Potenziale und Handlungsmöglichkeiten für Gebäude und Energie

Gebäude Energie

Handlungsmöglichkeiten

  • Klimaschutz und Klimaanpassung in der Städtebauförderung
  • Planung und Umsetzung energetischer Quartierskonzepte
  • Bereitstellung von Informationen für private Haushalte und private Bauherren
  • Förderung von privatem Engagement durch Förderprogramme (z. B. Baumpflanzungen, Fassadenbegrünung, Hofbegrünung, Entsiegelung, Regenwasserversickerung etc.)
  • Beratungsangebote für landeseigene Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsbaugenossenschaften
  • Bereitstellung von Flächen und Gebäuden des Bezirks zur Erzeugung Erneuerbarer Energie
  • Einsatz informeller Planungsinstrumente für eine klimaorientierte Stadtentwicklung
  • Entwicklung von verkehrsreduzierten Siedlungsstrukturen

Potenziale im Bereich Gebäude und Energie

Inspektion eine Solaranlage auf einem Schuldach

Photovoltaik

Eine Solarpotenzialanalyse von 2021 bewertete 536.000 Berliner Gebäude hinsichtlich der Eignung für Photovoltaik (PV). Für Pankow wurden 62.722 geeignete Gebäude identifiziert, mit einem Potenzial von 936 MW installierbarer Leistung. Mit diesem geht ein Ertragspotenzial von 825 GWh/a einher, was 87% des Stromverbrauchs 2022 entspricht. Neben Dächern bieten auch Fassaden und Balkonkraftwerke Potenziale, letztere könnten bis zu 8 % des Stromverbrauchs decken. Freiflächen, Parkplätze und innovative Technologien wie Floating-PVs oder Agri-PVs bergen weitere Möglichkeiten, stoßen jedoch auf Flächenkonkurrenz und technische Hürden. Förderprogramme wie SolarPLUS unterstützen den PV-Ausbau.

Solarthermie

Pankow hat ein jährliches Solarthermiepotenzial von 4.518 GWh, genug für den gesamten Wärmebedarf. Tatsächlich nutzbar ist jedoch nur ein Bruchteil, da Dachlastgrenzen, Überproduktion im Sommer und Konkurrenz mit PV-Anlagen die Umsetzung einschränken. Großanlagen sind in Berlin aufgrund der Flächenkonkurrenz kaum relevant, könnten jedoch lokal Wärmenetze ergänzen.

Windrad und Strommast

Windenergie

Berlin hat begrenztes Windenergiepotenzial. Für Pankow wurden 586 ha Prioritätsflächen ausgewiesen, mit einem theoretischen Ertragspotenzial von 455 GWh jährlich, was 51 % des Stromverbrauchs von 2022 decken könnte. Real nutzbar ist nur ein Bruchteil, da Flächenänderungen und Genehmigungen erforderlich sind.

Nah- und Fernwärmepotenzial

Dekarbonisierung der Nah- und Fernwärme
Wärmenetze bieten in dicht besiedelten Gebieten zentrale Möglichkeiten zur Dekarbonisierung. Der Anschluss an das Berliner Wärmenetz kann die Treibhausgas-Emissionen um bis zu 75 % senken, obwohl fossile Energien weiterhin eine Rolle spielen. Seit 2024 gehört das Wärmenetz dem Land Berlin, das bis 2040 eine klimaneutrale Versorgung plant, u. a. durch Großwärmepumpen, Biomasse, Geothermie und Power-to-Heat-Technologien.

Ausbau der Wärmenetze
Ziel ist die Versorgung von Gebieten mit hoher Wärmedichte sowie die Nachverdichtung bestehender Netzgebiete. Besonders geeignet sind Teile von Weißensee, Niederschönhausen und das Gebiet um die Bornholmer Straße. Auch innerhalb des bestehenden Versorgungsgebiets gibt es Potenzial zur Substitution von Erdgas. Die Nah- und Fernwärme wird künftig eine größere Rolle in Pankows Wärmeversorgung spielen.

Abwasserwärme

Das Berliner Abwasser ist eine konstante regenerative Energiequelle, die sich gut für die Wärmeversorgung mit Wärmepumpen eignet. Laut einer simulationsgestützten Analyse der Berliner Wasserbetriebe im Projekt ‘Urbane Wärmewende’ bietet Pankow relevantes Potenzial für Abwasserwärmenutzung. Details und eine Karte der möglichen Entzugsleistungen sind im Abwasserwärmeatlas der BWB zu finden. Die Umsetzung erfordert jedoch mehrere Planungs­schritte, die in einem Leitfaden der BWB beschrieben sind.

