Studie zu Mustern politischer Einstellungen innerhalb der AfD-Wählerschaft

Die Wählerschaft der AfD kommt weder aus einem geschlossenen radikal rechten Milieu, noch bildet sie eine einheitliche Protestwählerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Céline Teney, Professorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin und assoziierte Wissenschaftlerin am Exzellenzcluster »The Politics of Inequality« an der Universität Konstanz. Demnach lassen sich innerhalb des AfD-Elektorats drei Profile, die eine restriktive Haltung zu Migration teilen, sich jedoch unterscheiden deutlich darin unterscheiden, wie stark diese mit autoritären und antisemitischen Einstellungen verbunden ist. Darüber hinaus zeigen sich Unterschiede in der Bewertung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Die Ergebnisse sind auch mit dem Titel »Von kultureller Restriktion und autoritärer Radikalität: Eine typologische Analyse der AfD-Wählerschaft« in der Policy Paper Reihe des Exzellenzclusters erschienen.

Die Untersuchung Teneys zeigt, dass die AfD-Wählerschaft weder aus einem geschlossenen Milieu kommt noch in klar voneinander abgegrenzte Gruppen zerfällt. Stattdessen lassen sich drei Profile benennen, die sich vor allem darin unterscheiden, wie stark migrationspolitische Ablehnung mit autoritären und antisemitischen Einstellungen verbunden ist. Die größte Gruppe bilden demnach die »Konservativen Hardliner«, die rund zwei Drittel der AfD-Wählerschaft ausmachen. Ihr Profil ist durch eine ausgeprägte Ablehnung von Zuwanderung und starke Anpassungsforderungen an Minderheiten geprägt. Knapp ein Fünftel der AfD-Wähler:innen gehört zu den »Radikal-rechten Autoritären«. In dieser Gruppe sind autoritäre Führungspräferenzen und antisemitische Einstellungen besonders stark ausgeprägt. Die kleinste Gruppe bilden die »Moderaten Konservativen« Bei diesen fallen wirtschafts- und außenpolitische Motive vergleichsweise stärker ins Gewicht, und sie stimmen innerhalb der AfD-Wählerschaft autoritären Führungsmodellen am wenigsten zu.

»Hinter der Unterstützung der AfD verbergen sich unterschiedliche politische Orientierungsmuster. Das spricht dafür, die Wählerschaft der Partei nicht als einheitliche Gruppe zu betrachten«, erklärt Céline Teney. Die Studie basiert auf Daten der German Longitudinal Election Study (GLES) zur Bundestagswahl 2025, die Angaben von insgesamt 6.414 WählerInnen umfasst, darunter 858 Personen, die angaben, die AfD gewählt zu haben. Mithilfe einer Latent Profile Analysis – einer statistischen Methode zur Identifikation von Gruppen mit ähnlichen politischen Einstellungsmustern – wurden im nächsten Schritt die wichtigsten Gruppen innerhalb der AfD-Wählerschaft identifiziert. Zur Abgrenzung berücksichtigt wurden unter anderem Einstellungen zu Zuwanderung, Anpassung von Minderheiten, autoritärer Führung, Antisemitismus, zum Sozialstaat sowie dem Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Klimaschutz.

Die Untersuchung zeigt zudem, dass innerhalb der AfD-Wählerschaft weniger die eigene materielle Situation als vielmehr die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands politisch relevant ist. Bei den »Radikal-rechten Autoritären« ist ein pessimistischer Blick darauf besonders ausgeprägt. Die Ergebnisse legen nahe, dass Vorstellungen eines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Niedergangs innerhalb der AfD-Wählerschaft unterschiedlich stark verbreitet sind.

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