Drucksache - VII-0720  

 
 
Betreff: Kultur muss inklusiv sein
Status:öffentlich  
 Ursprungaktuell
Initiator:LinksfraktionBezirksamt
   
Drucksache-Art:AntragVorlage zur Kenntnisnahme § 13 BezVG /SB
Beratungsfolge:
Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin Vorberatung
21.05.2014 
23. ordentliche Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin ohne Änderungen in der BVV beschlossen   
Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin Vorberatung
17.09.2014 
25. ordentliche Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen     
Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin Vorberatung
14.09.2016 
42. ordentliche Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin mit Abschlussbericht zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlagen:
Antrag Linksfraktion 23. BVV
2. Ausfertigung Antrag Linksfraktion und Bü´90/ Grüne 23. BVV am 21.05.14
VzK§13 1.ZB, BA, 25. BVV am 17.09.2014
Berichtspflicht BA Juli 2015
Berichtspflicht BA September 2015
Berichtspflicht BA November 2015
Berichtspflicht BA Januar 2016
Berichtspflicht BA März 2016
Berichtspflicht BA Mai 2016
VzK §13 BA Schlussbericht, 42.BVV am 14.09.2016

Das Bezirksamt wird ersucht, der BVV Pankow bis zum Beginn der Haushaltsverhandlungen für den Haushalt 2016/17

Siehe Anlage

2007 hat die Bundesrepublik das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterzeichnet

Bezirksamt Pankow von Berlin

06.09.2016

An die
Bezirksverordnetenversammlung

Drucksache-Nr.:VII-0720

Vorlage zur Kenntnisnahme
für die Bezirksverordnetenversammlung gemäß § 13 BezVG

Schlussbericht

Kultur muss inklusiv sein

Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen:

In Erledigung des in der 23. Sitzung am 21.05.2014 angenommenen Ersuchens der Bezirksverordnetenversammlung Drucksache Nr.: VII-0720

„Das Bezirksamt wird ersucht, der BVV Pankow bis zum Beginn der Haushaltsverhandlungen für den Haushalt 2016/2017

  1. einen Bericht über die bisher vollzogenen Maßnahmen zur Umsetzung der Verpflichtungen des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Bereich der Kultur- und Weiterbildungsangebote,
  2. einen Mängelbericht über die immer noch nicht im Sinne der Inklusion gestalteten Rahmenbedingungen der Angebote und der Leistungen selbst und
  3. ein Maßnahmenpaket zur Behebung dieser zu überwindenden Missstände inklusive der notwendigen finanziellen Voraussetzungen

vorzulegen.“

wird gemäß § 13 Bezirksverwaltungsgesetz berichtet:

  1. Bisher umgesetzte Maßnahmen

Menschen mit Behinderung(en) haben Anspruch auf Selbstbestimmung, Diskriminierungsfreiheit und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe. Daher wurde Bildung als ein wichtiger Faktor zur Verwirklichung dieser Ansprüche in verschiedene rechtliche Bestimmungen aufgenommen (vgl. Artikel 24 UN-Behindertenrechtskonvention; § 123 Abs. 2 Schulgesetz des Landes Berlin).

Im Amt für Weiterbildung und Kultur wurden in Umsetzung der Verpflichtungen des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bisher u. a. folgende Maßnahmen umgesetzt:

Die Volkshochschule Pankow hat in Kooperation mit den anderen Berliner Volkshochschulen und der Lebenshilfe Bildung gGmbH, finanziert über Aktion Mensch, das Projekt ERW-IN (Erwachsenenbildung inklusiv) durchgeführt. Der Projektzeitraum begann am 01.10.2014 und dauert bis zum 31.10.2016. In dieser Zeit führte die VHS Pankow 45 inklusive Kurse mit ca. 400 Teilnehmenden durch.

Kernaufgabe des Projektes ERW-IN ist es Kurse in Leichter Sprache und langsamen Lerntempo zu organisieren, zu bewerben, umzusetzen und zu evaluieren. Die Kurse sind für alle Interessenten offen; hauptsächlich aber für Menschen mit geistiger Behinderung oder Lernschwierigkeiten gedacht. Neben der Veröffentlichung in dem Pankower Programmheft sind die Angebote über das Programmheft „Bildung in Leichter Sprache“ und auf der Internetseite www.erw-in.de zu finden. Neben der Kursorganisation durch die Volkshochschulen wird von den Projektmitarbeitenden der Koordinationsstelle ERW-IN folgende Aufgaben geleistet: Organisation von Fortbildungen für das Personal der Volkshochschulen und für die Kursleitenden, Beratung bei Fragen zur Barrierefreiheit, Netzwerkarbeit zwischen den Akteuren, Evaluation von Kursen und des Projekts.

Die Volkshochschule Pankow hat von dem Projekt den Nutzen, dass sie die Kurse finanziert über das Projekt kostenfrei oder zu einem sehr geringen Entgelt anbieten kann. Im Vorfeld fragen die Projektmitarbeitenden den Bedarf in der Zielgruppe ab, um so passgenau die individuellen Interessen und wichtigen Themen zu erreichen.

