Zweiteiliger Dokumentarfilm über die Nürnberger Prozesse

Nürnberg wird ab November 1945 zum Schauplatz eines Jahrhundertprozesses: Erstmals werden führende Vertreter des NS-Regimes für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor laufenden Kameras angeklagt. Über 300 Reporter aus aller Welt berichten darüber. Im Verlauf des Prozesses kommt es auch zum Tauziehen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion. Die zweiteilige Dokumentation »Auf den Spuren der Geschichte. Die Nürnberger Prozesse« blickt zurück auf die Ereignisse, die sich nun zum 80. Mal jähren. Sie ist bereits jetzt online abrufbar und am 18. November um 20.15 Uhr in Erstausstrahlung auf ARTE zu sehen.

November 1945. Deutschland liegt in Trümmern. Nürnberg, die Stadt der Reichsparteitage der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), ist nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu mehr als 90 Prozent zerstört. Und doch beginnt inmitten dieser trostlosen Kulisse »der Prozess des Jahrhunderts«. Erstmals werden führende Vertreter des NS-Regimes für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Journalisten aus aller Welt berichten: Über 300 Reporter, Schriftsteller und Fotografen kommen nach Nürnberg. Die US-Armee bringt sie am Stadtrand im Schloss Faber-Castell unter. Mit dabei: die US-Journalistin Martha Gellhorn, aber auch Zeitzeugen wie Elsa Triolet, John dos Passos, Erika Mann, Ilya Ehrenburg und Joseph Kessel. Ihre Berichte geben sensible Einblicke in einen der bedeutendsten Gerichtsprozesse und stellen die Weichen für eine neue Weltordnung.
Die Dokumentation greift auf reiches Archivmaterial zurück. Die Schilderungen aus so unterschiedlichen Blickwinkeln stellen ein eindrucksvolles Dokument dieses Jahrhundertprozesses dar. Erstmals wurden Politiker und Militärs persönlich zur Verantwortung gezogen und mit ihrer individuellen Schuld konfrontiert. Die Verhandlung vor dem Internationalen Militärgerichtshof war Wegbereiter für den heutigen Internationalen Strafgerichtshof im niederländischen Den Haag.

Der zweite Teil der Dokumentation führt uns in den Frühling 1946: Die Beweise gegen die führenden Vertreter des NS-Regimes sind erdrückend und die in Nürnberg versammelten Journalistinnen und Journalisten werden Zeugen eines Tauziehens zwischen den Westmächten und der Sowjetunion: Die Rivalität zwischen den Verbündeten von einst macht aus den Nürnberger Prozessen einen Wettlauf gegen die Zeit.
Die ersten Nürnberger Prozesse gestalten sich langwierig und ziehen sich bis ins Frühjahr 1946. Die Beweisaufnahme im Verfahren gegen die verantwortlichen Militärs und Politiker des NS-Regimes bringt die monströsen Gräueltaten der Nationalsozialisten ans Licht. Die im Schloss Faber-Castell untergebrachten Journalisten werden langsam ungeduldig: Wie lange soll es noch dauern, bis endlich Recht gesprochen wird?
Zur gleichen Zeit wächst die Rivalität zwischen den Westmächten und der Sowjetunion. Die Kriegsverbrecher müssen verurteilt werden, doch die Spannungen zwischen den einstigen Verbündeten sind erste Anzeichen des Kalten Krieges und machen die Verhandlung zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Berichte und Analysen der Journalistinnen und Journalisten sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller dokumentieren einen Wendepunkt der Weltgeschichte.
Neben diesem Prozess gegen die »Hauptkriegsverbrecher« in Nürnberg gab es zwölf weitere Prozesse, die sogenannten »Nachfolgeprozesse«. Im Hauptkriegsverbrecherprozess klagten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs (USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich) 24 Personen und sechs Organisationen vor dem »International Military Tribunal« (IMT) in Nürnberg an. Er dauerte vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 und endete mit zahlreichen Todesurteilen. Kriegsverbrecher wie Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Hermann Göring oder Heinrich Himmler hatten sich ihrer Bestrafung jedoch zuvor durch Selbstmord entzogen, andere konnten untertauchen und flüchten.

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