Das WDR-Hörspiel »Im Auge des Sturms« über den Kapitol-Sturm vom 6. Januar 2021 ist zum besten Hörspiel des Jahres 2024 ernannt worden. Das hat die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in dieser Woche bekanntgegeben, während kurz zuvor der 47. Präsident Vereinigten Staaten im Zuge seiner ersten Amtshandlungen die verurteilten Straftäter vom 6. Januar 2021 begnadigt hatte.
Als an jenem Tag das Kapitol in Washington angegriffen wurde, waren Senat und Abgeordnetenhaus in dem Gebäude versammelt, um die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl zu bestätigen und den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten auszurufen. Erst verzögern Einsprüche gegen die Wahl den Ablauf so sehr, dass die Abgeordneten noch tagen, als der Sturm auf das Kapitol beginnt. Dann müssen die Versammlungen abgebrochen werden, weil die Menschen im Kapitol um ihr Leben fürchten müssen. Erst am Abend, nach Stunden der Ungewissheit, beschließen die Abgeordneten, ihre Debatte fortzusetzen und ihre Worte der Gewalt entgegenzusetzen.
»Im Auge des Sturms« ist ein dokumentarisches Hörspiel zum Sturm Kapitol-Sturm, das anhand von ausführlichem O-Ton-Material die verbalen Kämpfe zwischen den Abgeordneten ins Zentrum nimmt – vor und nach dem gewaltsamen Angriff. Es ergänzt die Bilder, die ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind, um eine genaue und spannende Rekonstruktion der Ereignisse im Innern des Kapitols.
Die Autorin Maxi Obexer »hat die Geschehnisse als kinoreifes Polit-Event erkannt und daraus ein dokumentarisches Stück mit Pathos und Drive geformt«, so die Begründung der Jury, die aus Clara Gauthey (Kulturredakteurin Bieler Tagblatt), Claude Pierre Salmony (Hörspielredakteur, -dramaturg, -regisseur) und Maria Ursprung (Dramatikerin, Regisseurin, Co-Leiterin Theater Marie) bestand. Das Ergebnis sei ein Hörspiel, »das trotz seiner Bezugnahme auf ein vergangenes Ereignis ins Heute wirkt« und »eine politische Lektion liefert«. Es gehe um die »Verantwortung politischer Führer«, »die Folgen ihrer Worte« und die »Kraft der vernünftigen Verständigung«.