Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2006

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 06.07.2006 zum sechsten Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gesellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, seiner Stellvertreterin Ursula Meys, dem BVV-Vorsteher Jürgen Vogt und seinem Vertreter Uwe Ziesak – hatte in diesem Jahr wieder vier besondere Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt werden:

Horst Bien

Horst Bien
Bild: Bezirksamt Spandau

Als “das goldene Herz der Wilhelmstadt in schwarzer Amtstracht” könnte man Pfarrer Horst Bien beschreiben.

Fast 32 Jahre lang leitete er als Pfarrer die Gemeinde St. Wilhelm und beschränkte sich hierbei bei weitem nicht nur auf die Wahrnehmung der eigentlichen Pfarrgeschäfte. Vielmehr wollte er stets durch sein Wirken die Gemeinde öffnen für alle Bewohner des Ortsteil Wilhelmstadt, unabhängig ob Kirchgänger oder nicht. Von der Gemeinde St. Wilhelm sollten alle etwas haben, die hier leben.
Sein unverkennbares Lebensmotto, die praktizierte Nächstenliebe, verhalf ihm immer wieder zu neuen Entscheidungen, die zur Verbesserung der Lebenssituation in dem Ortsteil beitragen sollten. Dabei konnte er selbstverständlich überwiegend lediglich als Impulsgeber tätig sein und im Rahmen seines Einflussbereiches unterstützend eingreifen, doch aufgrund seiner allgemeinen Beliebtheit fanden sich auch immer mehr Anhänger, die seine Anstöße auch realisieren ließen.

Kirche für alle öffnen hieß für ihn zunächst, die Kirchenräume den in der Wilhelmstadt angesiedelten Schulen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. So führte eine Grundschule regelmäßig im Gemeindesaal die Einschulungsveranstaltungen durch und die Kirche selbst konnte als Aufführungsstätte für die Weihnachtskonzerte der Grundschulen genutzt werden. Aber auch die Blindenschützen fanden in den Gemeinderäumen ein zu Hause.

Pfarrer Horst Bien initiierte wieder die Martins – Umzüge mit dem Martinsspiel für die Kinder der Wilhelmstadt, die in späteren Jahren dann von der IG Wilhelmstadt übernommen wurden. Er führte regelmäßig Kinder- und Jugendfahrten durch und setzte sich nachhaltig und mit aktiver Unterstützung für die Einrichtung und den Betrieb der in der Wilhelmstadt eingerichteten Kinderküche ein.
Auch ein Mini – Club nahm Einzug in die Gemeinderäume von St. Wilhelm, und damit die „Kleinen“ auch auf Sonne nicht verzichten müssen, stellte er seinen persönlichen Garten gleich mit zur Verfügung.
Nicht zu vergessen ist aber auch sein Engagement für die älteren Mitbürger des Ortsteils. In dem von ihm gegründeten Seniorenkreis fanden sich regelmäßig bis zu 80 Seniorinnen und Senioren ein, die von ihm Geselligkeit erfahren haben.

Pfarrer Horst Bien, ein Kind aus Berlin – Karlshorst, der sich seine neue Heimat in der Zitadellenstadt Spandau gesucht und hier auch gefunden hat. Engagiert für den Mitmenschen einzutreten, Wege für ein verbessertes und angenehmeres Leben im Kiez zu suchen, waren die Elemente seines Wirkens auch außerhalb seiner Pfarrgeschäfte. Die Wilhelmstadt muss auf neue Impulse aus diesem Wirken seit seiner Versetzung in den Ruhestand vor nunmehr 4 Jahren verzichten, hoffentlich halten die „Pfosten“, die Herr Pfarrer Horst Bien während der Zeit seines aktiven Wirkens in der Wilhelmstadt verankert hat, noch lange.

Rosemarie Farenski

Rosemarie Farenski
Bild: Bezirksamt Spandau

Eine “Haselhorsterin”, die voll und ganz für ihren Ortsteil aufgeht.

