Social Media, KI & Co. – Neue Gefährdungslagen für die Meinungsvielfalt

Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) ist zuständig für die Sicherung von Meinungsvielfalt im Zusammenhang mit der bundesweiten Veranstaltung von Fernsehprogrammen. Mindestens alle 3 Jahre veröffentlicht die KEK einen Bericht über die Entwicklung der Konzentration und über Maßnahmen zur Sicherung der Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk. Mit ihrem am Dienstag vorgestellten achten Konzentrationsbericht trägt die KEK erstmalig der Digitalisierung Rechnung und nimmt die globalen Player der Plattformökonomie in den Blick.

Seit der Einsetzung der KEK im Jahr 1997 hat sich die Medienwelt gravierend verändert. Die Bedeutung des linearen Fernsehens für die Meinungsbildung ist längst nicht mehr so groß wie vor der Jahrtausendwende. »Im Zeitalter der Digitalisierung, global agierender digitaler Plattformen und Intermediäre sowie einer deutlich veränderten Mediennutzung kann die KEK im Rahmen ihrer Medienkonzentrationsberichte nicht die Augen vor der Medienwirklichkeit verschließen«, sagte der Vorsitzende der KEK, Prof. Dr. Georgios Gounalakis, folgerichtig anlässlich der Berichtsvorstellung.

Die Analyse der KEK macht einen anhaltenden und, so die KEK, »Besorgnis erregenden Trend« deutlich: Insbesondere die altersbezogene Untersuchung der Nutzungszeiten einzelner Medienangebote und Mediengattungen zeigt einen deutlichen Wandel in der Mediennutzung, vorwiegend – aber nicht ausschließlich – in jüngeren Altersgruppen weg von der Nutzung klassischer Medienangebote hin zur Nutzung von internetbasierten Medienangeboten. Die neben die klassischen Medienangebote getretenen digitalen Angebote sind inzwischen nicht nur fester Bestandteil des Informationsrepertoires eines Großteils der Bevölkerung, sie haben diese teilweise bereits überholt. Inzwischen stellt das Internet den wichtigsten Zugang zu Nachrichten für die erwachsene Bevölkerung in Deutschland dar und hat zudem das größte Meinungsbildungsgewicht.

Von der sich verändernden Mediennutzung profitieren laut KEK-Analyse zunehmend Anbieter digitaler Plattformen und Intermediäre. Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen kommt mittlerweile ein hoher Einfluss auf die Meinungsbildung zu. Die spezifische Plattformökonomie und der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz haben das Potenzial, diesen Prozess noch erheblich zu beschleunigen. KI gilt dabei als Schlüsseltechnologie und »Konzentrationsbeschleuniger«. Große Plattformunternehmen und Medienintermediäre verfügen über enorme Datensätze, die als Trainingsgrundlage für die KI-Logik erforderlich sind. Die Folgen für die klassischen Medienhäuser und insbesondere den Journalismus könnten laut KEK in naher Zukunft dramatisch sein.

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