Geothermie

Berlin bietet aufgrund seines Untergrunds gute Voraussetzungen für die Geothermienutzung. Besonders die Tiefengeothermie (ab 400 Metern) wird für die Dekarbonisierung der Nah- und Fernwärme relevant. Im Rahmen der ‘Roadmap Tiefe Geothermie’ sind ab 2025 zwölf Probebohrungen geplant, darunter eine in Berlin-Buch.

Die Oberflächennahe Geothermie nutzt die Wärme bis 400 Meter Tiefe und eignet sich für dezentrale Versorgung oder kleinere Netze. Eine Analyse von 2017 im Umweltatlas Berlin zeigt, dass große Teile Pankows für Geothermie geeignet sind, mit wenigen Einschränkungen durch Wasserschutzgebiete.

Ein theoretisches Potenzial für Oberflächennahe Geothermie im Bezirk beträgt jährlich 2.270 GWh, was 75 % des Wärmeverbrauchs 2022 entspricht. Bei Berücksichtigung aller Flächen ergibt sich ein Potenzial von 3.048 GWh (93 % des Wärmeverbrauchs). Eine detaillierte Analyse zeigt, dass vor allem nördliche Bezirke sich theoretisch vollständig geothermisch versorgen lassen. Die Umsetzbarkeit hängt jedoch von praktischen Faktoren wie Zugänglichkeit und Wirtschaftlichkeit ab.

Luft- und Wärmepumpe

Luft-Wasser-Wärmepumpen, die Wärme aus der Umgebungsluft nutzen, sind besonders für Gebäude ohne Wärmenetzanschluss, wie Einfamilienhäuser, eine wichtige Versorgungsoption. Der Betrieb erfolgt mit Strom, wobei die Strompreise und Treibhausgas-Emissionen die Effizienz beeinflussen. Häufig werden Wärmepumpen mit PV-Anlagen kombiniert.

Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt von der Temperatur der Energiequelle ab. Im Winter ist kalte Umgebungsluft weniger effizient, was höhere Kosten und Emissionen zur Folge hat. Deshalb werden alternative Energiequellen wie Abwasserwärme oder Oberflächengewässer in Betracht gezogen.

Im Bezirk Pankow gibt es wenige Fließgewässer, die als Wärmequelle geeignet wären. Einige Seen und Teiche könnten theoretisch genutzt werden, jedoch bestehen genehmigungsrechtliche Herausforderungen. Eine detaillierte Analyse wird im Rahmen der gesamtstädtischen Wärmeplanung erfolgen, wobei Einzelfalluntersuchungen sinnvoll sein können, wenn Gewässer in der Nähe von Wärmesenken liegen.

Biomasse

Die SenMVKU ließ 2020 das Energiegewinnungspotenzial aus Biomasse für Berlin untersuchen. Das Gesamtpotenzial beträgt 1.161.500 Tonnen Biomasse, was einem Energiepotenzial von 2.053 GWh/a entspricht. Eine spezifische Aussage für den Bezirk kann jedoch nicht getroffen werden.

Abwärme

Im Jahr 2023 wurde im Auftrag der SenMVKU eine Potenzialanalyse zur Nutzung von Abwärme durchgeführt. Die Analyse liefert generelle Aussagen über das hohe Abwärmepotenzial Berlins, dessen Nutzung jedoch von verschiedenen Faktoren abhängt. Als relevante Quellen gelten das verarbeitende Gewerbe, Rechenzentren, Müllverbrennungsanlagen sowie U-Bahnstationen und -tunnel. In Pankow wurden die AMZ Weissenseer Präzisionsguss GmbH und Autoneum Germany GmbH als geeignete Betriebe identifiziert. Zukünftig werden auch Rechenzentren und die Wasserstofferzeugung als Quellen erwartet. Das Abwärmepotenzial wird hauptsächlich im Niedertemperaturbereich unter 65 °C liegen.

Die Analyse betont, dass eine berlinweite Steuerung erforderlich ist, um die Potenziale effizient zu nutzen. Bezirksverwaltungen können durch Sensibilisierung, Informationsbereitstellung und die Integration der Ergebnisse in lokale Planungen zur Umsetzung beitragen. Ein wichtiges Werkzeug wird das sich in Entwicklung befindliche Wärmekataster der Stadt Berlin sein, das auch standortbezogene Abwärmedaten enthalten soll.

Konkrete Maßnahmen zum Handlungsfeld Gebäude und Energie finden Sie hier. Eine Übersicht der Downloads zum Klimaschutzkonzept finden Sie hier.