Vierzig Jahre nach ihrer Gründung – war die DDR ökonomisch am Ende. Am 30. Oktober 1989, zehn Tage vor dem Mauerfall, legte Gerhard Schürer dem SED-Politbüro eine schonungslose Analyse vor, die offen von der drohenden Zahlungsunfähigkeit sprach.
35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung lohnt der Blick zurück auf diese Ausgangslage. Die wirtschaftlichen Umbrüche der 1990er Jahre – die Schließung ganzer Industriezweige, der massenhafte Verlust von Arbeitsplätzen und die Entwertung beruflicher Biografien – wurzeln in den strukturellen Schwächen der DDR-Planwirtschaft. Nach der Wiedervereinigung wurde keine leistungsfähige Volkswirtschaft zerschlagen, sondern eine auf Verschleiß gefahrene Industrie abgewickelt, die in zentralen Bereichen (bis auf Ausnahmen) nicht mehr konkurrenzfähig war.
Zum gestrigen Jahrestag des Schürer-Papiers hat die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eine neue Folge ihrer Videoreihe Backstage DDR präsentiert, die sich der Wirtschaft der DDR widmet. Sie zeigt, warum wirtschaftliche Faktoren den Zusammenbruch der SED-Diktatur entscheidend beförderten und bis heute prägen, wie wir über die deutsche Einheit sprechen.
Auch für 1989 galt, was im Wahlkampf Bill Clintons 1992 zum geflügelten Wort wurde: »It’s the economy, stupid.« Der Satz bringt auf den Punkt, dass politische und wirtschaftliche Stabilität auf Dauer nicht zu trennen sind.