Nach dem Mauerfall kam es in Ost-Berlin vielerorts zu Hausbesetzungen. Dem immensen Leerstand im Osten stand die dramatische Wohnungsknappheit in West-Berlin gegenüber. Bis zum Sommer 1990 wurden über 120 Häuser in den Bezirken Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Mitte und Lichtenberg besetzt.
Vom 12. bis 14.11.1990 lieferten sich 1000 Besetzer:innen und Unterstützer:innen der Mainzer Straße in Friedrichshain mit 3000 Polizist:innen aus ganz Westdeutschland Straßenschlachten, in deren Folge die zwölf besetzten Häuser geräumt wurden und der erste rot-grüne Senat in Berlin zerbrach.
Der »Kurze Sommer der Anarchie« wurde nur sechs Wochen nach der Wiedervereinigung beendet. Dies bedeutete für Besetzer:innen, Polizist:innen, Bevölkerung und Politik eine tiefe Zäsur, die bis heute spürbar ist. Teilweise dauern die Folgen der traumatischen Ereignisse noch immer an.
Was wollten die Besetzer:innen? Welche Faktoren führten zu der Räumung der Mainzer Straße? Wie konnte es zu dieser enormen Eskalation der Gewalt kommen? Welche Rückschlüsse lassen sich daraus für die heutige Zeit ziehen?