Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2008

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 18.11.2008 zum achten Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gesellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, seiner Stellvertreterin Ursula Meys, dem BVV-Vorsteher Jürgen Vogt und seinem Vertreter Hans Schultz – hatte in diesem Jahr wieder vier besondere Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt werden:

Pfarrer Peter Kranz

Pfarrer Peter Kranz
Bild: Bezirksamt Spandau

Herr Pfarrer Peter Kranz – ein Seelsorger in der Spandauer Neustadt. Vielfältige Aufgaben hat er mit der Übernahme der Pfarrstelle in der Luthergemeinde vor 22 Jahren übernommen, Aufgaben, die den Tätigkeitsrahmen eines Pfarrers in einer evangelischen Kirchengemeinde weitaus sprengten. Phantasie, Einfühlungsvermögen, das „Ohr im Kiez“ und vor allem ein „ungebremstes“ ehrenamtliches Engagement waren für Herrn Pfarrer Kranz die Grundlagen für sein Wirken in der Spandauer Neustadt.
Christliche Werte vermitteln und den Menschen Im Kiez verbesserte Lebensbedingungen, mithin eine gesteigerte Lebensqualität, zu schaffen, dafür ist der Seelsorger und Soziologe Pfarrer Kranz in der Spandauer Neustadt eingetreten. Er beschreibt dies trefflich mit einem Satz: Es gilt, die Menschenfreundlichkeit Gottes direkt erfahrbar zu machen durch Engagement vor allem für solche Menschen, die eher das Schattendasein des Lebens kennen, aber auch durch Engagement im Stadtteil ein sozialeres und friedlicheres Zusammenleben der Menschen zu bewirken.
Ein hochgestecktes Ziel, das er stets im Auge behielt. Gleich nach der Übernahme der Pfarrstelle ging er mit vollem Elan ans Werk: Noch im Jahr 1988 gründete er den „Selbsthilfe und Beratungstreff – Verein zur Förderung von Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern und Kleinrentnern -. Ein Jahr später richtete er im Treffpunkt Regenbogen die erste Berliner Schuldnerberatungsstelle ein und im Jahr 1990 erfolgte unter seiner Regie der Aufbau einer Alkohol-Selbsthilfegruppe.
Pfarrer Kranz war verantwortlich für die Gründung des Kommunalen Forums zur Förderung der Lebensqualität in der Spandauer Neustadt, für die Einrichtung der ersten Berliner Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende sowie für die Schaffung des Ökumenischen Zentrums als Stadtteil-, Friedens- und Umweltzentrum. Zudem ist er Gründungsmitglied des Vereins „Spandau Neustadt“, der zweimal jährlich die große Stadtteil-Putzaktion unter Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern in der Spandauer Neustadt initiiert.
Eine Vielzahl von Aktionen in der Spandauer Neustadt, die von Pfarrer Kranz ausgegangen sind, wären noch zu nennen. So beispielsweise das Nachbarschaftsfest, dass alljährlich rund 1000 Besucherinnen und Besucher anzieht oder aber sein „jüngstes Kind“, die Lebensmittelausgabe im Rahmen der Initiative „Laib & Seele“ im Paul-Schneider-Haus. Auch sein Wirken im Vorstand des Sonnenhof-Waisenhauses sowie im Verein „Herberge zur Heimat“, der sich der Belange von Behinderten und Obdachlosen annimmt, ist hervorzuheben.

