Es gibt Menschen, die engagieren sich, weil sie gefragt werden.
Es gibt Menschen, die engagieren sich, weil sie ein bestimmtes Amt übernehmen. Und es gibt Menschen, die sich engagieren, weil sie gar nicht anders können. Weil sie sehen, dass etwas getan werden muss – und es dann einfach tun.
Unsere heutige Geehrte gehört genau zu dieser dritten Kategorie.
Sie hat einmal einen Satz gesagt, der zunächst fast beiläufig klingt:
„Ich kümmere mich um Sachen, die mich stören, die mich aber gar nichts angehen.“ Wenn man darüber nachdenkt, steckt darin eigentlich die schönste Beschreibung dessen, was Ehrenamt ausmacht.
Ihr Leben begann jedoch nicht in Spandau. Mit gerade einmal 18 Jahren fasste sie einen mutigen Entschluss: Sie verließ ihr Heimatdorf und zog nach Berlin. Für viele junge Menschen ist das heute fast selbstverständlich. Damals war es das keineswegs.
Vielleicht war genau dieser Mut auch der Grundstein für das, was später folgen sollte. Denn wer bereit ist, neue Wege zu gehen, der ist häufig auch bereit, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.
Über viele Jahre hinweg engagierte sie sich mit großem Einsatz in der Kirchengemeinde St. Nikolai. Sie organisierte, unterstützte, half dort wo sie gebraucht wurde. Dabei durfte sie auf Menschen treffen, die ihren Weg begleitet und geprägt haben – insbesondere Dr. Lehmann und Herrn Holderbaum. Dort übernahm sie Verantwortung und gestaltete das Gemeindeleben aktiv mit. Doch ihr Engagement endete nicht an den Türen der Kirche.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ihres Lebens wurde der Kajak-Club Albatros 1926 e.V. Und auch hier zeigt sich wieder ihre ganz besondere Bescheidenheit. Auf die Frage nach ihrem sportlichen Hintergrund sagte Sie: „Ich war keine Sportlerin im eigentlichen Sinn.“ Und nach einer kurzen Pause fügte sie lächelnd hinzu: „Unsere Kinder dafür umso mehr.“
Wie so oft beginnt ehrenamtliches Engagement ganz unspektakulär.
Die Kinder treiben Sport. Man fährt sie zum Training. Man hilft einmal bei einer Veranstaltung. Dann übernimmt man eine kleine Aufgabe.
Und ehe man sich versieht, sind aus ein paar Stunden viele Jahre geworden.
Auch im Verein entwickelte sich genau daraus ein außergewöhnliches Engagement. Gerade Vereine leben von Menschen wie ihr.
Nicht nur von denen, die im Mittelpunkt stehen. Sondern von denen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass Veranstaltungen stattfinden, Jugendliche gefördert werden, Gemeinschaft entsteht und Traditionen weitergegeben werden. Wenn wir heute über Ehrenamt sprechen, denken wir häufig an große Projekte oder spektakuläre Aktionen. Dabei besteht Ehrenamt meistens aus vielen kleinen Dingen.
Aus einem offenen Ohr.
Aus einem Telefonat.
Aus einer Besorgung.
Aus einer Sitzung am Abend.
Aus einer Veranstaltung am Wochenende.
Aus dem Satz:
“Ich kümmere mich darum.”
Und wenn man diese kleinen Dinge über Jahre und Jahrzehnte zusammenzählt, entsteht daraus etwas Großes.
Es entsteht Vertrauen.
Es entsteht Gemeinschaft.
Es entsteht Heimat.
Unsere heutige Geehrte hat genau das geschaffen.
Sie hat Generationen begleitet.
Sie hat Menschen zusammengebracht.
Sie hat Verantwortung übernommen, ohne sie jemals in den Vordergrund zu stellen.
Und vielleicht ist genau das das Besondere an ihr.
Liebe Frau Sigrid Meyer, mit Ihrem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagement haben Sie unzähligen Menschen geholfen, Gemeinschaft gestaltet und Verantwortung übernommen. Zum Glück gibt es Menschen wie Sie. Denn ohne Menschen, die genau so denken und handeln, wäre unsere Gesellschaft um vieles ärmer.
Bevor wir zum offiziellen Abschluss kommen, möchte ich noch einen persönlichen Wunsch von Ihnen aufgreifen. Ihr jahrzehntelanges Engagement wäre ohne die Unterstützung Ihres Mannes nicht möglich gewesen – für diesen Rückhalt möchten Sie ihm von Herzen danken.
Ebenso gilt Ihr Dank der Gemeinde St. Nikolai, ihren Pfarrern und dem Gemeindekirchenrat, die stets ein offenes Ohr für Ihre Anliegen hatten. Dieses Miteinander hat Ihr ehrenamtliches Wirken über viele Jahre getragen.
Es ist uns eine große Freude und Ehre, Ihnen heute die Spandauer Ehrennadel in Gold zu verleihen.
Herzlichen Glückwunsch – und vielen Dank.