Filmreihe »Jüdisches 1945« anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes in Europa

Anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes in Europa präsentiert das Centrum Judaicum zusammen mit der Urania Berlin e.V. und dem Jüdischen Filmfestival Berlin|Brandenburg zwischen März und Mai an sechs Abenden eine Filmreihe, die die Lebensrealitäten von Jüdinnen und Juden nach dem Ende der Shoah und des Kriegs beleuchtet. Während die sogenannten »Trümmerfilme« das Leid der deutschen Zivilbevölkerung und ihre Bemühungen um den Wiederaufbau in den Fokus rückten, widmeten sich nur wenige deutsche Filme aus der unmittelbaren Nachkriegszeit den Geschichten jüdischer Überlebender. Mit dieser Filmreihe soll das Schicksal jener gezeigt werden, die nach den Schrecken des Holocausts aus dem Exil, dem Untergrund oder den Lagern zurückkehrten. Im Anschluss an jede Vorführung findet eine von Knut Elstermann moderierte Podiumsdiskussion im Gespräch mit renommierten Expert:innen aus den Bereichen Film, Geschichte und Kultur statt.

Anmeldung: info@centrumjudaicum
Die Teilnahme ist kostenfrei.

Programm (Stand: 04.03.2025)

  • 18. März | 19.30 Uhr

    Die Mörder sind unter uns (1946)

    Ort: Urania Berlin e.V., An der Urania 17, 10787 Berlin
    Der erste deutsche Nachkriegsfilm erzählt die Geschichte eines desillusionierten Arztes, der nach dem Zweiten Weltkrieg in einer verlasse¬nen Wohnung in Berlin lebt. Als eine Frau aus dem Konzentrationslager zurückkehrt und ihm mitteilt, dass sie wieder in ihre alte Wohnung einziehen möchte, kommt es zunächst zum Konflikt, dann zur Versöhnung und schließlich zu einer unwahrscheinlichen Liebe. Als er erfährt, dass sein ehemaliger Offizier für Kriegsverbrechen verantwortlich ist und nun ein normales Leben führt, wird er von Rachegedanken geplagt.
    Knut Elstermann im Gespräch mit
    Lisa Schoß, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Im Jahr 2023 erschien ihre Publikation über die Darstellung jüdischer Erfahrung im DDR-Film.
    Philip Zengel, Kommunikationswissenschaftler. Leitet seit 2020 den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der DEFA-Stiftung.

  • 25. März | 18.00 Uhr

    Der Ruf (1949)

    Ort: Neue Synagoge Berlin, Oranienburger Straße 28-30, 10117 Berlin
    Ein jüdischer Professor kehrt nach dem Krieg in sein Heimatland zurück. Dort trifft er auf Misstrauen und Ablehnung, da seine Kollegen und die Öffentlichkeit die nationalsozialistischen Auffassungen nicht abgelegt haben. Der Film hinterfragt den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit und die tiefeingesessenen Überbleibsel der NS-Ideologie.
    Knut Elstermann im Gespräch mit
    Shelly Kupferberg, in Tel-Aviv geboren, wuchs in West-Berlin auf. Journalistin und Moderatorin im Bereich Kultur, Literatur, Film und Gesellschaft. 2022 erschien ihr literarisches Debüt »Isidor«.
    Jonathan Guggenberger, Kulturjournalist und Autor. Veröffentlichungen u.a. zum jüdischen Filmexil und der Rolle von Remigranten im BRD-Kino. 2024 erschien sein Debütroman »Opferkunst«.