Birgit Noppens

Birgit Noppens
Bild: Bezirksamt Spandau

Mit der Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2008 an Birgit Noppens soll ihr jahrzehntelanges Engagement für den Sport gewürdigt werden und dabei sei besonders hervorgehoben, dass sie trotz ihrer internationalen Tätigkeiten in ihrem Sport die Spandauer Wurzeln nie vergessen oder gar vernachlässigt hat. Hierfür ist die Auszeichnung zweifellos eine angemessene Würdigung.
Die damals in Deutschland kaum den Kinderschuhen entwachsene Sportart American Football ist untrennbar mit Cheerleadern verbunden. Ihren ursprünglichen Gedanken, eventuell den rauen Footballsport selbst aktiv zu betreiben, hat Birgit Noppens relativ schnell verworfen. Dafür hat sie sich mit dem Virus der Sportart Cheerleading infiziert. Erst nach und nach tritt diese Mischung aus Tanz und Akrobatik aus dem Schatten und etabliert sich als eigenständige Sportart. Enthusiastinnen wie Birgit Noppens ist es zu verdanken, dass heute der, übrigens nicht nur von Mädchen und Frauen betriebenen, Sportart immer mehr Aufmerksamkeit zuteil wird.
Inzwischen hat sich das Hauptaugenmerk von Birgit Noppens auf den Bereich der eigenen Kampfrichtertätigkeit und der Aus- und Weiterbildung von anderen Jurorinnen und Juroren verlegt. In ihrer Eigenschaft als Ausbilderin war sie unter anderem auch schon für den österreichischen Verband tätig. Die Stimme aus Spandau wird also weit über die Grenzen der Havelstadt hinaus gehört und respektiert.
Birgit Noppens hat es übrigens geschafft, die Verbindung ihres aktiven Sportes zu ihrer beruflichen Basis zu knüpfen. Seit einiger Zeit organisiert sie im Rahmen der Freizeitsportgruppe des Bezirksamtes eine kleine aktive Gruppe. So bleibt sie nicht nur selbst fit, sonder schafft es auch, Kolleginnen und Kollegen zu einer sportlichen Betätigung zu bewegen. Ein weiteres Betätigungsfeld bildet auch eine Arbeitsgemeinschaft in der Grundschule an der Pulvermühle. Wer Birgit Noppens kennt ist sich sicher, dass Erfolgsmeldungen von den „Powdermill Sisters“ bestimmt nicht lange auf sich warten lassen werden.

Gerlinde Olm

Gerlinde Olm
Bild: Bezirksamt Spandau

Gerlinde Olm wird mit der Spandauer Ehrennadel 2008 für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement in der Kinder- und Jugendbetreuung ausgezeichnet. Eigentlich kennen sie fast alle Bewohner des Falkenhagener Feldes, manche von ihnen kennen ihren vollen Namen, viele kennen sie nur als „Linda“, aber noch mehr Spandauerinnen und Spandauer wissen, das sie die gute Seele des Bauspielplatzes in der Pionierstraße ist.
Schon kurz nach ihrem ersten Besuch fand sich Gerlinde Olm in ihrer aktiven Rolle rund um den Platz. Als es für das Land Berlin immer schwieriger wurde, den Betrieb des Platzes aufrecht zu erhalten, entschloss sich Gerlinde Olm gemeinsam mit einigen engagierten Mitstreitern und aktiven Eltern zur Gründung des Fördervereins Bauspielplatz Pionierstraße e.V.. Unnötig zu erwähnen. dass sie den Vorsitz des Vereins übernahm. Die Bezeichnung Spielplatz findet die Geehrte eigentlich für das vielfältige Angebot der Einrichtung, die ihr in den letzten Jahrzehnten so sehr ans Herz gewachsen ist, völlig unzureichend. Es handelt es sich nach ihrer eigenen Aussage vielmehr um eine „Jugendfreizeit-einrichtung für Menschen von 0 bis 100 Jahren“. Auch als Kontaktperson zu den benachbarten Schulen und den Anwohnern, die nicht immer voller Begeisterung für eine so vielfältige und naturgemäß auch mal mit der einen oder anderen Ruhestörung verbundenen Freizeiteinrichtung sind, steht Gerlinde Olm jederzeit zur Verfügung. Bisher ist es ihr noch immer gelungen, am Ende alle unterschiedlichen Interessenlagen unter einen Hut zu bekommen.
Auch mit den Wohnungsbaugesellschaften hält sie den Kontakt, obwohl dies durch die Eigentümerwechsel der letzten Jahre nicht gerade leichter geworden ist. Nicht selten kommt es vor, dass sie auch von Mietern des Umfeldes der Einrichtung angesprochen und um Hilfe bei der Regelung von alltäglichen Problemen im Wohngebiet gebeten wird. Aber auch in diesen Fragen findet Frau Olm eigentlich immer eine Lösung. In den Fällen, in denen dies einmal nicht so einfach gelingen will, hilft ihr ein wichtiger „Verbündeter“, der übrigens von Insidern auch gern als „Therapiehund Max“ bezeichnet wird. Im Kiez sind die beiden zusammen als nahezu unschlagbares Duo bekannt…
Für Ihr außergewöhnliches Engagement, das über das normale Maß weit hinaus geht, wird sie mit der Goldenen Ehrennadel des Bezirks Spandau ausgezeichnet. „Ihrem“ Platz wird sie aber mit Sicherheit noch lange die Treue halten und darüber können wir uns alle glücklich schätzen!

