Das Verhältnis von Religion und Antisemitismus als Gegenstand und Herausforderung politischer Bildung

12.12.2017

Fachtagung

In Diskursen über gegenwärtige Erscheinungsformen, Ausprägungen und Ursachen von Antisemitismus ist die Rolle und Bedeutung von Religion, Religionszugehörigkeit und religiöser Identität oftmals ambivalent. Einerseits scheinen viele antisemitische Deutungsmuster und Denkfiguren in der Gegenwart nicht ausdrücklich auf religiöse Grundlagen Bezug zu nehmen. Zwar wird der christliche Antijudaismus als ein Referenzpunkt hervorgehoben, doch überwiegt oftmals der Eindruck, zeitgenössische Formen des Antisemitismus speisten sich vor allem aus säkularen Motiven.

Andererseits wird in aktuellen öffentlichen Diskursen nicht selten die Religionszugehörigkeit bzw. religiöse Identität derjenigen thematisiert, die antisemitischen Äußerungen und Deutungsmustern zustimmen oder diese aktiv propagieren. Beispielsweise wird in öffentlichen Debatten mitunter die These vertreten, „die Muslime“ – als religiös markierte Gruppe – stimmten manchen antisemitischen Deutungsmustern in stärkerem Maße zu als andere. Ebenso wird, insbesondere auch mit Blick auf einige Staaten im Osten Europas, die These vertreten, dass präsente antisemitische Deutungsmuster durchaus über eine christliche Grundierung verfügen. Ob und inwiefern die jeweilige Religionszugehörigkeit bzw. religiöse Identität tatsächlich eine Bedeutung für Erscheinungsformen und Ausprägungen antisemitischer Deutungsmuster in der Gegenwart hat, ist jedoch umstritten und wird kontrovers diskutiert.

Im Rahmen der Fachtagung soll das Verhältnis von Religion und Antisemitismus näher bestimmt und diskutiert werden. Auf der Ebene der Phänomenbeschreibung soll unter anderem den folgenden Fragen nachgegangen werden: Inwiefern fußen antisemitische Deutungsmuster in der Gegenwart auf religiösen Grundlagen? Welche Rolle spielen religiöse Identitäten mit Blick auf die Erscheinungsformen und Ausprägungen antisemitischer Denkweisen? Ist die Religionszugehörigkeit überhaupt von Bedeutung?
Auf der Ebene der pädagogischen Praxis soll die Frage aufgeworfen und diskutiert werden, wie im Rahmen der (schulischen und außerschulischen) politischen Bildung das Verhältnis von Religion und Antisemitismus angemessen thematisiert werden kann. Welche pädagogische Praxis bietet sich zur Prävention und Bekämpfung von religiös motiviertem Antisemitismus an? Und inwiefern kann Religion auch einen möglichen Zugang für eine antisemitismuskritische pädagogische Praxis darstellen?

Link zum Veranstaltungsprogramm

  • Kooperationspartner:

    Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.)

  • Datum:

    Dienstag, 12. Dezember 2017

  • Zeit:

    von 9.00 bis 14.30 Uhr

  • Ort:

    Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin, Seminarraum 1 / Stadtplan

  • Entgelt:

    Die Teilnahme ist entgeltfrei.

  • Anmeldung:

    Anmeldungen bitte per E-Mail an silke.azoulai@kiga-berlin.org

  • Ansprechperson:

    Reinhard Fischer, E-Mail, Telefon (030) 90227 4962