Das Silicon Valley steht für Freiheit, Kreativität und Fortschritt. Die 3satKulturdoku »Rechtsruck im Silicon Valley« von Cornelius Janzen legt jedoch eine düstere Seite der kalifornischen Tech-Branche offen. Autoritäres und antidemokratisches Denken sind dort kein neues Phänomen, sondern tief verankert. Seit Jahrzehnten prägt der Kult um charismatische Gründer und die Illusion, ihre Technologien könnten die Welt retten, das Denken vieler Tech-Unternehmer. Werte wie Gleichheit und Solidarität weichen Egoismus und der Ideologie grenzenloser Marktfreiheit.
Tech-Milliardäre wie Elon Musk und Peter Thiel propagieren »Disruption« und zielen dabei auch auf den Abbau demokratischer Institutionen. Ihre Vision ist eindeutig: Sie wollen die Demokratie hinter sich lassen. Mit Präsident Donald Trump haben sie einen Verbündeten im Weißen Haus gefunden. Sein Vizepräsident JD Vance hat die Interessen der Tech-Industrie zur Staatsräson gemacht. Die ehemalige Programmiererin Aya Jaff bezeichnet dieses Machtgefüge als »Broligarchie«: eine kleine, abgeschottete Elite, die Kapital, Technologie und politischen Einfluss eng verknüpft. Der Historiker Volker Weiß beleuchtet das apokalyptische und messianische Weltbild dieser Elite, die sich als Retterin vor dem Untergang sieht. Der Literaturwissenschaftler und Stanford-Professor Adrian Daub warnt, dass das Denken im Silicon Valley mit faschistischen Ideen vereinbar sei.
Doch wie konnte es so weit kommen? Welche Ideologien verbinden die libertären Tech-Eliten mit Trumps autoritärem Stil? Die 3satKulturdoku »Rechtsruck im Silicon Valley. Warum die kalifornischen Tech-Eliten Trump unterstützen« zeichnet eine politische Kulturgeschichte der Gegenwart und stellt die zentrale Frage: Wie viel Demokratie bleibt, wenn dem Fortschrittsversprechen der Tech-Branche blind gefolgt wird?
Weiterführende Quellen
- In dem bei CeMAS abrufbaren Artikel mit dem Titel »Libertärer Autoritarismus: Eine Brücke in den Rechtsextremismus« beschreiben die Autor:innen Eva Groß, Amelie Nickel und Ilka Kammigan, wie sich libertär-autoritäre Ideen in der Mitte der Gesellschaft breitmachen und wie dadurch rechtsextreme Positionen anschlussfähig werden.
- In seinem Buch »Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus« fragt der Autor Rainer Mühlhoff, warum sich die Öffentlichkeit durch Spekulation über Erlösung oder Auslöschung durch KI von den erheblichen Schäden durch KI in unserer Gegenwart ablenken lässt.
- Mehr Hintergründe über Peter Thiel liefert der mit dem Deutschen Podcast Award 2026 ausgezeichnete Deutschlandfunk-Sechsteiler »Die Peter Thiel Story«.
- In gleich zwei aktuellen Ausgaben geht der SWR-Podcast »Das Wissen« dem Prinzip Libertarismus und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft nach:
- Für seine Reportage »Tech-Bros im Paradies – Die erste Privatstadt der Welt: Próspera« reist Y-Kollektiv-Reporter Lukas Wiehler in die wohl erste Privatstadt der Welt. Er fragt: Ist Próspera ein aufgeblasener Marketing-Bluff oder die Stadt der Zukunft?