Die Volkshochschule Pankow hat seit Projektbeginn 15 Kurse im Rahmen des Projektes ERW-IN durchgeführt. Außerdem wurden noch 15 Kurse außerhalb des Projektes als inklusive Kursformate durchgeführt.

Folgerungen bzw. weitere Entwicklungsmöglichkeiten für die Volkshochschule Pankow:

Eine am Leitziel Inklusion orientierte Erwachsenenbildung bedeutet:

  1. Angebote konsequent planen und durchführen,
  2. inklusive Weiterbildungspraxis sprachlich benennen (Stichwort: barrierefrei lernen),
  3. Lernorte als Bestandteile der inklusiven Weiterbildungspraxis definieren und
  4. Inklusion als Aufgabe der Organisationsentwicklung sehen.

Mit dem Projekt ERW-IN hat sich die Volkshochschule Pankow auf den Weg gemacht, eine inklusive Volkshochschule zu werden und konnte die im Punkt 1 gesteckten Ziele verwirklichen. Die Volkshochschule Pankow möchte jedoch nicht an diesem Punkt stehen bleiben, sondern sich weiterentwickeln. Eine Volkshochschule ist nur dann inklusiv und barrierefrei, wenn sie den Zugang und die Teilhabe von allen Menschen mit und ohne Behinderungen ermöglicht. Leider kann jedoch derzeit eine über das ERW-IN-Projekt hinausgehende Vertiefung der Inklusion aufgrund mangelnder Raumausstattung und mangelnder Personalausstattung nicht bewerkstelligt werden.

Inzwischen sind 9 der 22 Häuser des Amtes barrierefrei zugänglich, darunter die großen Standorte mit viel Publikumsverkehr wie das Bildungszentrum am Antonplatz, Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner sowie sechs der acht Bibliotheksstandorte. Die Heinrich-Böll-Bibliothek ist auf Grund der Eingangstür und des fehlenden Fahrstuhls für Nutzer*innen nur eingeschränkt barrierefrei.

Im Juli 2016 wurden in der Stadtbibliothek Pankow zahlreiche Maßnahmen (wie z. B. Medienerwerb in leichter Sprache, Medienkoffer) im Rahmen des Integrationsfonds (Masterplan Sicherheit und Integration) beantragt. Diese Erweiterung des Bestandes würde vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten zu Gute kommen.

  1.      Hindernisse

Haupthindernisse sind eindeutig die fehlenden, in der Regel zusätzlichen Ressourcen zur Finanzierung der Maßnahmen, der zusätzlich zu leistende Zeit-/ Personalaufwand zur Planung und Umsetzung einzelner Veränderungen, teilweise auch geeignete Räumlichkeiten. Mitunter ist auch unklar, welcher Bedarf tatsächlich besteht bzw. was nachgefragt und dann hinterher auch tatsächlich genutzt wird. Daher sollten vor einer Umsetzung immer intensive Recherchen, Befragungen und auch der Austausch mit Interessenvertretungen oder Betroffenen stehen.

  1. Weitere geplante Maßnahmen

Für die Berliner Volkshochschulen soll die geplante überbezirkliche Servicestelle Integration, deren Finanzierung als Grundlage der Arbeitsaufnahme nunmehr geklärt scheint, sich intensiv und strategisch mit dem Thema Inklusion beschäftigen.

Im neuen Herbstprogramm wird die Volkshochschule Pankow den Bürgerinnen und Bürgern ein kleines inklusives Kursangebot zur Verfügung stellen, das - wenn die weitere Finanzierung geklärt ist – weiter ausgebaut werden kann.

In Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeauftragten wird noch 2016 eine Veranstaltung stattfinden, um den Bedarf der Nutzer*innen der Stadtbibliothek Pankow an inklusiven Angeboten (Medien, Arbeitsplätze, Leitsysteme, Veranstaltungen) zu ermitteln. Eingeladen werden zu dieser Veranstaltung Vertreter der Behindertenhilfe in Pankow und Menschen mit Beeinträchtigungen. Ausgehend von dieser Veranstaltung und bei ausreichender Finanzierung werden 2017 und 2018 neue Angebote aufgebaut. Denkbar wäre eine inklusive Veranstaltungsreihe, die durch Begleitung von Gebärdendolmetscher*innen, Untertitelung und leichte Sprache ein Angebot für alle darstellen würde.

Ferner wird sich das Amt weiter bemühen, im Zuge anstehender oder geplante Sanierungsarbeiten (z. B. Kulturareal Ernst-Thälmann-Park, VHS-Zentrale Schulstr. 29, Brotfabrik) oder im Rahmen verfügbarer Mittel der Bauunterhalterung für bauseitige Verbesserungen zu sorgen.

Wir bitten, die Drucksache als erledigt anzusehen.

Haushaltsmäßige Auswirkungen

derzeit nicht bezifferbar

Gleichstellungs- und gleichbehandlungsrelevante Auswirkungen

keine

Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung

keine

Kinder- und Familienverträglichkeit

entfällt

Matthias Köhne
Bezirksbürgermeister

Dr. Torsten Kühne
Bezirksstadtrat für Verbraucherschutz, Kultur, Umwelt und Bürgerservice

 

 
 

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