9. Teil der Veranstaltungsreihe »Von Antisemitismus und Rechtsextremismus über Leistungsideologie bis zur Kapitalismuskritik: Politische Bildung herausgefordert«
Antisemitismus ist eine der ältesten Formen von gruppenbezogener Gewaltpraxis, die sich in unterschiedlichen historischen, gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten fortlaufend aktualisiert. Als flexibles und identitätsstiftendes Feindbild wird das antisemitische Ressentiment insbesondere im Kontext gesellschaftlicher Krisen virulent und verbindet verschiedene Milieus und politische Spektren. Im aktuellen Diskurs überwiegt ein vorfallsbezogenes Verständnis von Antisemitismus. Dabei sind sowohl eine Fokussierung auf abgrenzbare, antisemitische Übergriffe zu beobachten als auch eine Externalisierung von Antisemitismus als Problem der je Anderen. Mit einem strukturellen Antisemitismusverständnis wird hingegen erkennbar, wie Antisemitismus Teil sozialer Praktiken und Routinen ist. Im Vortrag wird vor dem Hintergrund aktueller Studien der Frage nachgegangen, wie sich Antisemitismus vor und nach dem 7. Oktober im Alltag von Institutionen wie Schulen und Hochschulen manifestiert und auf jüdische Communities in Deutschland auswirkt. Den Impuls zur Diskussion gibt Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, FH Potsdam.
Krisen und Konflikte, gesellschaftliche Wandlungsprozesse und aktuelle politische Auseinandersetzungen fordern die politische Bildung heraus – die schulische ebenso wie die außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung. Demokratie- und Menschenfeindlichkeit, soziale Ungleichheit und die Licht- und Schattenseiten der Digitalisierung (Beteiligungsmöglichkeiten versus Desinformation und Hass) sind zentrale Fragen der Veranstaltungsreihe. Dem vorweg setzt sie sich mit zentralen Standards und Zielen auseinander: Was verstehen wir unter Mündigkeit und was bedeutet Haltung zeigen? Welche Chancen gehen mit Ansätzen einher wie der aufsuchenden politischen Bildung und des politischen Handelns in der Demokratie? Oder wie müssen frühe Angebote für Kinder gestaltet sein?
In der der Veranstaltungsreihe werden einzelne Fragen aufgegriffen. Es werden sowohl das Selbstverständnis politischer Bildung als auch aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderungen diskutiert. Letztendlich geht es um die Frage der gesellschaftspolitischen Relevanz politischer Bildung.