Zu den zahlreichen Wettbewerben im Frauenfußball im Juli (unter anderem die Europameisterschaft in der Schweiz, die Ozeanischen, Süd- und Ostasiatischen Meisterschaften und die Copa América Femenina) gesellt sich in Berlin ein weiterer: die Tage des Mädchenfußballs mit zwei Turnieren am 11. und 12. Juli im Jahn-Sportpark.
Am Freitag treffen sich ab 11 Uhr die Grundschulteams aus dem Bezirk, um in einer „kleinen Europameisterschaft“, bei dem jedes unter der Flagge eines Nationalteams der EM antritt, die Siegerinnen zu ermitteln. Am nächsten Tag, dem 12. Juli, startet um 11 Uhr dann das inzwischen 4. Turnier der Mädchenfußball-Vereine um den Mosse-Pokal.
Die Turniere werden begleitet von Mitmach-Aktionen, dem DFB-Mobil und Bildungsangeboten, einem Actionbound-Parcours und einer Ausstellung. Außerdem gibt es Eis, Grillgut und Getränke für die Teilnehmenden und die Gäste.
Straße wird am 12. Juli nach Emilie Mosse benannt
Besonderheit in diesem Jahr: Vor dem Vereinsturnier am Samstag wird das Stück der Eberswalder Straße vor der Zufahrt zum Sportpark in Anwesenheit der Bürgermeisterin von Pankow Dr. Cordelia Koch, der Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki und den Initiatoren von der Bürgerinitiative „Mosse erinnern!“ in „Emilie-Mosse-Straße“ umbenannt.
Die Rudolf-Mosse-Straße, benannt nach dem jüdischen Zeitungsverleger, Stifter und Mäzen, führte einst mitten durch das Areal des Exerzierplatzes, den heutigen Jahn-Sportpark. Die Nazis tilgten 1935 alle jüdischen Namen aus dem Stadtbild, benannten die Straße in „Verlängerte Sonnenburger“ um, „arisierten“ den Mosse-Verlag, trieben Familienmitglieder ins Exil und ermordeten andere. Nach dem Krieg verschwand die Straße unter Asphalt und Sportanlagen und einige Jahrzehnte später war die Erinnerung an die einstigen Mitbegründer des Sportparks verblasst.
Hintergrund
Seit 2018 treffen sich Anwohner:innen, Fußballfans, Sportler:innen und Lokalhistoriker:innen in der Bürgerinitiative „Mosse erinnern!” unter dem Dach des Gesellschaftsspiele e.V., um den Namen Mosse vor dem Vergessenwerden zu bewahren.
2020 präsentierte die Initiative eine Freiluft-Ausstellung auf elf Litfaßsäulen entlang der einstigen Mossestraße, begleitet von einer Vortragsreihe und Straßenführungen.
Seit 2022 organisieren der SV Empor und die Bürgerinitiative in Kooperation mit dem Berliner Fußballverband, den Arbeitsgemeinschaften Mädchenfußball der umliegenden Schulen und zahlreichen weiteren Unterstützern die Mädchenfußball-Turniere um den Mosse-Pokal. Damit wird eine Form der Erinnerung gepflegt, die von Anwohner:innen, historisch Interessierten und Fußballbegeisterten am Leben erhalten werden muss und kann.
Eine von der Bürgerinitiative „Mosse erinnern“ schon 2019 angestoßene Rückbenennung in „Rudolf-Mosse-Straße“ war nicht möglich, weil in den 1970er-Jahren die ehemalige Mossestraße in Charlottenburg (auch sie zwischenzeitlich von den Nationalsozialisten getilgt) nach Rudolf Mosse benannt worden war. Dabei ging die Erinnerung an Emilie Mosse verloren, denn ursprünglich meinte der Name „Mossestraße“ das Ehepaar, das gemeinsam das nahe Waisenhaus gestiftet hatte. 2024 korrigierte eine Forschungsarbeit von Elisabeth Wagner („Die Mosse-Frauen“, erschienen bei Wallstein) den Eindruck, dass nur die Männer der Mosse-Familie gesellschaftlich gewirkt hatten.
Es lag also nahe, den Namen von Emilie für die Neubenennung des kleinen, noch als Straße ausgewiesenen Teilstücks zu wählen. Nach jahrelangen Abstimmungen ist es nun endlich so weit: Am 12. Juli 2025 um 9 Uhr wird das neue Straßenschild mit dem Namen „Emilie-Mosse-Straße“ enthüllt.
