Antisemitismus, verschränkte Diskriminierung und Gegenwehr in Berlin

25.08.2020

Präsentation und Diskussion der qualitativen Ergebnisse des Berlin Monitors

Berlin ist Lebensmittelpunkt einer bundesweit betrachtet relativ großen jüdischen Community, die so heterogen ist, wie die Bevölkerung dieser lebendigen Stadt insgesamt. Die jüdischen Berliner*innen sind aktiver Teil des kulturellen Lebens und der demokratischen Zivilgesellschaft. Zugleich sind sie eine Minderheit in der Stadt, in deren Alltag sich Antisemitismus in unterschiedlichsten Formen niederschlägt.
2019 fand die Erhebung des ersten „Berlin Monitors“ statt, durchgeführt von der Universität Leipzig und der Hochschule Magdeburg-Stendal. Mit diesem soll eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zu politischer Kultur und Partizipation, gruppenbezogenen Vorurteilen und Diskriminierungserfahrungen der Berlinerinnen und Berliner vorgelegt werden. Bei dem ersten Berlin Monitor wurde ein besonderes Augenmerk auf die Erscheinungsformen und Verbreitung von Antisemitismus gelegt. Bei der qualitativen Erhebung wurden Expert*innen-Interviews durchgeführt, deren Auswertung mit der Veranstaltung präsentiert und zur Diskussion gestellt werden sollen.

Programm

  • 15.00 Uhr

    Eröffnung: Thomas Gill (LZpB) und Lorenz Korgel (LADS)

  • 15.05 Uhr

    Impulsvortrag: „Antisemitismus, verschränkte Diskriminierung und Gegenwehr in Berlin“, Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya und Selana Tzschiesche, (beide Hochschule Stendal-Magdeburg)
    Was jüdische Berliner*innen über ideologische und politisch-demografische Quellen sowie verschiedene Qualitäten von Alltagsantisemitismus in verschiedenen Lebensbereichen berichten, und auf welche Weise sie ihm Gegenwehr entgegensetzen, wird im Impulsvortrag geschildert. Angesichts heterogener Zugehörigkeiten wird auch über verschränkte Formen der Diskriminierung berichtet und gefragt, inwieweit es gelingt, solidarisch und vernetzt gegen Antisemitismus und Diskriminierung anzugehen.

  • 15.45 Uhr

    Fragen des Publikums

  • 16.15 Uhr

    Pause

  • 16.30 Uhr

    Workshops
    • „Antisemitismus in Berlin – Zustandsbeschreibungen und offene Fragen“
      Impuls: Katrin Reimer-Gordinskaya, Moderation: Lorenz Korgel,
      Teilnehmende: Benjamin Steinitz (RIAS), Dr. Oliver Decker (Uni Leipzig), Romina Wiegemann (Kompetenzzentrum der ZWST)
      Angesichts des sich zwar differenzierenden, aber insgesamt in mancherlei Hinsicht noch rudimentären Wissens über Antisemitismus in Berlin wird rekapituliert, mit welchen unterschiedlichen Mitteln und Methoden dessen Zustand und Entwicklung derzeit ausgeleuchtet werden. Vor diesem Hintergrund wird die Frage aufgeworfen, wie sich die unterschiedlichen Herangehensweisen ggf. zu einem Mosaik zusammenfügen lassen, um die Virulenz und Dynamik von Antisemitismus besser einschätzen und ihm effektiver begegnen zu können. Zudem sollen offene Fragen benannt werden, um sie der Klärung zuführen zu können.
    • „Heterogene Zugehörigkeiten – verschränkte Diskriminierungen“
      Impuls: Selana Tzschiesche, Moderation: Dalia Grinfeld,
      Teilnehmende: Monty Ott (Keshet), Darja Klingenberg (Europa Universität Viadrina), Sigmount A. Königsberg (Jüdische Gemeinde zu Berlin)
      Juden*Jüdinnen in Berlin sind nicht ausschließlich von Antisemitismus betroffen und setzen sich nicht allein gegen diese spezifische Form menschenverachtender Ideologie und Praxis ein. Es soll mit dem Impuls aus (auch) jüdischen Perspektiven exemplarisch gezeigt und im Gespräch vertieft werden, wie Rassismen, Armut und Homo- bzw. Transphobie lebensweltlich und in der Beratungspraxis verschränkt mit und unabhängig von Antisemitismus auftreten können. So kann diskutiert werden, inwieweit Betroffene in der Berliner Unterstützungslandschaft, zwischen die Stühle fallen oder inklusive Beratungs- und Empowermentstrukturen vorfinden.
  • 18.00 Uhr

    Pause mit Imbiss

  • 18.20 Uhr

    Abschlussdiskussion: „Solidarität üben – Allianzen bilden“
    Impuls: Monitoring-Team,
    Teilnehmende: StS´in Margit Gottstein (Senjustva), Marina Chernivsky (Kompetenzzentrum der ZWST, OFEK e.V.), Ferda Ataman (Neue deutsche Medienmacher), Anetta Kahane (ASS)
    Nominell war Antisemitismus stets Thema in den Strukturen der demokratischen Zivilgesellschaft Berlins. Praktisch ist ihm in den letzten Jahren insbesondere dadurch mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden, dass jüdische Aktivist*innen sich zu Wort gemeldet haben und Strukturen der Selbstvertretung, der Beratung und des Empowerments etabliert wurden. Das in den jüdischen Communities vorhandene – und auch im Berlin-Monitor dokumentierte – Wissen um die Virulenz und Dynamik von Antisemitismus wird in der nicht-jüdischen Zivilgesellschaft und Politik einerseits wahrgenommen, andererseits aber auch noch bagatellisiert. Entsprechend sind zwar solidarische Netzwerke im engeren Sinne vorhanden, während eine breitere Solidarisierung gegen Antisemitismus noch nicht gelungen ist. Wo existieren dennoch Allianzen? Wie können sie gestärkt werden und was steht dem im Wege? Diese Fragen sollen im Abschlusspanel diskutiert werden.

  • 20.00 Uhr

    Ende der Veranstaltung

    Gesamtmoderation: Anna Spangenberg

Organisatorisches

  • Kooperationspartner:

    Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung

  • Datum:

    Dienstag, 25. August 2020

  • Zeit:

    15.00 bis 20.00 Uhr

  • Ort:

    Es handelt sich um eine Hybrid-Veranstaltung (online-offline). Die Plätze für eine Vor-Ort-Teilnahme sind bereits ausgebucht. Die Anmeldemöglichkeit für eine Online-Teilnahme findet sich unter dem Punkt Anmeldung.

  • Entgelt:

    Die Teilnahme ist frei.

  • Anmeldung:

    Melden Sie sich bitte für eine Online-Teilnahme unter diesem Link an.

  • Ansprechperson:

    Thomas Gill, E-Mail, Telefon (030) 90227 4961