Wie Medien den Blick auf Ostdeutschland prägen

35 Jahre nach dem Ende der DDR reflektiert der Berliner Autor und Filmemacher Andreas Goldstein in essayistischer Form die Transformation der (ost)deutschen Gesellschaft, wobei er persönliche Erinnerungen den Bildern des Ost- und Westfernsehens entgegenstellt. Eine Dokumentation aus der Reihe »ARD Story« hingegen fragt, wie stark journalistische Muster das Bild und schließlich auch das Selbstverständnis der Ostdeutschen prägen.

Die Kapitulation des deutschen Sozialismus am 9. November 1989 erfolgte beiläufig – in Form eines Reisegesetzes. 35 Jahre nach dem Ende der DDR reflektiert Andreas Goldsteins essayistischer Dokumentarfilm »Mein Land will nicht verschwinden« die Transformation in individueller Erinnerung und öffentlichen Bildern. Seit dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik wird immer wieder neu gefragt: Wie sind die Probleme im Osten zu erklären? Je nach Perspektive rückt entweder die DDR in den Mittelpunkt der Betrachtung oder die politischen und sozialen Realitäten im vereinten Deutschland. Der Film beleuchtet die Erfahrungen der Niedergangsphase der DDR und die Erwartungen der Gründergeneration. Im Zentrum stehen die Jahre 1989 und 1990. Goldstein konfrontiert persönliche Erinnerungen mit den öffentlichen und medialen Bildern des Ost- und Westfernsehens und legt so die Widersprüche der Geschichte offen: Lässt sich die DDR als »Diktatur« oder »Unrechtsstaat« hinlänglich beschreiben? War sie ein Versuch, Geschichte neu zu gestalten?
Der Film fragt nach dem Handlungsspielraum des Einzelnen während dieser Umbruchphase und lädt die Zuschauenden ein, eigene Erinnerungen und Gedanken einzubringen.

Ergänzend zu dieser Dokumentation zeigt die ARD-Story »Abgeschrieben? – Der Osten in den Medien« vom April dieses Jahres, wie stark Medien das Bild der Ostdeutschen geprägt haben. Die 45-minütige Doku des MDR erzählt, wie das Selbstverständnis der Ostdeutschen und ihr Vertrauen in die Medien durch die häufig negative Darstellung beeinflusst wurden. Mithilfe von KI-Unterstützung wird sichtbar gemacht, welches Bild von Ostdeutschen entsteht, wenn man die Häufigkeit der medial verwendeten Zuschreibungen auswertet. Auf Grundlage einer systematischen Auswertung tausender Presseartikel aus den letzten Jahrzehnten generiert die KI ein bis heute erstaunlich gleichförmiges Image von Ostdeutschen: ältere Menschen, oft im Widerstands-Duktus – auf Demonstrationen, vor baufälligen Häuserzeilen oder in seltsam einsamer Kulisse. Nur in den 2000er Jahren bemerkt man kurz eine leichte Veränderung – der »KI-Ossi« ist jünger und lächelt.
Die Dokumentation analysiert mit Expertinnen und Experten, Journalisten und Porträtierten welche medialen Zuschreibungen wann und wie entstanden sind, welche Ereignisse sie geprägt haben und erörtert, wie sie bis heute wirken. Und der Film erzählt am Beispiel aufsehenerregender Medien-Stories und Skandale über Ostdeutschland, warum gerade im Osten das Vertrauen in klassische Medien im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder starken Schwankungen unterliegt.

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