Massaker von Srebrenica: Ein Dokumentarfilm und ein Hörstück zum 30. Jahrestag

Von 1992 bis 1995 wütete in Bosnien und Herzegowina der Bosnienkrieg, der auch mit häufig so bezeichneten »ethnischen Säuberungen« einherging. Der im Juli 1995 begangene Völkermord von Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Tausende Bosniaken fielen ihm zum Opfer. Ein ARD-Dokumentarfilm und ein Deutschlandfunk-Hörspiel erinnern an die Ereignisse vor genau 30 Jahren.

April 1992: Der Bosnienkrieg bricht aus. Der ethnische Konflikt zwischen bosnischen Serben und muslimischen Bosniern eskaliert rasant. Die damals neunjährige Alisa lebt in der Kleinstadt Srebrenica. Ihre Eltern – der Vater ist Bosnier, die Mutter Serbin – bringen sie bei den Großeltern im serbischen Ljubovija in Sicherheit. Wie viele andere sind sie überzeugt, dass der Krieg nur wenige Wochen dauern wird. Doch es kommt anders. Srebrenica wird bald darauf zu einer von der UN geschützten bosnisch-muslimischen Enklave, die Grenze ist unpassierbar. Bis Kriegsende wird Alisa kaum Kontakt zu ihren Eltern haben.

Alisas Vater Sejfo, ein Hobby-Filmemacher, dreht in dieser Zeit für seine evakuierte Tochter einen vierstündigen Film. Er zeigt seinen Alltag im Krieg, die Ängste und Hoffnungen der Menschen in Srebrenica. In diesem Krieg entfacht sich mehr und mehr der Hass derer, die bis vor kurzem noch friedlich als Nachbarn gelebt haben. Im Sommer 1995 wird die Enklave von Ratko Mladićs Truppen eingenommen. In wenigen Tagen ermorden sie über 8.000 muslimische Männer. Sejfo ist einer von ihnen.

Fast dreißig Jahre später fährt Alisa zurück nach Serbien und Bosnien, um die Geschichte ihrer vom Krieg gezeichneten Familie zu verstehen. Sie macht Verwandte und Freunde ihres Vaters ausfindig, die auf dem Tape zu sehen sind und den Genozid von Srebrenica überlebt haben. Sie will die letzten Monate im Leben von Sejfo nachvollziehen: Was geschah in der Enklave im Jahr 1995 bis zum Massaker? Glaubten die Menschen in Sicherheit zu sein? Das VHS-Tape ist nicht nur ein besonderes Zeitzeugnis, sondern vor allem eine große Liebeserklärung – an seine Tochter und an das Leben.

Der Dokumentarfilm »Das Srebrenica Tape« von Regisseurin Chiara Sambuchi zeigt die persönliche Spurensuche einer Frau, deren Leben durch eines der größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit im modernen Europa für immer verändert wurde.

Der Film ist in der ARD Mediathek abrufbar.

Srebrenica – Hörspiel von Armin Smailovic und Branko Šimić

Als »außergewöhnlich und geradezu zwingend« beurteilt die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste die Deutschlandfunk-Kultur-Produktion »SREBRENICA. Ich zählte mein Leben nur noch in Sekunden« von Armin Smailovic und Branko Šimić und wählt sie damit zum Hörspiel des Monats Juli 2025.

Das dokumentarische Hörstück thematisiert den Völkermord von Srebrenica im Sommer 1995 auf eine besonders berührende Art und Weise. Die Ereignisse werden von Menschen aus drei unterschiedlichen Perspektiven geschildert; die Zuhörenden bekommen dabei Einblicke in die Geschichten der Überlebenden, Täter und Zeugen des Kriegsverbrechens.

In der Begründung der Jury heißt es: »Das Schreckliche ist, dass die Zuhörenden, wenn sie sich darauf einlassen, mit allen Seiten mitfühlen können«. Außerdem werden die nüchterne Erzählweise und die multiperspektivische Inszenierung lobend hervorgehoben. Wer das Stück höre, werde dazu angeregt »sich selbst ein Bild über den Wahnsinn des Krieges zu machen.«

Die Recherchen der Erarbeitung von »Srebrenica« reichen über 15 Jahre zurück: Die Autoren führten Zeitzeugengespräche mit einem der wenigen Überlebenden und einem ehemaligen UN-Soldaten, dessen Aussagen zentraler Teil des Tribunals in Den Haag geworden sind. Auf Basis der Gespräche mit diesen Zeitzeugen und einem Täter entstand schließlich das Theaterstück »Srebrenica« für das Thalia Theater Hamburg und hieraus das multiperspektivische Hörspiel.

Die Produktion von Deutschlandfunk Kultur ist auf hoerspielundfeature.de abrufbar.

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