Veranstalter und Unterstützer:
Der SV Empor Berlin ist der Kiezclub aus dem Prenzlauer Berg. Seit der Gründung im Jahr 1949 ist der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sein sportliches Zuhause. Mit über 1.000 Mitgliedern ist Empor sowohl der größte als auch mit der in der Berlin-Liga spielenden 1. Herren-Mannschaft der klassenhöchste Fußballverein Pankows. Insbesondere für seine gute Nachwuchsausbildung wird der Kiezclub geschätzt, bei der Werte wie Fairness, Gemeinsamkeit und Toleranz einen hohen Stellenwert haben. Seit 2020 wird auch der Mädchen- und Frauenfußball konsequent gefördert. In der Saison 2024/25 nimmt neben dem Frauen-Team, den D- und E-Juniorinnen auch erstmals ein C-Juniorinnen-Team am Spielbetrieb teil.
www.empor-berlin.de
Die Bürgerinitiative „Mosse erinnern“unter dem Dach von Gesellschaftsspiele e.V. rückt mit Ausstellungen, Stadtführungen, mit der Vernetzung von Historiker:innen, Museen und Nachnutzer:innen der einstigen Mosse-Immobilien und vor allem mit dem Fußballturnier um den Mosse-Pokal die Bedeutung der Familie Mosse für Berlin ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Auf der Webseite dokumentiert die Initiative die Topografie der Mosses in Berlin und Brandenburg, sammelt biografische Informationen und dokumentiert ihre Arbeit.
www.mossestrasse.de
Der Berliner Verein Gesellschaftsspiele e.V. organisiert Bildungsarbeit im Bereich Fußballfankultur, Politik und Gesellschaft. 2021 erhielt Gesellschaftsspiele e.V. den Julius-Hirsch-Preis, mit dem der DFB Personen, Initiativen und Vereine auszeichnet, die sich auf dem Fußballplatz, im Stadion, im Verein und in der Gesellschaft beispielhaft und unübersehbar gegen Antisemitismus, Diskriminierung und Rassismus einsetzen.
www.gesellschaftsspiele.berlin
Die Deutsche Sportjugend (dsj) ist die Jugendorganisation im Deutschen Olympischen Sportbund e.V. Sie entwickelt Formen sportlicher und allgemeiner Jugendarbeit weiter und fördert Bildung, Betreuung und Erziehung durch Kinder- und Jugendarbeit im Sport. Die dsj setzt sich für ein demokratisches Grundverständnis und die Vermittlung einer nachhaltigen Förderung der demokratischen Teilhabe im Sport und darüber hinaus ein.
https://www.dsj.de/themen/demokratiestaerkung-antidiskriminierung
Henderson Park und Stoke Park Capital modernisieren das historische Mosse-Gebäude in Berlin-Mitte. Der denkmalgeschützte ehemalige Sitz des Berliner Tageblatts, errichtet von Rudolf Mosse und geprägt vom Architekten Erich Mendelsohn, zählt zu den bekanntesten Bauwerken der Stromlinien-Moderne. Jetzt wird das ikonische Gebäude neu gedacht, mit moderner Technik, flexibel nutzbaren Flächen und einem Design, das Geschichte und Zukunft verbindet. Ab Ende 2026 wird das Mosse-Gebäude zum neuen Zuhause für Vordenker – an einem Ort, der Geschichte atmet und Zukunft ermöglicht.
Der Bereich Schulsport und Bewegungserziehung derSenatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ist zuständig für die Koordination des Schulsports in Berlin und mit anderen Bundesländern, für Bundeswettbewerbe und Bundesjugendspiele, Fortbildung, Begabtenförderung und für Grundsatzfragen im Bereich Nachwuchsleistungssport und Eliteschulen des Sports in Berlin.
www.berlin.de/sen/bjf/
Der Berliner Fußball-Verband e. V. (BFV) ist der Fachverband der Berliner Fußball- und Cricketvereine und vertritt sie als Landesverband bei den deutschen Sportorganisationen. Der BFV ist Mitglied des Deutschen Fußball-Bundes e.V. (DFB), des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes e.V. (NOFV) und des Landessportbundes Berlin e.V. (LSB). Er fördert den Fußballsport in Berlin und unterstützt die Vereine bei der Erfüllung ihrer sportlichen Aufgaben.
www.berliner-fussball.de
Das Museum Pankow ist das bezirksgeschichtliche Museum für Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee. Museumsstandorte gibt es in der Prenzlauer Allee, der Heynstraße, der Dunckerstraße und im Stadtgut Blankenfelde. In Dauer- und Sonderausstellungen sowie mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm werden Geschichte und Gegenwart des Nordostens von Berlin dargestellt und die Auseinandersetzung damit angeregt.
www.berlin.de/museum-pankow
Weitere Unterstützer sind das Bezirksamt Pankowund die Senatsverwaltung für Inneres und Sport.