  • 8. April |19.30 Uhr

    Phoenix (2014)

    Ort: Urania Berlin e.V., An der Urania 17, 10787 Berlin
    Dieser Film erzählt die Geschichte einer Frau, die während des Holocausts eine Erschießung überlebt und sich infolgedessen einer Gesichtsoperation unterziehen muss. Auf der Suche nach ihrem Mann kehrt sie nach Berlin zurück, wird von diesem jedoch nicht erkannt. Sie begibt sich auf eine schmerzhafte Suche nach Identität und Wahrheit.
    Knut Elstermann im Gespräch mit
    Marion Brasch, Schriftstellerin und Journalistin, legte 2012 mit »Ab jetzt ist Ruhe« ihr literarisches Debüt vor. Es folgten weitere Romane und Theaterarbeiten.
    Lana Lux, geboren in Dnipropetrowsk/Ukraine, Schauspielerin und Autorin. Ihre bisherigen Romane sind »Kukolka“ (2017), »Jägerin und Sammlerin« (2020) und »Geordnete Verhältnisse« (2024).

  • 29. April | 18.00 Uhr

    Lang ist der Weg (1948)

    Ort: Neue Synagoge Berlin, Oranienburger Straße 28-30, 10117 Berlin
    Als einer der ersten deutschen Spielfilme, der das Schicksal der jüdischen Verfolgten thematisiert, zeigt der Film die Reise eines Juden aus Polen, der den Holocaust überlebt hat und nach seiner Mutter sucht. Er und andere Displaced Persons (DPs) kämpfen um ein neues Leben und hoffen auf eine Zukunft im Staat Israel, der zur Zeit des Filmdrehs noch nicht existierte.
    Knut Elstermann im Gespräch mit
    Rachel Salamander, geboren im DP-Lager Deggendorf, Literaturwissenschaftlerin. Gründete 1982 in München die erste Fachbuchhandlung für Literatur zum Judentum. Publizierte u.a. zu DPs.
    Daniel Jonah Wolpert, Filmhistoriker, spezialisiert auf den deutschen Film unter alliierter Besatzung. Veröffentlichungen u.a. zu deutscher, tschechischer und sowjetischer Filmgeschichte.

  • 5. Mai | 19.30 Uhr

    Die Gezeichneten (1948)

    Ort: Urania Berlin e.V., An der Urania 17, 10787 Berlin
    Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Junge Karel, der im KZ Auschwitz von seiner Mutter getrennt wurde und nach Kriegsende umherirrt. Ein US-Soldat, Steve, nimmt ihn auf und versucht, seine Herkunft zu klären. Während Steve Karel adoptieren möchte, sucht seine Mutter verzweifelt nach ihm.
    Knut Elstermann im Gespräch mit
    Adriana Altaras, geboren in Zagreb. Dozentin, Interviewerin für die Shoah Foundation, Schauspielerin, Regisseurin, Autorin.
    Imme Klages, Filmhistorikerin mit dem Schwerpunkt deutsches Filmexil 1933–1945. 2018 Dissertation zu den Filmen Fred Zinnemanns, dem Regisseur von »Die Gezeichneten«.

  • 8. Mai | 11.00 Uhr

    Doppelfeature: The Illegals & Reminiszenzen aus Deutschland

    Ort: JFBB | Filmkunst 66, Bleibtreustraße 12, 10623 Berlin
    The Illegals (1947)
    Dieses Dokudrama erschien 1948 in jiddischer Sprache und erzählt von Mika und Sara, die ein nicht näher bezeichnetes Konzentrationslager überlebten und geheiratet haben. Die beiden klettern mit einer Kamera in der Hand durch die Ruinen des Warschauer Ghettos und fotografieren sich. Sie träumen von einer Zukunft in Israel, doch ohne die nötigen Papiere müssen sie auf illegalem Weg versuchen, ihren Traum zu verwirklichen.
    Reminiszenzen aus Deutschland (1971/1993, bearbeitet 2012)
    Dieser Kurzfilm ist eine nicht-chronologische Darstellung des Filmemachers Jonas Mekas über seine Zeit in Zwangsarbeits- und DP-Lagern zwischen 1944 und 1949.
    Knut Elstermann im Gespräch mit
    Lea Wohl von Haselberg, Film- und Medienwissenschaftlerin. Forschungsschwerpunkte: Repräsentation jüdischer Themen in Diskursen der BRD, jüdische Filmgeschichte.

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