Prof. Dr. Andreas Waldraff

Prof. Dr. Andreas Waldraff
Bild: Bezirksamt Spandau

Die Tatsache, dass „Klassik in Spandau“ ein fester Bestandteil im Spandauer Kulturkalender geworden ist, verdanken wir dem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement von Prof. Dr. Andreas Waldraff. Er gibt sich ganz der klassischen Muse hin und setzt sich aktiv dafür ein, diese Musikrichtung auch der breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.
Um dieses Ziel zu verwirklichen hat er gemeinsam mit anderen Musikfreunden vor nunmehr 10 Jahren den Verein „Klassik in Spandau e. V.“ gegründet, dessen erster Vorsitzender er seit vielen Jahren ist. Die Wurzeln für diese Idee liegen in der eigenen musikalischen Begabung unseres Auszeichnungsträgers. Als leidenschaftlicher Klavierspieler und Mitglied des Kladower Kirchenchors war und ist ihm die Musik sehr, sehr wichtig. Nach seinen Vorstellungen, die von den übrigen Gründungsmitgliedern des Vereins mitgetragen wurden, sollten regelmäßige Konzerte auf hohem Niveau mit professionellen Künstlern, also nicht mit einem eigenen Ensemble, in seinem Wohnbezirk Spandau angeboten und durchgeführt werden. Finanzieren sollte sich das Projekt „Klassik in Spandau“, durch Sponsorenmittel aus dem Kreis der Spandauer Gewerbetreibenden, keinesfalls jedoch aus öffentlichen Mitteln.
All diese Vorgaben konnten seit Bestehen des Vereins umgesetzt werden. Angesichts der Tatsache, dass „Klassik in Spandau“ in diesem Jahr bereits die 10. Konzertsaison durchführt ein respektables Ergebnis, auf das die Verantwortlichen des Vereins blicken können. Nur ein Vorhaben von Prof. Dr. Andreas Waldraff steht noch „wackligen Füßen“: Die klassischen Konzerte sollten auch verstärkt von der Jugend angenommen werden. Zwar ist die Anzahl der Konzertbesucher stetig wachsend, doch ist die Jugend nur schwerlich für einen Besuch dieser Konzerte zu begeistern.
Prof. Dr. Andreas Waldraff setzt alles daran, „Klassik in Spandau“ in seinem Heimatbezirk noch bekannter zu machen und die Leidenschaft für die klassische Musik bei seinen Mitmenschen weiter zu fördern. Wir hoffen, dass er an seinem Engagement für die Spandauer Kulturwelt noch lange festhält und – gemeinsam mit seinen Mitstreitern im Verein „Klassik in Spandau e.V.“ – uns noch viele Konzertreihen bescheren wird.