Im Juni 1984 schloss sich Rosemarie Farenski der Idee an, eine Institution zu schaffen, in der die Mitbürgerinnen und Mitbürger des Ortsteils Haselhost ihre eigenen Vorstellungen und Ideen zur Gestaltung ihres Lebensumfeldes verwirklichen können, und wurde zur Mitbegründerin des Gemeinwesenvereins Haselhorst e.V.. Bereits ein Jahr später übernahm sie die Funktion der 1. Vorsitzenden und die Aufgaben der Geschäftsführung in dem Gemeinwesenverein. Beide Aufgabenbereiche nimmt sie noch heute ungemindert wahr.
An Ideen zur Verbesserung der Lebenssituation im Ortsteil Haselhorst hat es ihr bislang nicht gemangelt. So hat sie sich intensiv um eine Vernetzung der vorhandenen Einrichtungen in dem Ortsteil bemüht, hat gute Kontakte zu den dort angesiedelten Wohnungsbaugesellschaften aufgebaut und Beratungs- und Betreuungsangebote für die Mitbürgerinnen und Mitbürger des Ortsteils organisiert.
Auch auf die Haselhorster “Geschäftswelt” ist Rosemarie Farenski zugegangen, und konnte die Gewerbetreibenden für eine verstärkte Einbindung in die Stadtteilarbeit gewinnen.

Zudem ist Rosemarie Farenski die Präsentation des Gemeinwesenvereins “nach Außen” wichtig. So ist sie maßgeblich beteiligt an der Erstellung der regelmäßig erscheinenden Stadtteilzeitung und organisiert das beliebte und oftmals als “Jahreshöhepunkt” bezeichnete Stadtteilfest Haselhorst.
Egal ob Schularbeitshilfen oder Seniorentreffen, ob Spielekreise, offener Kaffeenachmittag oder Migrantentreffen, an weitestgehend allen Aktivitäten im Ortsteil Haselhorst ist Rosemarie Farenski beteiligt. Und in der Zeit zwischen den Einzelveranstaltungen kümmert sie sich um den “Papierkram”, der angesichts der beachtlichen Umfangs der Aktionen im Ortsteil Haselhorst auch in nicht unerheblichen Maße anfällt.

Bei alledem bleibt nicht viel Zeit für das Privatleben. Etwas mehr Zeit für das Enkelkind hätte sie sicherlich gerne. Auch der Ehemann kommt ab und an ins Hintertreffen und trägt dies mit Geduld.
Ihre Erholung schöpft sie aus ihrem Garten. Dort kann sie in der Sonne die Seele baumeln und den Alltagsstress hinter sich lassen. Doch wer Rosemarie Farenski kennt, weiß auch, dass sie selbst in diesen wenigen Momenten der Erholung den Gemeinwesenverein Haselhost e.V. nicht aus ihrer Gedankenwelt zurückdrängen kann.

Rosemarie Farenski ist mehr als eine Mitbürgerin aus dem Ortsteil Haselhorst, sie ist zwischenzeitlich selbst zu einem “Stück Haselhorst” geworden.

Heinz Laternser

Heinz Laternser
Bild: Bezirksamt Spandau

Als gebürtiger Zehlendorfer, der seine Zelte im Berliner Süden nicht abgebrochen hat, mischt Heinz Laternser ganz schön in der Spandauer Wirtschaft mit.
Eigentlich wollte er mit seiner Firma LAT – Fernmeldemontagen nicht in das für ihn so weit entlegene Spandau ziehen. Der Bezirk Charlottenburg – möglichst in der Nähe des Funkturms – war seine Wunschvorstellung für die Betriebsansiedlung. Doch konnten unsere Bezirksnachbarn ihm nicht das bieten was er begehrte: die dort zur Verfügung stehenden Grundstücke waren entweder zu klein oder aber zu teuer.

Durch Zufall wurde er dann auf das Grundstück in der Götelstraße am Havelufer aufmerksam. Der Grundstückspreis war auch nicht gerade als ein „Schnäppchen“ zu beschreiben, dennoch entschloss er sich noch im Jahr 1972 für den Betriebssitz seiner Firma an diesem Ort. Bereut hat er es bislang noch nicht, und er fühlt sich seither mit der Zitadellenstadt Berlin – Spandau sehr verbunden.

Diese Verbundenheit bringt er auch durch persönliche Aktivitäten zum Ausdruck. So hat Heinz Laternser im Jahr 1999 die Arge „Berliner Zentrum“ in Wolgograd mitbegründet, und ist ein „Motor“ bei der Aufrechterhaltung der Kontakte des Bezirks Spandau zu der Stadt Wolgograd.

