Das aus 40 Postkarten bestehende Kartenset mit dem Titel »Soziale Medien einfach erklärt« soll die digitale Teilhabe für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung erleichtern. Die Katholische Erwachsenenbildung Hessen Landesarbeitsgemeinschaft e.V. (KEB Hessen) stellt das Set kostenfrei zur Verfügung.
Anne Badmann, Referentin für Bildungsangebote in Leichter Sprache bei der KEB Hessen, erläutert auf die Frage nach den Beweggründen für das Projekt: »Soziale Medien sind oft schwierig zu durchschauen. Das gilt insbesondere für Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Gleichzeitig können soziale Medien gerade diesen Menschen ein deutlich höheres Maß an sozialer Teilhabe ermöglichen. Wenn jemand wenig mobil ist und einen eingeschränkten Aktionsradius hat, kann eine digitale Vernetzung mit anderen Menschen mit ähnlichen Interessen und in ähnlichen Lebenssituationen eine enorme Bereicherung sein.«
Partizipative Entwicklung
Die Besonderheit des neuen Kartensets liegt laut KEB Hessen in der partizipativen Vorgehensweise bei dessen Entwicklung. In einem ersten Schritt trug die Prüfgruppe für Leichte Sprache der Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen ihre Fragen zu sozialen Medien zusammen. Nadja Quirein, Übersetzerin für Leichte Sprache, leitete die Prüfgruppe in diesem Prozess. Dabei ging es von einfachen Grundlagen bis hin zu schwierigen Sachverhalten wie der Frage: »Was ist ein Algorithmus?«. Die Beantwortung der insgesamt 40 Fragen in Leichter Sprache fiel Badmann und Quirein trotz jahrelanger Erfahrung nicht immer leicht, denn das Postkartenformat und die bei Leichter Sprache obligatorische große Schrift verlangten knappe, präzise Aussagen. Deren Verständlichkeit wurde von der Prüfgruppe überprüft und durch konkrete Vorschläge verbessert. »Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welchem Engagement diese Prüfgruppe so lange über alternative Ideen für Texte und Bilder diskutiert, bis alle mit dem
Ergebnis zufrieden sind«, betont Badmann.
Dabei wurden sowohl die Texte als auch die eigens angefertigten Bilder unter die Lupe genommen, denn für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung oder unterdurchschnittlichen Lesekompetenzen können geeignete Bilder das Textverständnis unterstützen. Die Illustratorin Susanne Alpers, die schon mehrfach mit der KEB Hessen zusammengearbeitet hat, kennt die Anforderungen an Bilder für Texte in Leichter Sprache genau. Sie sorgt mit ihren auf das Wesentliche fokussierten Zeichnungen dafür, dass die Inhalte nicht nur sprachlich, sondern auch visuell zugänglich sind.
Anwendung in Bildung und Alltag
So werden Themen wie Fake News, TikTok und der Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Accounts praxisnah vermittelt. Die Karten eignen sich laut KEB Hessen für den Einsatz in Kursen, Gruppenstunden oder auch zum eigenständigen Erkunden. Sie sollen Gespräche anregen und spielerisches Lernen zu wichtigen Fragen rund um digitale Medien ermöglichen.
»Digitale Teilhabe bedeutet, dass alle Menschen soziale Medien nutzen können, wenn sie das möchten«, sagt Johannes Oberbandscheid, Vorsitzender der KEB Hessen. »Das Kartenset leistet dazu einen konkreten Beitrag.«
Das Kartenset kann kostenlos unter www.leichte-sprache.online/soziale-medien oder www.keb-hessen.de bestellt werden.