Dritte Staffel des MDR-Podcasts »NS-Cliquen« veröffentlicht

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat seinem Podcast »NS-Cliquen: Von Menschen und Mördern« mit einer dritten Staffel fortgesetzt. Alle fünf neuen Folgen sind ab sofort in ARD Sounds zu hören.

Mit der Veröffentlichung der komplett digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei rückt das Thema wieder in den öffentlichen Fokus: Der Podcast beleuchtet exemplarisch einzelne Biografien von Männern und Frauen, die auf verschiedene Weise in das Terror- und Mord-System der Nationalsozialisten verwickelt waren. Dafür wurden exklusive Recherchen durchgeführt und bislang unveröffentlichtes Material ausgewertet.

Im Zentrum der dritten Staffel steht das Jahr 1941 – ein Wendepunkt der nationalsozialistischen Gewaltpolitik: Nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni zeigt sich eine beispiellose Eskalation.

Anhand von fünf Karrieren zeichnen der Historiker Dr. Stefan Hördler und die Wissenschaftsjournalistin Janine Funke nach, wie sich Gewalt entwickelt und Täter-Netzwerke entstehen. Der erklärte Weltanschauungskrieg gegen die Sowjetunion stellt eine Zäsur des Holocaust und des Massenmords dar. Die umfangreich recherchierten Biografien machen Strukturen, Dynamiken und Hintergründe der Verbrechen sichtbar und zeigen, wie Männer und Frauen zu Tätern und Täterinnen wurden.

Im Fokus der ersten Folge steht Ludolf-Hermann von Alvensleben aus Halle (Saale). Der Spross eines Adelsgeschlechts befehligt zu Beginn des 2. Weltkriegs dutzende Massaker im besetzten Polen. Als Führer des »Volksdeutschen Selbstschutzes« in Danzig-Westpreußen ist er verantwortlich für die Ermordung tausender Menschen. Sein Eifer und seine Anbiederung an Heinrich Himmler befördern enorm seine Karriere. 1941 wird er SS- und Polizeiführer auf der Krim. »Besonders eindrucksvoll war die Fahrt über die Halbinsel Chersones«, schreibt er ein Jahr später. »Ich habe in meinem ganzen Leben ein solches Schlachtfeld noch nicht gesehen.«

Dr. Stefan Hördler und Janine Funke sprechen auch über Jakobus Onnen, einen Lehrer aus Ostfriesland. Auf einer bekannten Fotografie des Holocaust hält er eine Pistole an den Hinterkopf eines Mannes – aufgenommen im Juli 1941 im ukrainischen Berditschiw. Bereits in den 1930er Jahren publiziert er über die Fragen von »Lebensraum« und Kolonien. In der SS ist er als Schulungsleiter tätig. Der Podcast geht der der Frage nach, welche Faktoren seinen Weg zum Massenmord geprägt haben.

Eine weitere Folge befasst sich mit Gerhard Palitzsch, einem SS-Angehörigen aus Sachsen. Er spielt eine zentrale Rolle bei den ersten experimentellen Giftgastötungen von sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 im KZ Auschwitz. Als Rapportführer arbeitet er eng mit dem Kommandanten Rudolf Höß zusammen und wird wegen seiner Brutalität gefürchtet. Gewalt- und Alkohol-Exzesse sowie sexuelle Übergriffe bringen ihn aber zu Fall. Palitzsch wird von einem SS-Gericht verurteilt.

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