Nicht zu vergessen ist aber vor allem sein weites Herz für das Gemeinwohl der Havelstadt Spandau. Die weitreichende Unterstützung des (fast) benachbarten Kindergartens „Hoppetosse“ sei hier ebenso zu erwähnen wie die vielen Sponsorenleistungen, die er im Laufe der Jahre für die Spandauer Bezirksverwaltung erbracht hat. Hierbei ist besonders sein Engagement anlässlich des 50 jährigen Jubiläums der Partnerschaft mit der Stadt Siegen und dem Kreis Siegen – Wittgenstein hervorzuheben, ohne das die hierzu ausgerichteten Feierlichkeiten in unserem Bezirk eine wesentliche „Schmälerung“ hätten erfahren müssen.

Noch eines darf nicht unerwähnt bleiben: seine Liebe zum Feuerwerk. Immer wieder lässt er die Spandauer Schulenburgbrücke in dem pyrotechnischen Lichtglanz erstrahlen, und findet auch noch in den späten Abendstunden eines Sommertages hierbei eine nicht unbeachtliche Anzahl von Anhängern.

Hella Zarski

Hella Zarski
Bild: Bezirksamt Spandau

Seit 1998 ist Hella Zarski 1. Vorsitzende des Arbeitskreises Spandauer Künstler (ASK). Die ausgebildete Grafikerin hat sich mit der Zielsetzung des ASK, die Kunst an Spandauer Mitbürgerinnen und Mitbürger heranzutragen, voll und ganz identifiziert. Die Kunst lebt von den Ausstellungen, und so organisiert sie Ausstellungen in Krankenhäusern, Seniorenwohnhäusern und überall dort, wo die Arbeiten der Künstler des ASK angefragt werden.

Der ASK ist ein Verbund von ca. 40 aktiven Künstlern, den es aufrecht zu erhalten gilt. Nicht immer leicht, denn dieser Verbund setzt sich zusammen aus 30 bildnerischen Künstlern und einer 10 köpfigen Autorengruppe. Diese sehr unterschiedlichen Kunstsparten und die Tatsache, dass Künstler allgemein ein “Rudel” von Individualisten sind, erfordert ihr uneingeschränktes Engagement in dem Bemühen, den Zusammenhalt der Künstler zu stäken und zu fördern. Dies ist ihr bislang gelungen und wird sich hoffentlich auch weiterhin erfolgreich fortsetzen.

Hella Zarski bezeichnet ihre Funktion im ASK als “Mutter der Nation”. Sie ist die Frau für alle Fälle, angefangen von allen anfallenden Verwaltungsaufgaben im ASK über die Organisation von Ausstellungen und Künstlerreisen bis hin zur Gestaltung und Renovierung der dem ASK zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten.

Doch auch wenn die sehr zeitaufwendige Arbeit als 1. Vorsitzende des ASK von ihr ganz offensichtlich nicht als besondere Belastung erfahren wird, gilt ihre volle Hinwendung der bildnerischen Kunst. Die Arbeit mit Farben, das Erfassen von Motiven und festhalten auf der Leinwand, sind ihr künstlerischer Lebensinhalt. Das hierbei von ihr vor allem Bilder mit Motiven aus der Natur geschaffen werden, hat auch einen tieferen Hintergrund. Hella Zarski, ein Kind unserer Stadt Berlin, ist in einem der wohl ländlichsten Gebiete der Großstadt aufgewachsen, im Dorf Lübars. Noch heute besucht sie gern ihr “Dorf”, und lässt sich von der Natur inspirieren, um dann in ihrer neu gewählten Heimat, der Zitadellenstadt Spandau, in der sie sich sehr wohl fühlt, ihre Wahrnehmungen künstlerisch darzustellen.

Durch ihr persönliches Wirken im ASK beabsichtigt Hella Zarski die Kunst auch für breite Teile der Spandauer Bevölkerung aufrecht zu erhalten und der Bevölkerung näher zu bringen. Hierzu bietet sie neben den Ausstellungen auch Kurse an, an denen sich jedermann beteiligen an. All dies betreibt sie seit Jahren mit Erfolg, wie es allein die guten Besucherzahlen zu den Veranstaltungen des ASK beweisen.

Wir können nur hoffen, dass die erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit von Hella Zarski dem Bezirk Spandau auch weiterhin lange erhalten bleibt, und ihre noch angestrebten weitergehenden Aktivitäten, zu denen vor allem ein Künstleraustausch mit Wolgograd zählt, sich alsbald realisieren lassen.