deutschsprachigen Auswanderer legen schier unendliche Distanzen zu Fuß und per Schiff zurück, viele müssen in Flüchtlingslagern ausharren oder nach ihrer Ankunft ihre Arbeitskraft auf Jahre verkaufen, um die Kosten ihrer Reise zu begleichen.

Und doch bestimmen sie die Geschichte ihrer neuen Heimatländer massiv mit: beim Kampf für die Abschaffung der Sklaverei, der Emanzipation der Frauen oder in den Beziehungen zur indigenen Bevölkerung, sowie beim Aufbau der Industrie. Ob als Kolonialherren oder Lohnsklaven, ob arm oder einflussreich.

Im Ersten Weltkrieg kippt die Stimmung. In Amerika und Brasilien werden antideutsche Bestimmungen erlassen. Schließlich zerstören die vom nationalsozialistischen Deutschland verübten Menschheitsverbrechen das Verhältnis zwischen deutschsprachigen Bevölkerungen und ihren Aufnahmeländern auf viele Jahre.

Die tiefen Spuren, die Einwanderer über Jahrhunderte hinterlassen haben, verlieren sich allmählich im kollektiven Gedächtnis. Es waren Millionen. Und sie haben – im Guten wie im Schlechten – unsere Welt geprägt.
Die Reihe ist in der ARTE-Mediathek abrufbar.

Logo: Schriftzug "BLOG" mit stilisiertem Steinbock auf dem plattgedrückten Buchstaben O