12. Teil der Veranstaltungsreihe »Politische Bildung in der postmigrantischen Gesellschaft«
Nach dem terroristischen Anschlag am 7. Oktober 2023 auf Israel und dem Krieg in Gaza ist das Sprechen über Antisemitismus, Rassismus und Nahost von Unsicherheit, Polarisierung und starken Emotionen geprägt. Der Vortrag fragt danach, wie die politische Bildung hierauf reagieren kann und welche methodischen Herangehensweisen sich dafür eignen. Im Fokus stehen Herausforderungen, praktische Erfahrungswerte und notwendige Impulse für die Zukunft politischer Bildungsarbeit. Den Impuls zur Diskussion geben Tabea Böker und Fadl Speck, Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus.
Erst mit den erneuten Anpassungen des Staatsbürgerschaftsrechts unter der Ampel-Regierung hat Deutschland vollständig anerkannt, ein Einwanderungsland zu sein, in dem die Frage der politischen Teilhabe keine der Abstammung (mehr) sein soll. Gleichwohl bleibt die Ausgestaltung noch in vielen Bereichen ungeklärt und politisch umkämpft. Erst nach dem langen Sommer der Migration 2015/16 wurde die Frage der Bedeutung der politischen Teilhabe für die Gestaltung der „Integration“ auf die Tagesordnung gesetzt, vorher war die politische Teilhabe erst als Endpunkt eines Integrationsprozesses konzipiert. Ungeklärt bleibt jedoch, wie politische Teilhabe für die Einwohnerschaft ohne deutsche Staatsbürgerschaft ausgestaltet werden soll. In deutschen Großstädten ist dies meist mehr als ein Viertel der Bewohner:innen.
Zugleich ist bei allen Modernisierungsprozessen nicht zu übersehen, wie sehr die historischen Prägungen fortwirken, warum sich auch etliche Debatten in Deutschland deutlich von jenen in anderen westeuropäischen Ländern unterscheiden.
Ob politische Bildung will oder nicht: Schon alleine die Thematisierung der mit dem Wandel hin zu einer postmigrantischen Gesellschaft verbundenen gesellschaftspolitischen Verschiebungen macht die politische Bildung selbst zu einem Akteur in den offenen Aushandlungsprozessen. Daher ist die politische Bildung gefordert, sich in diesem Kontext selbst zu verorten und kritisch eigene Prägungen als Profession und Akteure der Profession zu reflektieren.