Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2005

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 08.12.2005 zum fünften Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, seiner Stellvertreterin Ursula Meys, dem BVV-Vorsteher Jürgen Vogt und seinem Vertreter Uwe Ziesak – hatte in diesem Jahr drei besondere Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt wurden:

Andre Bittner

Andre Bittner
Bild: Bezirksamt Spandau

Andre Bittner, geboren in Spandau und hier aufgewachsen, hat die Schulausbildung an der Martin-Buber-Oberschule genossen, die Ausbildung in einem Spandauer Betrieb absolviert und nicht zuletzt auch die eigene Familie hier in der Zitadellenstadt Spandau gegründet.
Sein ganzer Stolz ist sein vor knapp zwei Monaten – am 13. Oktober 2005 – geborener Sohn Finley. Seine große Leidenschaft ist der Fußballsport. Sein Traum war es, Fußballprofi zu werden, doch seine Ausbildung und nachhaltig wirkende Verletzungen ließen dieses nicht zu. So ist er heute immerhin Fußballtrainer einer Spandauer Jugendmannschaft.
Andre Bittner ist es gelungen, am 02. April 2005 eine vom Ertrinken bedrohte Frau aus der Fahrrinne der Havel zu bergen. Und dies bei einer Wassertemperatur von nur 5° C.
Eigentlich wollte er an diesem Tag gegen 21.10 Uhr mit seinem Auto jemanden von der Insel Eiswerder abholen, und dann einen schönen Abend verbringen. Mitten auf der Eiswerderbrücke hielt ihn aber ein Radfahrer an und wies auf eine in der Havel treibende Person hin. Von einem Kind war zunächst die Rede. Andre Bittner zögerte nicht, alarmierte per Handy die Polizei und stieg sodann von der Uferbefestigung aus selbst in die Havel um die Person zu retten.
Mit Hilfe des zwischenzeitlich in das Wasser geworfene Rettungsringes konnte er eine ältere Frau aus dem Wasser bergen.
Mit diesem hervorragenden und vorbildlichem mitmenschlichen Handeln und Wirken hat sich Andre Bittner unter Einsatz des eigenen Lebens für einen anderen Menschen in einer lebensbedrohlichen Not eingesetzt.
Nicht nur die gerettete Frau, auch er selbst war am Ende der Rettung völlig erschöpft und kraftlos. Und dennoch würde Andre Bittner dieses immer wieder tun und sich auch wieder in Gefahr begeben, um einen anderen Menschen zu retten. Für ihn selbst ist dies keine Frage.

Paula Heckhausen

Paula Heckhausen
Bild: Bezirksamt Spandau

Paula Heckhausen hat sich insbesondere durch ihre langjährigen Tätigkeiten zur Aufrechterhaltung der Städtepartnerschaft zu Asnières und in weiteren ehrenamtlichen Diensten einen Namen gemacht.
Paula Heckhausen hat in ihrem Leben eine Vielzahl von Verpflichtungen übernommen, denen sie gerne und mit vollem Einsatz nachgekommen ist. So hat sie bis vor wenigen Jahren in einer Spandauer Kirchengemeinde bei der Behindertenbetreuung mitgewirkt, in dem sie sich an der Ausrichtung und Gestaltung der regelmäßigen Zusammenkünfte und Veranstaltungen maßgeblich beteiligt hat.
Auch die Aufrechterhaltung der städtepartnerschaftlichen Kontakte des Bezirks Spandau zu der französischen Stadt Asnières lag ihr am Herzen. Sie unterstützte das Bezirksamt und den Partnerschaftsverein bei der Überwindung von “Sprachbarrieren” mit ihren mittlerweile erworbenen sehr guten französischen Sprachkenntnissen, begleitete Partnerschaftsbesuche und baute somit auch persönliche Kontakte zu Senioren in Asnières auf, die noch heute Bestand haben.
Weiter ist Paula Heckhausen im ehrenamtlichen Bereich aktiv. So beteiligt sie sich regelmäßig an der Essenausgabe in der “Suppenküche” einer Spandauer Kirchengemeinde. Vor allem aber ist sie bereits seit 1979 stark engagiert im Besuchsdienst der Sozialkommission 21. Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeit nimmt sie für das Spandauer Bezirksamt die Geburtstagsgratulationen im Krankenhaus Vitalis – vormals Birkenhof – wahr. Mindestens zehn bis zwölf mal monatlich führt sie der Weg an das Krankenbett, um dort mit ihren guten Wünschen und mit ihrem Gesprächsangebot anderen Menschen Freude zu bereiten.
Im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten ist Paula Heckhausen oftmals mit dem Leid und der Not anderer konfrontiert. Nicht immer kann sie dies “wegstecken”, oftmals belastet sie der Lebensumstand ihrer Mitmenschen nachhaltig. Dennoch hält sie an der von ihr übernommenen Aufgabe fest, und steht diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Rat und Tat, mit offenem Ohr und ihrer Gesprächsbereitschaft zur Verfügung.
Die Ehrung würdigt ihre Ausdauer, die zahlreichen Aufgaben selbständig und zuverlässig – immer am Menschen orientiert – wahrzunehmen. Für Paula Heckhausen ist der Dienst am und für den Menschen zu einer Selbstverständlichkeit und auch zu ihrem persönlichen Lebensinhalt geworden.
Paula Heckhausen hat mehr als beispielhaft bewiesen, dass sich das persönliche Engagement, auf das es heutzutage immer mehr ankommt, lohnt und sie dabei immer mehr an die anderen als an sich selbst gedacht hat.

