Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Hunderttausende verloren damals ihr Leben. Täter versuchten, Spuren zu verwischen, viele tauchten unter. Die Alliierten nahmen zahlreiche Menschen fest, doch oft war unklar: Wer war Täter und wer nicht? Die juristische Aufarbeitung des Nazi-Regimes, die unmittelbar nach Kriegsende begann, brachte vielbeachtete Prozesse und Urteile. Und doch wurden tausende Menschen nie zur Rechenschaft gezogen. Ganze Tätergruppen gerieten aus dem Focus und waren niemals Teil der juristischen und auch gesellschaftlichen Debatte.
Hier setzt die zweite Staffel des MDR-Podcasts »NS-Cliquen: Von Menschen und Mördern« an: Sie richtet den Blick auf die vergessenen Täter und erzählt fünf eindringliche Geschichten von Menschen, die keine SS-Mitglieder, aber dennoch tief in das System von Mord und Terror verstrickt waren – eine Sekretärin, ein Wissenschaftler, Polizist, Unternehmer sowie die Ehefrau eines KZ-Kommandanten. Der Podcast zeigt, dass das Terror-System der Konzentrationslager weit über die SS hinausging und beleuchtet, warum diese Aspekte der Geschichte bis heute oft übersehen werden.
Der international renommierte Historiker Dr. Stefan Hördler hat die Biografien dieser und weiterer Menschen recherchiert: Wie waren sie beteiligt am Massenmord? Darüber spricht er mit der Wissenschafts-Journalistin Janine Funke. Ihre Gespräche geben tiefen Einblick in die Organisation von Zwangsarbeit, Terror und Mord.
Die erste Folge beschäftigt sich mit Irmgard Furchner, die im Januar 2025 99-jährig verstorben ist. Sie war im KZ Stutthof bei Danzig Sekretärin des KZ-Kommandanten Paul-Werner Hoppe und wurde 2024 wegen Beihilfe zum Mord in 10.505 Fällen schuldig gesprochen. Was hat sie getan, worin bestand diese Beihilfe?