Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2007

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 29.10.2007 zum siebten Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gesellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, seiner Stellvertreterin Ursula Meys, dem BVV-Vorsteher Jürgen Vogt und seinem Vertreter Hans Schultz – hatte in diesem Jahr wieder vier besondere Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt werden:

Dietrich Berndt

Dietrich Berndt
Bild: Bezirksamt Spandau

Herr Dietrich Berndt wird mit der Spandauer Ehrennadel 2007 für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement für die Belange der evangelischen Kirche in Spandau
und ihrer Gemeindemitglieder ausgezeichnet. Er erhält diese Auszeichnung zudem für seine über viele Jahre geleistete ehrenamtliche Arbeit in der Kommunalpolitik.
In Spandau bekannt – in Spandau beliebt – in Spandau geschätzt! Nicht besser läst sich Herr Dietrich Berndt beschreiben, der mit seinen 77 Lebensjahren auch noch heute im evangelischen Kirchenkreis ehrenamtlich tätig ist.
Geboren wurde Dietrich Berndt in Niederschlesien. Seine Eltern waren engagierte Kirchenmitglieder, sein Vater bekleidete sogar das Amt des Kantors in seiner Heimatkirchengemeinde. So ist es nicht verwunderlich, dass auch er eine besondere Beziehung zur evangelischen Kirche fand.
Im Jahr 1966 zog es Herrn Berndt nach Spandau, und er begann sogleich an seiner „Karriere“ als Spandauer Ehrenamtlicher zu arbeiten. Zunächst engagierte er sich für das Gemeindeleben in der Laurentiusgemeinde und wurde im Jahr 1980 in den Gemeindekirchenrat gewählt, dem für die Dauer von insgesamt 24 Jahren – also bis zum Jahr 2004 – als aktives Mitglied angehörte. 1996 nahm Herr Berndt die Berufung in die Synode des evangelischen Kirchenkreises Spandau an und wurde im Jahr 1999 zum Präses der Kreissynode gewählt. Seit dem Jahr 2002 ist er Mitglied im Kollegium des evangelischen Kirchenkreises Spandau und hat zugleich den Vorsitz im Kreiskirchenrat übernommen.
Herr Berndt zählt zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, der im Jahr 1998 seine Arbeit aufgenommen hat. Als Vorstandsmitglied dieses Verbandes hat er für das Diakonische Werk die Verhandlungen über die Finanzierung der evangelischen Tagesstätten in Berlin mit dem Berliner Senat geführt. Noch heute liegt die Finanzierung der evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Spandau in seinen Händen, und ein wenig stolz ist er auf die Tatsache, dass er als ehrenamtlicher Geschäftsführer, der er auch heute noch ist, für die Finanzierung der evangelischen Kindertagesstätten mit einem Umsatzvolumen von 5 Millionen € verantwortlich zeichnet.
In den Jahren von 1981 bis 2006 engagierte sich Herr Berndt darüber hinaus in der Bezirksverordneten-versammlung Spandau und hatte von 1992 bis 1995 das Amt des Bezirksverordnetenvorstehers inne.
Bleiben noch die Freizeitaktivitäten! Als „Fan“ klassischer Musik ist er bestrebt, Konzerte der Berliner Philharmoniker in Berlin nicht zu verpassen.
Wir alle können nur hoffen, dass das Vorbild des Ehrenamtlers Dietrich Berndt in unserem Bezirk viele Nachahmer finden möge.

