Es liegt was in der Luft, Musik liegt in der Luft,
wenn von Karol Borsuk die Rede ist
Lieber Karol Borsuk,Betrachtet man auch nur kurz ihr Leben, wird schnell klar: In diesem Leben steckt überall Musik.
Es ist klar, dass, als sie 1949 in einer kleinen Gemeinde in Polen geboren werden, sich die ortsansässige Musikschule in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Es ist klar, dass Ihr Elternhaus sie anhält, eben diese zu besuchen. Die ersten musikalischen Gehversuche starten auf der Geige. Schnell entsteht bei Ihnen eine weitergehende Faszination und eine Leidenschaft für Noten, Rhythmik und das darauf aufbauende virtuose Zusammenspiel mehrerer Musikerinnen und Musiker.
So überrascht es nicht, dass sie ihr Musikstudium am Kunstinstitut in Lublin folgerichtig zur Dirigententätigkeit des akademischen Chors führt– Eine Stelle, wie sie mit Augenzwingern berichten, die auch unter den Professoren des Instituts nicht unbeliebt war. Doch sie setzen sich durch, auch weil sie ein akribischer Arbeiter sind.
„Ich habe mein ganzes Leben akribisch gearbeitet“, sagen sie. Diesen Arbeitsethos machen sie auch dafür verantwortlich, dass in Ihrem Leben die Angebote für musikalische Tätigkeiten immer im richtigen Moment gekommen sind.
Letztlich war es ein Austausch des Akademischen Chors Lublin mit dem Universitätschor der Freien Universität Berlin, der sie, lieber Karol Borsuk, das erste Mal nach Berlin bringt. Nach einem zweiten Austausch und dem Ausrufen des Kriegsrechts in Polen im Jahr 1981, zum Zweck der Zerschlagung der Demokratiebewegung, fliehen nach Berlin. Eine Stadt, die ihnen nicht nur musikalisch ans Herz wächst.
In Berlin folgt die hauptberufliche Fokussierung auf Musik auf Anraten von Kollegen rund um Ernst Senff von der Berliner Philharmonie. Sie beschreiben dies im Nachhinein als das „unfassbare Glück“ ihres Lebens.
1985 dann ein neues Angebot: Der Frauenchor Spandau sucht einen neuen ehrenamtlichen Dirigenten. Und da ist es wieder: Ein Momentum, das sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht. Ihre Akribie, ihr Arbeitseifer und die Faszination für die Sache bringen sie genau an den richtigen Ort.
Gemeinsam mit dem Frauenchor erleben sie, lieber Karol Borsuk, echte Highlights ihrer musikalischen Laufbahn. So führen sie 1988 schon unter tatkräftiger Mithilfe des Frauenchors Spandau ein Konzert inmitten Berlins auf – vor über 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauern.
Aber auch mit der von Piotr Moss eigens komponierten „Spandau Messe“ ziehen sie mit ihrem Spandauer Frauenchor seit vielen Jahren durch die Kulturstätten der Stadt. Und nicht zuletzt die Adventskonzerte erfreuen sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit – eben auch, weil sie ständig an sich arbeiten, sich weiterentwickeln und stets mit der Zeit gehen.
Sie glauben an Veränderungen, an Weiterentwicklung – ohne das man dabei seine Wurzeln verliert.
„Musik ist ein Kosmos: Aus verschiedenen Gedanken kommen verschiedene Ideen.“, darf ich sie zitieren. Darum ist es für sie auch immer die Faszination an Kunst, die Faszination, sich mit anderen Künstlern auseinanderzusetzen, die Ihre Arbeit vorantreibt.
Für 40 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit als Dirigent des Frauenchors Spandau, die Spandauer Ehrennadel in Gold.
Herzlichen Glückwunsch Karol Borsuk!