Olaf Nawrot

Olaf Nawrot
Bild: Bezirksamt Spandau

Olaf Nawrot ist Zollbeamter im Ruhestand. Sein ganzes Leben hat er bisher mit Musik verbracht. Eigentlich sollte er einen anerkannten Handwerksberuf erlernen. Doch entsprach dies nicht seinen Lebensvorstellungen, und so erlernte er lieber im Rahmen von privatem Musikunterricht den Umgang mit der Trompete, der Geige und dem Klavier.
Fortan wollte er seinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen. Jedoch musste er sich auf Gelegenheitsauftritte beschränken und nebenher als Lagerist mit Fahrertätigkeit im Wedding arbeiten.
Dem Rat zweier Freunde folgend begann Olaf Nawrot am 1.10.1964 beim Deutschen Zoll eine Ausbildung als Zollanwärter. Noch am gleichen Tag wurde er Mitglied des Zollorchesters Berlin, dem er bis heute aktiv angehört.
Olaf Nawrot hat während seiner Tätigkeit beim Deutschen Zoll Gesetzbuch und Noten parallel verwaltet. Seit dem 01.01.1992 übernahm er den Dirigentenstab für das Orchester und ist seitdem Leiter des Berliner Zollorchesters.
Das Zollorchester Berlin – bestehend aus 30 Musikern, von denen nur noch 10 Orchestermitglieder aktiv im Zolldienst tätig sind – erfreut sich einer großen Beliebtheit bei der Bevölkerung. Viele Auftrittsgesuche werden an das Orchester herangetragen, und in Spandau ist es vor allem bekannt geworden durch die regelmäßige Teilnahme an dem Spandauer Weihnachtsmarkt, als Gastorchester beim Tag der offenen Tür der Polizeidirektion 2 Berlin sowie im Zusammenhang mit der Ausrichtung und Gestaltung der Schülerlotsenfeiern. Wann immer das Orchester in den Bezirk Spandau gerufen wird, steht es dem Bezirk mit seinen musikalischen Klängen zur Verfügung. Das Zollorchester Berlin, ein verlässlicher Partner für Spandau!
Trotz Personalnöte und knapper Kassen lässt sich Olaf Nawrot nicht entmutigen und sieht dem Weiterbestehen des Zollorchesters Berlin – der Musik seiner Mannen in grünen Uniformen – mit Optimismus entgegen.
Dank der aktiven und über das normale Maß hinausgehenden Arbeit von Olaf Nawrot im Zollorchester Berlin e.V. wird dieser vielerorts als Beispiel für die Pflege von kulturellen Kontakten angesehen und hervorgehoben.
Ohne das persönliche Engagement von Olaf Nawrot wäre so vieles, was dem Bezirk Spandau in den letzten Jahrten kulturell und künstlerisch vom Zollorchester Berlin dargeboten wurde, nicht möglich gewesen.