Käthe Brühe

Käthe Brühe
Bild: Bezirksamt Spandau

Frau Käthe Brühe erhält die Spandauer Ehrennadel 2007 für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement auf dem Gebiet des Schwimmsports. Inzwischen sind
es in manchen Familien bereits mehrere Generationen, die das Schwimmen bei Käthe Brühe gelernt haben.
In Berlin-Lichtenberg als ältestes von vier Geschwistern geboren und aufgewachsen, hatte sie es wahrlich in ihrem Leben nie leicht, dennoch hat sie sich vielen Herausforderungen immer wieder gestellt und letztlich hat sie sie alle gemeistert, und wie! Die schwierigen Umstände der Jugendzeit verhinderten, dass ihr Jugendtraum, Sportlehrerin zu werden, sich erfüllen konnte. So begann sie also im Spandauer Siemens-Dynamowerk ihr Berufsleben, zunächst als Laufmädchen, doch im Laufe der Jahre arbeitete sie sich mit der ihr eigenen Kämpfernatur bis zur Sekretärin hoch. Im Jahr 1956 kam Frau Brühe zum Schwimmsport, der sich in den folgenden Jahrzehnten bis zum heutigen Tag mehr und mehr zum Mittelpunkt ihres ehrenamtlichen Wirkens entwickeln sollte.
Herauszuheben ist ihr persönliches Engagement im Rahmen der bundesweit durchgeführten sportlichen Wettkämpfe der Schulen, die als „Jugend trainiert für Olympia“ jedem ein Begriff sind. Das Bundesfinale wird alljährlich in Berlin ausgetragen und Frau Käthe Brühe war es, die den Bereich der Schwimmwettkämpfe im Rahmen dieser Veranstaltung seit dem Jahr 1969 über 33 Jahre lang organisiert hat.
Noch heute verbringt sie nahezu jeden Tag in der Schwimmhalle, gibt Schwimmunterricht, leitet den Breitensport an und organisiert nach wie vor Wettkämpfe. Die Bedingungen sind in den letzten Jahren allerdings immer schwieriger geworden, Probleme mit Hallenzeiten sind leider inzwischen fast an der Tagesordnung. Dennoch ist es für einen jeden, der Käthe Brühe kennenlernt, schnell klar, dass er einer engagierten Frau gegenüber steht, die jederzeit energisch für die Interessen des Schwimmens, das ihr Lebensinhalt geworden ist, einzutreten bereit ist.
Spandau kann jedenfalls froh darüber sein, dass es dieserart ins Schwimmen gebracht wurde….

Rolf-Dieter Meißner

Rolf-Dieter Meißner
Bild: Bezirksamt Spandau

Herr Rolf-Dieter Meißner wird mit der Spandauer Ehrennadel 2007 für sein langjähriges ehrenamtliches Wirken in der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai sowie für sein besonderes Engagement für die integrative Beschulung behinderter Kinder in Regelschulen geehrt.
Geboren wurde Herr Meißner in Berlin-Karlshorst und als Siebzehnjährigen zog es ihn nach Spandau. Nach Erlangung des Abiturs an der Carl-Friedrich-von-Siemens-Oberschule studierte er zunächst Theologie, wechselte jedoch nach vier Semestern zur Pädagogischen Hochschule, an der er fortan Pädagogik studierte. Dieses Studium beendete er im Jahr 1969 erfolgreich und trat sodann in den Spandauer Schuldienst ein, dem er bis zum Erreichen der Altersgrenze im Jahr 2005 die Treue hielt.
Doch an der Kirche hielt Herr Meißner auch nach Abbruch des Theologiestudiums fest. Er war zunächst in der Spandauer Kirchengemeinde St. Nikolai aktiv und leitete als Mitglied der dortigen Jungen Gemein-de verschiedene Jugendgruppen, die sich schwerpunktmäßig mit theologischen Themenstellungen befassten, an. Auch in der neu eröffneten Ladenkirche am Brunsbütteler Damm wirkte Herr Meißner aktiv am Gemeindeleben mit. Ihn faszinierte die Konzeption des Pfarrers Ernst Lange für diese Form der Kirche, nach der sich ein Gemeindeleben in einem ganz „alltäglichen“ Laden ohne Schwellen und Kirchenportale entwickeln sollte derart, dass er sich entschloss, diese Idee aktiv zu unterstützen.
In „seiner“ Gemeinde St. Nikolai hat er über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren den Kaffeeausschank im Museumskaffee – wöchentlich jeweils am Sonntag in der Zeit von 15 Uhr bis 18 Uhr – übernommen. Dieser regelmäßige sonntägliche Kaffeenachmittag hat im Laufe der Jahre einen zunehmend an Beliebtheit gewonnen und einen stetig anwachsenden Besucherandrang erfahren.
Seit Herr Meißner im Ruhestand ist, trifft man ihn vermehrt auch werktags in der St. Nikolai-Kirche an. Er bietet Kirchenführungen und Turmbesteigungen an. Insbesondere bei den Turmführungen sieht er es als seine Aufgabe an, den Besuchern „sein Spandau“ nahe zu bringen, auf die besonderen Attraktionen des Bezirks hinzuweisen und die touristischen Angebote zu verdeutlichen.
Als Pädagoge legte er ein besonderes Augenmerk auf die integrative Beschulung behinderter Kinder in Regelschulen. Er entwickelte hierzu Konzepte und es gelang ihm, diese Konzepte in Spandau Schulen umzusetzen.
Auf die Frage, was Herr Meißner – rückblickend auf seine Aktivitäten – heute eventuell anders gestalten würde antwortet er ohne zögern: „Ich würde in meinen Aktivitäten noch offensiver tätig sein, aber ich bin eben ich!!!!!“. Darauf kann man nur antworten: Herr Meißner, bitte bleiben Sie so wie Sie sind!

Marie-Luise Mozen

Frau Marie-Luise Mozen wird die Spandauer Ehrennadel 2007 für ihren ehrenamtlichen Einsatz für die Belange bedürftiger Mitmenschen in unserer Gesellschaft verliehen.
Frau Mozen ist keine gebürtige Spandauerin, nicht einmal Berlinerin. Dennoch ist sie seit vielen Jahren in der Zitadellenstadt als engagierte Mitbürgerin im ehrenamtlichen Einsatz.
Als erstes von insgesamt sieben Kindern wurde Frau Mozen im Eifel-Städtchen Schleiden geboren.
Die Schulzeit, die für sie unter anderem ein Jahr als Klosterschülerin aufweist, endete mit der Mittleren Reife. Den anschließend in der Frauenfachschule im niederrheinischen Geldern erlangten Abschluss bezeichnet sie selbst heute lächelnd als „Puddingabitur“. Im Anschluss daran absolvierte sie eine Ausbildung an der Frauenfachschule für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen in Köln, die sie 1961 erfolgreich abschloss. Im Jahr 1970 fasste sie gemeinsam mit ihrem Ehemann der Entschluss, aus der Provinz nach Berlin zu gehen.
Unmittelbar nach dem Umzug engagierte sie sich in der katholischen Kirchengemeinde St. Wilhelm, zu-nächst als einfaches Gemeindemitglied, und später dann auch als Gremienmitglied. Seit vier Jahren amtiert sie als Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in St. Wilhelm. Auch hier finden wir wieder das Leitmotiv ihres vielfältigen Wirkens: „Gemeinsam sind wir stark“. So formuliert sie es selbst und wer es mit ihr zu tun bekommt, wird diesen Geist unweigerlich erleben.
Zum Mittelpunkt ihre Aktivitäten im kirchlichen Umfeld hat sich aber das Projekt „Laib und Seele“ entwickelt, das in Zusammenarbeit mit der Berliner Tafel, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg und der katholischen und evangelischen Kirche entstand. Heute werden jeden Mittwoch rund zwei Tonnen Obst, Gemüse, und andere Lebensmittel umgesetzt. Auch wenn es für alle beteiligten Helferinnen und Helfer nicht immer leicht ist, so steht am Ende doch immer wieder das Bewusstsein, anderen Menschen in der Not geholfen zu haben. Dennoch würde sich Frau Marie-Luise Mozen freuen, wenn das Einsammeln der Spenden nicht so manches Mal den Charakter des Bettelns hätte.